"Poesie ohne Uranstaub"

Protest gegen Atomkraft-Geld für Literaturfest

Literaturförderung mit Geld der Atomindustrie – für viele Literaten undenkbar. Doch die Stadt Erlangen lehnt es erst einmal ab, sich vom Sponsor Areva zu trennen.

Foto: Erlanger Poetenfest ? Erich Malter, 2010 / Erlanger Poetenfest / Erich Malter, 2010

Die Veranstalter des Erlanger Poetenfestes geraten wegen der Zusammenarbeit mit dem Atomkonzern Areva zunehmend in die Kritik von Literaturfreunden. Um künftig auf die Unterstützung des Unternehmens verzichten zu können, haben sie bundesweit zu einem "Bürger-Sponsoring" aufgerufen. Das Poetenfest gilt als wichtiger Literaturtreff vor der Frankfurter Buchmesse.

Ein Sprecher der Initiative "Poesie ohne Uranstaub" betonte am Freitag, wenn genügend Bürger für das Fest spendeten, könnte das Festival im kommenden Jahr ohne die 15.000 Euro von der Areva auskommen. Bis zum Freitag seien knapp 7.000 Euro auf einem Treuhandkonto eingegangen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Herbst ausreichend Geld zusammenbekommen."

Programmmacher wollen Sponsor überdenken

Das Poetenfest dürfe nicht länger dafür herhalten, "das Image einer Branche zu verbessern, die Mensch und Natur existenziell gefährdet", heißt es auf einem Flugblatt der Initiative. Dass ein Atomkonzern das Erlanger Poetenfest als "Imageaufbereitungslage" nutze, werde dem Anspruch der Poesie nicht gerecht.

Die Stadt Erlangen sieht dagegen "keinen Grund, die langjährige Partnerschaft mit Areva zu beenden", wie Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) in einem Vorwort für das Programmheft des Literaturfestivals betont.

Die Programmmacher kündigten dennoch an, sich mit dem Thema "Areva-Sponsoring" während des Poetenfestes auseinanderzusetzen. Geplant sei unter anderem eine Podiumsdiskussion unter dem Motto "Der Geruch des Geldes".

Seit sieben Jahren keine Proteste gegen Sponsor

Erstaunt zeigt sich der Erlanger Kulturreferent Dieter Rossmeissl (SPD) über die Aktion: Der Atomkonzern sei seit sieben Jahren Sponsor des Poetenfestes. "Bis jetzt hat es keine Proteste gegen den Sponsor Areva gegeben".

Auch wenn er persönlich kein Befürworter der Atomkraft sei, so halte er Geld von einer Firma wie Areva dennoch für vertretbar: "Wenn jemand – wie Areva – Geld in unserer Stadt verdient, dann soll er auch etwas für die Lebensqualität in dieser Stadt tun", sagte Rossmeissl.

Bei dem Literaturfestival vom 25. bis zum 28. August werden etwa 70 Schriftsteller, Literaturkritiker und Publizisten in Erlangen erwartet, darunter auch der in diesem Jahr nach Deutschland geflüchtete chinesische Schriftsteller Liao Yiwu.

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