"Der Albaner"

Ein Einwanderer wird für die große Liebe kriminell

Ein junger Albaner reist als illegaler Einwanderer nach Deutschland, um dort das große Geld zu verdienen. Er braucht 10.000 Euro um heiraten zu dürfen.

An kaum einem Ort lässt sich das Wohlstandsgefälle in Europa besser illustrieren als an einem Grenzübergang. Wenn am Wegesrand Männer kauern, die ihr Hab und Gut statt in Rollkoffern in unförmigen Tragetaschen mit sich führen, wissen wir, dass wir uns am Rand des Kontinents befinden, weniger im geografischen als im ökonomischen Sinne.

Rüde Grenzbeamten, die eine Aura von Willkür verbreiten, duldsame Menschen mit gesenkten Köpfen oder auch schnellen Beinen, als eine Ladung Illegaler entdeckt wird – mit solchen Szenen aus dem Grenzgebiet von Griechenland nach Albanien lässt Johannes Naber seinen Film beginnen.

10.000 Euro braucht Arben, um heiraten zu dürfen

Er führt so ein in eine Welt, in der die wirtschaftliche Not die Menschen von der einen auf die andere Seite drängt, während die politische Ordnung sich dagegen stemmt. Den Profit aber tragen immer die Falschen davon.Arben (Nik Xhelilaj) und sein Vater (Cun Lajci) kehren von ihrem Gastarbeiterjob in Griechenland ins heimische albanische Bergdorf zurück.

Gleich nach dem Essen werden Scheine gezückt und gezählt. Da ahnt der Zuschauer schon, dass das Geld nicht reichen wird. Denn Arben ist in Etleva (Xhejlane Terbunija) verliebt. Und die wird bald schwanger von ihm. Arben soll 10000 Euro zahlen, um sie heiraten zu können – noch bevor das Kind geboren ist. Wo lässt sich in so kurzer Zeit so viel Geld verdienen? In Deutschland, flüstert man ihm zu.

Also macht er sich auf und landet schließlich in Berlin, wo ihn mit lausigen 3-Euro-Jobs und winterlichen Temperaturen das volle Elend des illegalen Einwanderers trifft. Als einziger Ausweg präsentiert sich der Abstieg in die Kriminalität. Arben ergreift seine Chance und mischt bei einer Schlepperbande mit.

Hinter Klischees versteckt sich ein ehrlich gemeinter Appell

Doch auch da sieht es so aus, als ob immer die anderen profitieren. Durchaus solide erzählt und gut gespielt, reiht sich „Der Albaner“ in jene Sorte deutscher Filme ein, die den Zuschauer für ihre gute Absicht in Geiselhaft nehmen.

Sicher, einerseits werden hier Klischees auf naiv-naturalistische Weise nachinszeniert: das sommerliche Bergdorf mit seinen spielenden Kindern, den alten Männern auf den Bänken und den rauen patriarchalischen Sitten, im Kontrast dazu das kalte Berlin und seine feuchten Abbruchhäuser, in denen Illegale auf schmutzigen Matratzen neben kleinen Lagerfeuern fast an Lungenentzündung zu Grunde gehen.

Hinter diesen seifenopernhaften Ausmalungen aber steht andererseits ein offenbar ehrlich gemeinter Appell für mehr Verständnis für das schwierige Los jener, die das Pech hatten, in den ärmeren Regionen Europas aufzuwachsen.