"Die Vaterlosen"

Was vom nackten und wilden Hippieleben übrig blieb

Vier Kinder finden nach dem Tod ihres Vaters nach Jahren wieder zusammen. Schon bald offenbaren sich In "Die Vaterlosen" alte Familiengeheimnisse.

Ein allein stehendes, recht heruntergekommenes Landhaus in einem österreichischen Bergtal. Die Angehörigen des gerade verstorbenen Hans finden sich ein, der hier vor langer Zeit eine Kommune aufgezogen hatte, die Ende der 80er recht unschön zu Ende gegangen war.

Der Tod des gemeinsamen Vaters (Johannes Krisch) bringt die erwachsenen Geschwister nun nach Jahren wieder zusammen und konfrontiert sie mit der gemeinsamen Vergangenheit. Vor allem die Ankunft von Kyra (Andrea Wenzl), eine nicht mit den anderen aufgewachsene Halbschwester, sorgt für Verwirrung.

Mizzi (Emily Cox), die jüngste der vier und seit einem Unfall als Baby an neurologischen Ausfällen leidend, will unbedingt herausfinden, warum Hans diese Tochter nicht mehr bei sich haben wollte.

Kommunenleben eher im Hintergrund

Anders als für sie und ihren Bruder Niki (Philipp Hochmair), den der Hippie-Partriarch noch am Sterbebett als Feigling beschimpft hat, der es allen recht machen will, war Hans für den idealistischen Vito (Andreas Kiendl) bis zuletzt ein Vorbild.

Vito ist auch der einzige unter den Geschwistern, der „Papa“ statt „Hans“ sagt und nur zu gern in dessen Fußstapfen treten würde. So trauert und hadert und rechnet in den Tagen bis zur Beerdigung jeder auf seine Art ab, wobei manche Lebenslüge ans Licht kommt.

Vom Kommunenleben selbst erzählt das Debüt der 1977 in Graz geborenen Marie Kreutzer nur in teilweise etwas plakativ geratenen Rückblenden, in denen sich das basisdemokratische Ideal schnell als trügerisch herausstellt.

Verarbeitung von Kindheitserinnerungen

Kreutzer geht es aber auch gar nicht um eine Gegenüberstellung von alternativen Lebensformen und der spießigen Dorfmentalität im Österreich der Achtziger, auch die politischen Grabenkämpfe dieser Zeit interessieren sie wenig.

Stattdessen zeigt sie in einer Art filmischer Familienaufstellung, wie unterschiedlich die Geschwister von ihrer Kindheit im Schatten eines sich selbst verwirklichenden Vaters geprägt wurden und sich an den Erinnerungen abarbeiten.

Dank eines klug geschriebenen Dialogbuchs und einer durchgängig stark besetzten Darstellerriege ist so ein vielschichtiges Familiendrama entstanden, bei dem selbst der Vater nicht zum eindimensionalen „egoistischen Arschloch“ wird, wie sich Kyra dessen Grabinschrift wünscht, sondern bis zum arg versöhnlichen Schluss ambivalent bleibt.