Animationsabenteuer

Die Schlümpfe erleben ihr blaues Wunder in New York

Plötzlich finden sich sechs Schlümpfe in der Großstadt wieder, wo sie vor ihrem Erzfeind Gargamel, der auf der Jagd nach ihnen ist, flüchten müssen.

Vor 30 Jahren hätte sich wohl kaum jemand über eine aufwendig produzierte Hollywood-Adaption der "Schlümpfe" gewundert. Schließlich waren die kleinen blauen Wesen, die einmal abgesehen von Papa Schlumpf alle nur genau eine einzige Eigenschaft besitzen, nach der sie dann auch benannt sind, damals auf dem Höhepunkt ihrer internationalen Popularität.

Nur standen der Traumfabrik noch nicht die technischen Mittel zur Verfügung, Animationen und Realfilmsequenzen zu einer perfekten Einheit zu verschmelzen. Dem steht heute nichts mehr im Weg, so dass die Kreationen des belgischen Comiczeichners Peyo in Raja Gosnells "Die Schlümpfe in 3D" nun ganz selbstverständlich durch New York irren können. Doch ihre Zeit scheint trotz allem längst vorüber zu sein.

Die Welt der Schlümpfe ist eine patriarchalische

Das amerikanische Familienkino der vergangenen zwei oder drei Dekaden ist immer wieder durch ein extrem konservatives Weltbild aufgefallen. Doch selbst die traditionellsten Kinder- und Jugendfilme aus dem Hause Disney waren letzten Endes noch fortschrittlicher als Gosnells Fantasie in Blau. Natürlich ist schon Peyos Original nicht gerade modern.

Schließlich leben die Schlümpfe nicht nur in einem kitschig bunten Märchenreich , das dem Paradies auf Erden gliche, gäbe es dort nicht auch noch einen bösen Zauberer namens Gargamel (Hank Azaria), der zusammen mit seinem Kater Jagd auf die blauen Wichte macht.

Zudem ist die Welt der Schlümpfe eine durch und durch patriarchalische. Schlumpfine, das einzige weibliche Wesen, ist ein Geschöpf Gargamels, das die Zwerge aus ihrem Garten Eden vertreiben sollte. Gargamels Ränke sind es auch, die Papa Schlumpf, vier seiner "Söhne", die natürlich alle der Storch gebracht hat, und Schlumpfine in Raja Gosnells 3D-Film ins heutige New York führen, wo sie erstmals mit den Irrungen und Wirrungen der modernen Welt konfrontiert werden.

Der Erziehungsansatz des Films ist sehr vermessen

Eine Verkettung seltsamer Umstände führt diese etwas andere Blue Man Group, deren Original der Film übrigens einen seiner wenigen wirklich amüsanten visuellen Gags verdankt, schließlich in das kleine, aber dafür umso gemütlichere Appartement von Patrick Winslow (Neil Patrick Harris) und seiner schwangeren Frau Grace (Jayma Mays).

Patrick, der gerade zum Marketing-Chef eines Kosmetikkonzerns befördert wurde, aber schon wieder kurz vor der Kündigung steht, hat eigentlich ganz andere Probleme und will die Schlümpfe so schnell wie möglich wieder loswerden. Dabei braucht er als angehender Vater – zumindest nach der Logik von J. David Sterns und David N. Weiss’ Drehbuch – nichts dringender als die weisen Ratschläge von Papa Schlumpf.

Patricks Konflikt, dieser ewige Gegensatz von Familie und Karriere, macht die Anwesenheit der Schlümpfe im New York des Film wie auch in unserer aktuellen Realität notwendig. Das glauben wenigstens Gosnell und seine Autoren. Die kleinen blauen Wesen mögen in den vergangenen 20 Jahren aus der Mode gekommen sein, und genau das ist laut "Die Schlümpfe in 3D" unser Problem.

Eine solche Haltung und der mit ihr verbundene belehrende Gestus grenzen allerdings selbst im Genre des Familienfilms, der sein Publikum eigentlich immer auch ein wenig erziehen will, an Vermessenheit, zumal dieser ideologische Überbau einem selbst den Spaß an Hank Azarias herrlich überzogener Karikatur eines an seiner eigenen Dummheit scheiternden Bösewichts raubt.