Von der Lippes neue Show

Kalauerkombi aus Karneval und Kindergeburtstag

Aufgekratzte Promis, kostümierte und grölende Zuschauer: Bei Jürgen von der Lippes neuer Sat.1-Show "Ich liebe Deutschland" geht es vor allem um gute Stimmung.

Foto: obs / obs/DPA

Mit Spielshows wie ”Donnerlippchen“ und „Geld oder Liebe“ und Talk-Sendungen wie ”Wat is?“ und ”So isses“ hinterließ Jürgen von der Lippe gewaltige Abdrücke in der deutschen Fernsehlandschaft, scheiterte zuletzt aber mit großer Abendunterhaltung wie ”Extreme Activity“ trotz eines Grimme-Preises an der ”Quotenhatz“, wie er es nennt.

Im Laufe seiner 30-jährigen Karriere hat er nach eigener Schätzung an die 700 Hawaiihemden aufgetragen. In den nächsten Wochen kommen noch einige hinzu. Zunächst sechsmal moderiert der Gute-Laune-Onkel der TV-Unterhaltung ein aus den Niederlanden importiertes Quiz- und Spielformat, das sein Erfinder John de Mol bis nach China und Australien verkauft hat.

”Ik hou van Holland“ heißt das Format im Original, moderiert wird es im Nachbarland von de Mols Schwester Linda, die im deutschen TV von 1992 bis 2000 eine ”Traumhochzeit“ nach der anderen zelebrierte. Ums Feiern geht es auch in dieser Sendung, woran das Studiopublikum großen Anteil hat.

Eingeteilt in zwei Blöcke und ausgestattet mit gelben beziehungsweise roten T-Shirts, unterstützt es die gegeneinander antretenden Promiteams aus verschiedenen Generationen. ”Deutschland kann nicht nur Kant und Goethe, Deutschland kann auch anders“, so von der Lippe.

Beim Einlass ins Studio scheint denn auch Partylaune in Tüten verabreicht zu werden. Geschmückt mit Perücken und Schnauzbärten in den Deutschland-Farben stimmen die Zuschauer umgehend ein schrilles Gegröle an, das an Karneval, Kindergeburtstag und Fanmeile erinnert.

Quizfragen, Zungenbrecher, Buchstabieren und Stille-Post

”Ich liebe Deutschland“ nennt Sat.1 diese Show, denn bei allen Frage- und Spielrunden müssen die Kandidaten ihr Wissen um die eigene Heimat unter Beweis stellen. Zu gewinnen gibt es dabei für die Promis nichts, nur der Publikumsblock des Siegerteams bekommt etwas Landestypisches.

Bei der Premiere musste Sat.1 nicht allzu tief in die Tasche greifen. Für die 200 Kugelgrill-Geräte erhielt der Sender bestimmt auch noch Mengenrabatt.

Neben Fragen wie etwa nach der fahrradfreundlichsten oder der brückenreichsten Stadt mussten sich die Promis in Zungenbrechern, im Buchstabieren und Stille-Post-Spiel üben und Städte auf einer Deutschlandkarte richtig markieren.

Zwischendurch galt es immer wieder, das von der Studioband angespielte Liedgut zu erraten. Kostümiert mit Dirndl oder Nationaltrikot zogen Sängerinnen und Sänger dann durch die Reihen, damit die Partystimmung auch ja nicht abebbte. Und für die Zuschauer daheim wurde der entsprechende Text zum Mitgrölen eingeblendet.

Jürgen von der Lippe, mittlerweile 63, ließ derweil seinem Hang zum Kalauer freien Lauf, indem er sich etwa glücklich schätzte, nicht in so namhaften Orten wie Hodenhagen, Tuntenhausen oder Drogen geboren zu sein. ”Wenn ich mich dann positiv über meinen Geburtsort geäußert hätte, würde es heißen: Von der Lippe schwärmt von Drogen.“

Sonya Kraus aufgekratzt, Mario Basler zerknirscht

Besonders viele Partylaune-Tüten schien auch Sonya Kraus abgegriffen zu haben, die das Team mit Senior Karl Dall, Schauspielerin Eva Habermann und Ex-DSDS-Kandidat Daniel Küblböck anführte. Schwer aufgekratzt buchstabierte sie mit weit aufgerissenem Mund Wörter wie ”Vokuhila“, wenn sie sich nicht gerade bückte, um Küblböck zu umarmen.

Ex-Fußballprofi Mario Basler hingegen sah mitunter etwas zerknirscht drein, als wenn er gern schnell mal eine rauchen gegangen wäre. Immerhin kannte er den Namen der Trainerin der deutschen Fußballerinnen. Dabei hatte er in seiner ”Bild“-Kolumne doch kürzlich geunkt, der weibliche Körper sei einfach nicht so gut für Fußball geeignet.

Dennoch zog sein Team mit ”Tagesschau“-Sprecher Marc Bator als Kapitän, Schauspieler und Comedian Bürger Lars Dietrich und der GNTM-Zweitplatzierten Rebecca Mir schließlich den Kürzeren.

Warum Jürgen von der Lippe von den angeblich diversen ihm unterbreiteten TV-Angeboten nun ausgerechnet dieses Konzept vollends ”überzeugt” hat? Vielleicht war es ja der Revival-Charakter. So brachte der Moderator am Ende der Sendung sogar das ” Glücksrad “ wieder zu Ehren.

Und die noch 2011 im NDR-Fernsehen startende ”Dalli Dalli“-Neuauflage mit Kai Pflaume nahm er mit einem kühnen ”Das war spitze“-Sprung schon mal vorweg.