Lierhaus-Nachfolge

Opdenhövel – Vom "Schnellficker" zur Sportschau

Nach vielen Umwegen ist Matthias Opdenhövel endlich am Ziel. Am Samstag moderiert der ehemalige Schützling von Stefan Raab seine erste Sportschau.

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Der Opdenhövel. Sieh mal einer an. Jetzt hat er es also geschafft. "Sportschau"-Moderator. "Jugendtraum." Sagt er. Klar doch. Was denn sonst? Immer schön locker bleiben. Und nur kein Neid. Jetzt nimmt er uns mit, dreißig Jahre zurück, Entstehung eines Jugendtraums .

"Beginnt in der Badewanne." Frisch eingeweicht kommt er da raus, eben noch selbst gespielt, C-Jugend, die Knie sauber geschrubbt. Mensch, das muss doch weh tun. Unsinn, ein Moderator kennt keinen Schmerz. Nicht so kurz vor seiner Lieblingssendung. Die "Sportschau". 18 Uhr im Ersten. Den weiteren Verlauf schildert er so: "Leberwurststulle in die Hand. Ab auf die Couch."

Das kann man richtig gut nachvollziehen, war ja bei uns nicht viel anders. Und jetzt droht der Höhepunkt: "Heribert Faßbender gucken." Au Mann, der hat's drauf. So jung und schon so abgebrüht. "Gut'n Abend allerseits." Der Faßbender und sein Satz für die Ewigkeit, einzigartig, so eine Marke müsste man heute haben, bis auf Weiteres hat es Opdenhövel mit einem Kinnbärtchen versucht.

Auch daran war seinerzeit noch nicht zu denken, aber der Jugendtraum nahm langsam Gestalt an: Was kann so einer denn werden außer "Sportschau"-Moderator? War der Weg auch noch so weit, und durch unzählige Umwege gekennzeichnet, am Samstag wird er ankommen: 18 Uhr, ARD-"Sportschau", Moderation: Matthias Opdenhövel (mittlerweile 40).

Mit ihm im Kölner WDR-Studio und wieder raus, zu den Leuten, von denen er sagt, dass sie informiert sein wollen und nicht überfrachtet: Neun Pokalspiele, pünktlich um sechs also, quasi zum Warmlaufen. Denn auch was die Bundesliga anbelangt kriegt er den ersten Tanz. Spieltag eins, Freitag 5.8.2011und live, Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV.

Dieses Kaliber lässt ebenso zuerst Opdenhövel vom Stapel, flankiert vom ARD-Fußball-Experten Mehmet Scholl, was nicht bedeuten soll, dass es Opdenhövel etwa an Sachverstand fehle, im Gegenteil, er kennt sich überdurchschnittlich aus, bloß wissen das bisher unterdurchschnittlich wenige.

Arena, Liga-Total, Sport1, sechs Jahre lang hat er sein Talent beim Bezahlfernsehen versteckt, und da gucken halt nicht so viele zu. Und wenn einer freiwillig den Stadionsprecher bei Borussia Mönchengladbach macht, vier Jahre lang, dann sind erstens seine Sympathien öffentlich, und zweitens wissen wir dadurch, was dieser Tage Volker Herres, der Programmdirektor der ARD, mit dem ungeschickten Hinweis meinte, der Neue sei ein "bekennender Fan."

Auch im Sinne des Ewiggrößten dieses Metiers, Hanns Joachim Friedrichs, geht so ein Satz gar nicht, im Bemühen um journalistische Akzeptanz und Neutralität hätte Opdenhövel sofort Pickel kriegen müssen. Doch geschickt ist er schon, das lässt hoffen, "ein Fan des Sports" sei er halt, das wird doch erlaubt sein, vielleicht kann er Spiele seiner Borussen künftig etwas nüchterner ansagen, "meine Haut ist dadurch nicht irritiert."

Es war auch weniger die Haut gemeint. "Entscheidend is aufm Platz", Vorsicht, diese vermeintliche Sepp-Herberger-oder auch Adi-Preißler-Weisheit ist auch so eine üble Falle, in die ambitionierte, aber nicht ganz zitatensichere Sport-Moderatoren gern stolpern.

Im Übrigen killt Opdenhövel bei der "Sportschau" die mühsam gezüchtete Frauenquote unter den Moderatoren, er wird Nachfolger der erkrankten Monica Lierhaus, als dritte Sturmspitze quasi neben den etablierten Gerhard Delling und Reinhold Beckmann, die Herrschaften sind wieder unter sich.

Apropos: Auch die Frage nach seinem Talent am Ball beantwortet der Neue souverän wie fast alle anderen, nicht weniger als "beidfüssig" sei er, mehr geht nun wirklich nicht, "links stramm, rechts gefühlvoll", einziges Manko, aber daran lässt sich arbeiten: "Ich habe noch nie ein Kopfballtor erzielt."

Matthias Opdenhövel kommt aus der Showbranche, das muss man wohl so hart sagen, zumal einige stramm Öffentlich-Rechtliche befürchten, die gute alte "Sportschau" würde mit dem neuen Mann zur Klamauk-Bude degenerieren. So ganz von der Hand zu weisen sind solcherart Bedenken nicht, über die Jahre, in denen er auf die "Sportschau" wartete, hat Opdenhövel viele Sendungen moderiert, die dem reinen Sportfan heute allenfalls durch ihren eindeutigen Wettkampf-Charakter erklärt werden können, und manchmal war auch eine Prise Sport dabei.

Das "Kipp-Roll-Fall-Spektakel" dürfte dem Titel nach in der Nähe des Turnens anzusiedeln sein, die "Autoball-WM" und die "Stock-Car-Crash-Challenge" ganz klar, das war Motorsport in seiner fairsten Form, die Wok-WM steht nicht zuletzt dank seiner Moderation in der Öffentlichkeit heute weitaus besser da als manch etablierte olympische Sportart, die größten Erfolge und auch Preise heimste Opdenhövel an der Stelle ein, in der sich auch der einfach Angestellte ganz gern mal im Innenverhältnis mit seinem Vorgesetzten sähe: "Schlag den Raab."

Nun muss ihm nicht die ganze Vergangenheit untergejubelt werden, wir alle waren mal jung und brauchten das Geld. Immerhin hat der Mann mit dem Kinnbärtchen auch den Deutschen Fernsehpreis und die Goldene Kamera gewonnen.

Er gibt sich gewohnt sicher vor seiner Premiere, das einzige, was ihm wirklich passieren könne, sei "ein Gewittersturm über ganz Deutschland", denn dann hätten die Signale und Leitungen aus den Stadien ein Problem. Und damit unter Umständen auch er.

Ach was, kleiner Tipp von hier, er könnte doch leicht und authentisch mit einer spontanen Lesung aus "Der Schnellficker und andere Geschichten" überbrücken, auch dieses Werk stammt von Matthias Opdenhövel. Sieht ganz so aus, als werde es in Zukunft ziemlich locker zugehen bei der "Sportschau".