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Für Lykke Li ist Melancholie kleidsame Lebensart

Erst reiste die Schwedin um die Welt, dann, mit 19, debütierte sie im Pop. Drei Jahre später kehrt sie gereift zurück.

Dass aus Hippie-Kindern arbeitsame Anzugträger werden, weiß man aus Berichten von Betroffenen, aus Büchern. Musiker sind weniger rebellisch: Unzählige junge Folkfreaks wuchsen bereits unter Hippies auf, in Landkommunen, und sind stolz auf ihre abseitigen Namen.

Lykke Li kam 1986 auf die Welt, in Schweden, während des Tschernobyl-Unfalls, ihre Eltern flohen mit ihr vor der nuklearen Wolke nach Neuseeland. Freie Künstler wie sie waren, ließen sie sich in den Bergen Portugals, in Indien, Nepal und Marokko nieder. Lykke Li zog weiter in die Welt hinaus, da war sie 19. In New York versuchte sie sich mit Gesang und Tanz auf Kleinkunstbühnen. Sie kehrte zurück nach Stockholm, in die Popfabriken Schwedens.

Exzentrisch, ungezwungen, hippiesk

Vor drei Jahren debütierte sie mit „Youth Novels“ als vielversprechende Sängerin, exzentrisch, ungezwungen, hippiesk, zum Wohlgefallen ihrer Eltern. Anschließend verschwand sie in der Wüste Kaliforniens, und jetzt ist sie wieder da mit ihrem zweiten Album.

Wie der Titel „Wounded Rhymes“ verrät, hat sich die Welt für Lykke Li etwas verdüstert. Sie ist 24, singt wie von weit her, und nichts wirkt unbeschädigt, weder ihre Stimme und die Instrumente noch die Seele. Zu Schamanentrommeln trägt sie irritierende Zeilen vor wie „Youth knows no pain“ und „I’m your prostitute“. Ein Lied heißt „Sadness Is A Blessing“. Aber darum geht es, um die Haltung: kleidsame Melancholie als Lebensstil.

Sie hat ein Stück für „Twilight“ aufgenommen, die bizarre Filmsaga der keuschen Blutsauger. Sie wirbt für Jeans. Das Popgeschäft, von Beck bis Kanye West, legt Lykke Li eine Karriere nahe, der sie schon von Hause aus gewachsen scheint.

Lykke Li: Wounded Rhymes (Atlantic)