80. Geburtstag

Bud Spencer – Der Schläger für die Generation Golf

Schwimmer, Komponist, Sänger: Der Neapolitaner Carlo Pedersoli ist ein Allrounder. Doch berühmt wurde er allein in der Rolle des prügelnden Bud Spencer. Jetzt wird er 80 Jahre alt, fühlt sich wie 24 und will sogar wieder mit seinem alten Kumpel Terence Hill Filme drehen.

Ohne den Neapolitaner Carlo Pedersoli dürfte es das Filmgenre „Prügel-Western“ heute nicht geben. Den lustigen Namen „Bud Spencer“ auch nicht, den er einst aus seiner Lieblingsbiersorte (Budweiser) und seinem Lieblingsschauspieler (Spencer Tracy) zusammensetzte.

Das war 1967, als der Sportler und Unternehmer mit seinem Landsmann Terence Hill Filme zu drehen begann und ein Pseudonym brauchte – seinen richtigen Namen wollte er mit dem Klamauk nicht beschädigen.

Nebenberuflicher Schauspieler war Pedersoli schon lange, hatte seit den Fünfzigerjahren immer wieder kleine Rollen angenommen, unter anderem in „Quo Vadis“. Doch er besitzt zudem, was man eine illustre Biografie nennt. Er wird sieben Mal Italiens Schwimm-Meister über 100 Meter Freistil, fährt zu Olympischen Spielen.

Er arbeitet als Komponist und tingelt an der Gitarre durch die Bars Italiens. 1965 gründet er eine Produktionsfirma, macht Tierfilme fürs Fernsehen. Plötzlich kommen die Jobs mit Hill, der eigentlich Mario Girotti heißt. Zuerst ein ernster Western, „Gott vergibt … wir beide nie!“. Dann, 1969 und 1971, „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“, und aus den beiden werden Stars.

Insgesamt 15 Filme dreht Bud Spencer noch mit Terence Hill, fast 20 weitere allein, darunter die „Plattfuß“-Reihe. Pedersoli mag Spencer, den guten, aber stumpfen Schlägertypen, eigentlich nicht sehr – das wird er jedenfalls in Interview später immer sagen.

Aber er genießt es doch, ein Filmstar zu sein, den vor allem Kinder lieben. Für die zunächst behütete Altersgruppe, die sich später mal „Generation X“, mal „Generation Golf“ nennen wird, gehört er in Europa zur Erfahrung wie die Schlümpfe, Cherry Cola und Asterix. Seine Filme erzählen immer wieder dieselbe Geschichte: Der mürrische Bär kommt und haut die bösen Jungs. Mitte der Achtzigerjahre ist alles vorbei.

Bud Spencer wird wieder Carlo Pedersoli, dieser seltsame, vor Ideen sprühende Allrounder, angeblich (aber nie ganz bewiesen) promovierter Jurist. Er gründet die Fluglinie Mistral Air. Er wird Erfinder. Patente sind bekannt für ein spezielles Jagdgewehr, ein Sicherheits-Türschloss und, vor allem, eine Einwegzahnbürste mit integrierter Zahnpasta.

Er kauft eine Fabrik für Jugendmode, eine Pilotenschule und ein paar Schnellrestaurants in den USA. Eine CD mit neapolitanischen Liedern erscheint 2003, er singt selbst. 2005 kandidiert Spencer bei den Kommunalwahlen nahe Roms für die konservative Partei Berlusconis, die Forza Italia. Vergeblich. Die „Drei Fragezeichen“ sind zurück, „Ghostbusters“ soll weitergehen – Fans genug gäbe es auch heute für Spencer und Hill. Tatsächlich wollen sie wieder als Duo ins Kino und arbeiten an einer Geschichte.

Eitel war Spencer nie. „Sogar ein Schimpanse kann Schauspieler in einem Kinofilm werden“, sagte er einmal. Jetzt wird er 80, feiern dürfte er mit Maria Amato, die seit 49 Jahren seine Frau ist. Müde wird er nicht. Kürzlich trat er in einem deutschen Film auf. Und vor wenigen Tagen hörte man von ihm: „Ich fühle mich wie 24.“ Nur im Kopf natürlich. Aber seine Fäuste haben ja auch wahrlich genug geleistet für ein Leben.