Weimer vs. Baur

Beim "Focus" ist in der Doppelspitze einer zu viel

Soll der "Focus" ein politisches Magazin oder ein Nutzwert-Medium sein? Die beiden Chefredakteure Wolfram Weimer und Uli Baur sind darüber zerstritten.

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Zwei Chefredakteure auf einmal – da hat es nicht selten kräftig gescheppert. Beim "Spiegel" dividierte sich die 2008 installierte Doppelspitze aus Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron nach drei Jahren wieder auseinander, jetzt tobt ein Hahnenkampf beim Münchner Magazin "Focus".

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet , ist die Stimmung im Verlagshaus Hubert Burda derzeit nicht die beste: "Einer muss wohl gehen", mutmaßt die Zeitung, und: "Es herrscht Krieg". Das selbst ernannte "Nachrichtenmagazin für die modernen Meinungsbildner unserer Zeit" in der Krise?

Es ist kein Geheimnis, dass der "Focus" seit geraumer Zeit eine Baustelle ist. Das Scheiden von Chefredakteur Markwort, dem Gesicht und Gründer des Magazins, stellte 2010 einen tiefen Einschnitt dar. Was folgte, war ein personeller und in der Meinung vieler auch qualitativer Aderlass beim Magazin.

Dass zunächst immer weniger Hefte verkauft wurden, mag auch daran gelegen haben, dass viele Lesern die klare Linie fehlte: Handelt es sich beim "Focus" um ein politisch hochwertiges Format, oder um ein um Aufmerksamkeit haschendes Unterhaltungsmedium?

Genau diese Frage ist es wohl, die die beiden derzeitigen Chefredakteure Wolfram Weimer und Uli Baur entzweit. Ex-"Cicero"-Chefredakteur Weimer wird nachgesagt, er wollte von Anbeginn seiner Amtszeit eine Art Konkurrenz zum "Spiegel" etablieren, ein ernstzunehmendes Magazin von politischem und gesellschaftlichen Stellenwert.

Baur hingegen soll, ganz auf Linie des "Focus"-Gründers Helmut Markwort, weiterhin der "Nutzwert-Journalismus" vorschweben. "Die hundert tollsten Ideen" ätzte die Konkurrenz wenige Monate nach dem Führungswechsel in Anspielung auf derart um Popularität werbende Titelgeschichten. Baur war lange Stellvertreter von Markwort, später zusammen mit ihm Doppelspitze beim Burda-Titel.

Im Prinzip macht jeder alles

Dem Branchendienst w&v gab Baur unlängst zu Protokoll: „Wir harmonieren sehr gut." Und: „Es ist doch viel schöner, mit Doppelpass ein Tor zu machen, als alleine übers Feld zu dribbeln.“ "Burda"-Vorstand Philipp Welte hingegen sah schon damals, Ende 2010, die Situation etwas kritischer: „Es ist kein kurzer Sprint, den wir mit ,Focus' vorhaben, sondern eine lange Strecke und eine durchaus komplexe Herausforderung.“

Wolfram Weimer soll sich vor seinem Amtsantritt in München umgehört haben, wie andere Doppelspitzen beim "Stern" oder "Spiegel" ihre Arbeit aufteilen. Der "Zwei-Wochen-Rhythmus" in der "Stern"-Chefetage hat ihm damals angeblich missfallen: „Wir dagegen haben einen Modus gefunden, bei dem im Prinzip jeder alles macht.“ Vielleicht ist gerade das das Problem.