ProSieben-Show

Das Sommermädchen und die "Bitch aus Brooklyn"

ProSieben sucht wieder das "Sommermädchen": Der Auftakt war mehr listig als spritzig, denn zwischen Champagner und Challenge tobt bereits der Zickenkrieg.

Es ist schon so etwas wie Tradition beim Privatsender ProSieben geworden, die hitzig flimmernden Sommermonate mit leicht bekleideten Frauenleibern zu füllen. Das Ganze nennt sich dann " Sommermädchen 20xx". Moderiert wird die Show in diesem Jahr von zwei alten Hasen aus dem Moderatoren-Fundus des Privatsenders: Jana Ina und Ehemann Giovanni Zarrella ("Wir sind schwanger", „Pizza, Pasta & Amore“).

Was diese zusammengecasteten Jung-Frauen eint? Der große Traum von einer Karriere in den Medien, denn der Gewinnerin wird unter anderem einmal ein Auftritt am roten Teppich gewährt – samt Mikrofon in der Hand. 100.000 Euro gibt es sogar noch mit dazu. Mit der Kohle lässt sich schon was machen.

Wer kann diesem Lockruf nach "Ruhm und Geld" schon widerstehen. Von den elf jungen Frauen zwischen 21 und 31 Jahren jedenfalls keine. Und nun stehen sie alle da mit ihren giftgrünen Schalenkoffern und warten auf zwei Limousinen, die sie in ihr "neues Zuhause", eine vier Millionen teure Villa im spanischen Barcelona, bringen soll.

Aufbruch ins neue Leben

In den Autos wird schon einmal kichernd mit Champagner angestoßen. Fehlt nur noch ein geföhnter Sugar-Daddy à la Rolf Eden , der was von der ganz großen Karriere daherfaselt, um das Bild vom jungen Mädchen, das sich jetzt aufmacht in ein ganz "neues Leben", traurig zu komplettieren. Aber die Girls finden das schon mal "richtig geil".

Doch wenn man genau hinsieht, dann zeichnen sich bei der einen oder anderen schon die ersten Sorgenfalten deutlich auf der gepuderten Stirn ab, während man musikalisch untermalt von der Denver-Clan-Titelmusik in die herrschaftliche Villa schreitet. Denn die Zimmeraufteilung steht an. Da gibt es schon Zickereien und die ersten fiesen Statements in die Kamera folgen: "Ja, einige hier sind doch noch sehr jung im Kopf", stänkert etwa die 28-jährige Angelique aus Offenbach. "So kann man doch kein Sommermädchen werden."

Das ist richtig, denn auf der Suche nach der "besten Frau Deutschlands" legt man auf Teamgeist besonderen Wert. Aber noch wichtiger: Sie muss natürlich auch klug sein, um bei den harten "Challenges" bestehen zu können. Ja, Gogo-Tänzerin Annika (23), Stripperin Jade (22), Chantal, Sally und Co. müssen sich schon richtig ins Zeug legen.

Das Wunder der Nichtschwimmerin

An mangelndem Selbstbewusstsein leidet – außer "der schüchternen" Chantal, die es eigentlich in jeder Staffel gibt – keine. "Ich sehe nicht nur gut aus, sondern bin auch intelligent", schnoddert Gogo-Tänzerin Annika aus Frankfurt am Main. "Wenn ich Disco-Publikum begeistern kann, dann kann ich schließlich auch Millionen begeistern."

Überhaupt nicht begeistert zeigen sich die Bikini -Miezen bei der ersten Aufgabe: ein Sprung vom Zehn-Meter-Turm. Da klopft dann doch bei vielen die Angst an und lässt die Silikon-Brüste beben. Auch die ersten Tränen fließen. Linda und Chantal können nicht schwimmen und auch die dralle Jade darf "das gesundheitlich eigentlich nicht machen". Aber sie machen es dann doch alle und, oh Wunder, "Linda schwimmt, ohne schwimmen zu können", wie die Stimme aus dem Off richtig beobachtet.

Die Kamera lässt diese Gelegenheit nicht verstreichen, ohne großzügig auf gepiercte Bauchnabel und tätowierte Oberschenkel zu halten.

Silikonbrüste als "kleine Airbags"

Und die Kamera ist auch beim Gespräch dabei, als sich Chantal ihrer Zimmerpartnerin anvertraut. Gemobbt wurde sie in der Schule und deswegen sei sie auch so schüchtern. Und wie nach Regieanweisung wird die neu gewonnene Freundin jetzt liebkost und getröstet. "Du bist jetzt hier. Jetzt können wir es den Idioten so richtig zeigen."

So richtig zeigen will es Jade den anderen beim Unterwasserwettbewerb. Vier Mädchen, nämlich die mit den wenigsten angesammelten Punkten, müssen nun mit dem Kopf unter Wasser tauchen. Wer als erste wieder auftaucht verliert. Doch bei dieser Herausforderung spielen Jades Silikon-Brüste nicht mit, denn die sind ja "wie kleine Airbags", die einen in einem Auftrieb verleihen. "Vielleicht ist es aber auch die Luft im Kopf", mutmaßt Alexa, die sich Jade zuvor mit enormer Vehemenz als Erzfeindin herangezüchtet hat ("Die trinkt ja schon am frühen Morgen"; „Sie ist schon viel zu alt für hier").

Der letzte Fight zwischen den beiden soll jetzt beim Armdrücken ausgefochten werden. Zuvor mussten die Damen eine Kandidatin aus dem Team wählen: die Unbeliebteste. Weil die Mädchen die Dauerstänkerei zwischen Jade und Alexa auch schon leid sind, fällt die Wahl schließlich auf die 31-jährige Alexa.

Siegessicher nimmt Jade auf dem Holzhocker Platz. Schließlich habe sie durch "Pool-Dance richtig Kraft in den Armen" angesammelt. Doch da hat sie sich verzettelt. Während die Kräfte bei ihr immer mehr schwinden, stößt die in New York geborene immer wieder ihren Schlachtruf "I'm from Brooklyn, Bitch" heraus. Doch es hilft nix.

Wenn das die Früchte der Emanzipation für junge Frauen von heute sind, dann schmecken sie ziemlich bitter.