"Sommermädchen 2011"

Ruhmgeile Miezen, Heulkrämpfe und heiße Pool-Posen

Intime Dramen und offener Zickenkrieg: Bei "Das Sommermädchen 2011" ging es wieder heiß her. Im wahrsten Sinne: Zumindest sind die Kandidatinnen schön anzusehen.

Eine Gruppe junger, attraktiver Frauen muss sich durch eine Vielzahl an Challenges kämpfen, bis eine von ihnen siegt – welche Sendung kann das sein? „Germany’s Next Topmodel“, ja, richtig. Ist es aber nicht. Für das Sommerloch hat sich ProSieben etwas Ähnliches einfallen lassen: Der Sender sucht „Das Sommermädchen 2011”. Ein ähnliches Rezept. Nur mit ein bisschen weniger Würze. Während Heidi Klum wirklich Models sucht - auch wenn es sich dabei weniger um Topmodels handelt, als um ein Gesicht für die neue C&A-Kampagne -, definiert die aktuelle Castingshow ein sehr schwammiges Berufsbild: Das It-Girl.

Neben 100.000 Euro Preisgeld wird die Siegerin am Ende mit einem Coverfoto auf der Männerzeitschrift "FHM" und einem Reporterjob bei der Sendung “taff” belohnt. Die Mädchen sind hier prinzipiell genügsamer: Egal ob Model oder Fernsehstar – Hauptsache irgendwie berühmt. Oft haben die Aufgaben um die begehrten Perlen mit dem eigentlichen Ziel ohnehin wenig zu tun.

Das konnte man in der zweiten Folge wieder beobachten. Obwohl: Hier gab es ein Fotoshooting unter Wasser. Es war schön anzusehen. Aber warum an Ende gerade Sally die Schönste im ganzen Pool gewesen sein sollte, begründen die Moderatoren Jana Ina und Giovanni Zarella erst gar nicht.

Besonders der ansonsten eher auf die Rolle des Clowns abbonierte Ex-Bro’Sis-Sänger Giovanni will sich nicht so recht in die Rolle des sarkastischen und autoritären Spielleiters einfügen. Spannung schafft das Moderatorenduo ("Pizza, Pasta & Amore", "Wir sind schwanger") während der ganzen Sendung nicht aufzubauen.

Doch auch den Spielen selbst mangelt es an Dynamik. So wird jede Aufgabe zwanghaft mit Bedeutung aufgeladen und überall das große Drama verzweifelt gesucht. Gleich bei der ersten Challenge, dem besagten Fotoshooting, kommen sämtliche Traumata ans Tageslicht.

Laura aus Moldawien - “dem ärmsten Land Europas” wie Giovanni mit betroffenem Blick bemerkt - scheitert schon , weil sie nicht schwimmen kann. Daran kann schließlich auch die Hilfe eines sexy Rettungsschwimmers nichts mehr ändern.

Bei einer anderen Kandidatin übernimmt die Sendung dagegen eine therapeutische Funktion. Untermalt mit bombastischer Orchestermusik erzählt “Flüchtlingskind” Sophia wie ihre Eltern mit einem Boot aus Vietnam geflohen sind.

Obwohl sie damals noch gar nicht auf der Welt war, hat sie seitdem Angst vor Wasser. Schwimmerin Christina geizt nicht mit altklugen Ratschlägen: “Wer nichts riskiert, der gewinnt auch nichts”. Anschließend gibt es Angstbewältigung im Schnelldurchlauf zu bestaunen. Zur Titelmelodie von “Flipper” sieht man Sophia fröhlich im Wasser plantschen. “Ich fühl mich schon viel sicherer”, beteuert sie. Wer’s glaubt…

Natürlich sollen die “Sommermädchen” nicht nur Aufgaben bewältigen, sondern auch etwas fürs Auge bieten. Bei den Kandidatinnen war man in mehrfacher Hinsicht um eine vielfältige Auswahl bemüht. Es gibt etwa mit Sophia, Laura und Chantal gleich mehrere Teilnehmerinnen mit Migrationshintergrund.

Burschikose Frauen wie Christina sind ebenso vertreten wie die reichlich tätowierte Ronja. Und doch entsprechen die durchgehend sehr schlanken Frauen einem konventionellen Schönheitsideal.

Ihre perfekten Bikinifiguren konnten die Kandidatinnen dann bei einem Elfmeterschießen präsentieren. Statt Trickots trugen die “Fußball-Luder” dementsprechend Bodypaintings.

Außerhalb der Challenges wurde die Spannungsschraube vor allem durch die Konkurrenz unter den Teilnehmerinnen angezogen. Vor allem “Drama-Queen” Alexa sorgte mit ihren ständigen Wehwehchen für Unmut bei den anderen Kandidatinnen.

In der Tat war es unglaubwürdig, dass sich jemand mit Höhenangst ohne weiteres zu einem Bungee-Sprung und einer Achterbahnfahrt überreden lässt. Inwieweit dafür allerdings die Kandidatin selbst oder vielleicht doch das Kalkül der Macher verantwortlich war, lässt sich aus Zuschauerperspektive nicht beurteilen.

Der Zickenkrieg unter den Kandidatinnen ist nach wie vor das bewährteste Mittel, um das Fernsehpublikum bei Laune zu halten. Dabei wird der Konkurrenzkampf der “Sommermädchen” noch etwas weiter getrieben, als das bei verwandten Casting-Formaten der Fall ist.

Am Ende jeder Sendung kommt es zu einem Duell, in dem das Mädchen mit den wenigsten Perlen gegen die unbeliebteste Kandidatin antreten muss. Die ansonsten hinter dem Rücken der Betroffenen geäußerte Abneigung wird so im Rahmen einer Abstimmung ganz offen ausgetragen.

Diesmal hat es, wie schon in der letzten Woche, Simulantin Alexa getroffen. Im Wettservieren von Champagnergläsern zog sie gegenüber der schüchternen Chantal den Kürzeren. Dabei wurde auch das Defizit dieser Methode deutlich.

Wie man Anfang des Jahres bei RTLs “Dschungelcamp” mit Sarah Knappik beobachten konnte, verleihen polarisierende Charaktere einer Sendung nicht nur die nötige Spannung, sondern auch hohe Einschaltquoten. Sobald diese Unruhestifter weg sind, wird es in der Regel langweilig.

Beim Sommermädchen ist nun, bereits nach der zweiten Folge, die Kandidatin mit dem größten Konfliktpotential, nicht mehr dabei. Nachdem die „Drama-Queen” das Casting-Schiff im wahrsten Sinne des Wortes verlassen hat, ist der Einfallsreichtum der Macher von “Das Sommermädchen” gefragt. Um nicht in der totalen Bedeutungslosigkeit zu versinken, muss schnell ein neues Feindbild her.