Emma Watson

"Ich bin kein Produkt, ich bin eine Frau"

Die Harry-Potter-Saga ist zu Ende. Hermine-Darstellerin Emma Watson zieht Bilanz. Und was sie in Zukunft machen will, weiß sie auch schon.

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"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil II" ist in der Nacht zu Freitag gleich in mehreren Ländern angelaufen.

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Es ist beinahe zehn Jahre her, dass sich merkwürdige Wörter in unseren Wortschatz schlichen: Muggel, Quidditch oder Hogwarts. Daneben traten auch drei junge Menschen zum ersten Mal auf der großen Leinwand auf, die durch die Serie um den jungen Zauberer, der gegen das ultimativ Böse kämpft, Berühmtheit erlangen sollten.

Seit dem Erscheinen des letzten Bandes vor mittlerweile vier Jahren ist auch bekannt, dass keiner der heldenhaften Drei – Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson – den Kampf mit seinem Leben bezahlen musste. Nun kommt das Finale in die Kinos . Und wie versprochen kracht es ordentlich. Nicht nur die Jungs hechten um die Ecken, um teuflischen Zaubersprüchen zu entgehen. In einer der Schlüsselszenen ist es Emma Watson, die sich auf einen riesigen Drachen schwingt.

Morgenpost Online: Emma, dürfen wir Sie jetzt offiziell Action-Star nennen?

Emma Watson: Oh ja, das fände ich toll! Ich habe in den letzten Jahren alles Mögliche über mich gelesen. Aber Action-Star noch nicht. Ich finde aber auch, dass ich mir diesen Titel mit diesem furiosen Finale verdient habe.

Morgenpost Online: Daniel Radcliffe war nicht so begeistert, ständig wirklich Action machen zu müssen, wenn der Regisseur Action rief.

Watson: Sie wissen doch, Jungs und ihre große Klappe. Hätte man sie vorher gefragt, ob sie damit Probleme haben würden, einen richtigen Potter-Action-Kracher herzustellen, hätten sie bestimmt nichts dagegen einzuwenden gehabt. Aber wenn es dann konkret darum geht, Sachen zu machen, die zumindest auf der Leinwand gefährlich aussehen, dann kneifen sie.

Morgenpost Online: Mit einem Wort zusammengefasst: Eine Emma Watson kennt keine Angst!

Watson: Das würde ich so nun auch wieder nicht sagen. Es waren schon Situationen dabei, bei denen ich mir als Emma Watson gewünscht hätte, so komplett angstfrei zu sein, wie die Hermine, die in den Büchern beschrieben wird.

Morgenpost Online: Jetzt wollen wir es aber genau wissen. Wo und wann war es gefährlich?

Watson: Es hätte nicht gefährlich sein sollen, denn bei den Dreharbeiten wird exakt darauf geachtet, was wir Schauspieler spielen und wann die Fachleute eingreifen. Um ganz ehrlich zu sein, steht man schon lieber daneben und lässt die Stuntleute die gefährlichen Sachen tun. Aber hin und wieder mussten wir auch ran.

Morgenpost Online: Stichwort Drachenfliegen.

Watson: Genau. Das wäre beinahe schief gegangen. Als wir aus der Zaubererbank Gringotts fliehen müssen, geht das nur auf dem Rücken eines Drachen. Um den zu erreichen, musste ich über einen Abgrund springen. Noch bevor ich irgendetwas denken konnte, sendete mir mein Bauch Signale: "Neinneinneinnein. NEIN!!!"

Morgenpost Online: Das hätten Sie sagen können.

Watson: Habe ich ja. Aber unser Regisseur David Yates meinte, das würde schon gehen. Also bin ich gesprungen und auf der anderen Seite mit dem Bauch zuerst gelandet. Das hat schön wehgetan. Ein anderes Mal habe ich mir die Hand geprellt.

Morgenpost Online: Was Verletzungen angeht, scheint es aber keinen so schlimm wie Neville Longbottom, also Matthew Lewis, erwischt zu haben, oder?

Watson: Okay, aber er wurde auch von einer der coolsten Schauspielerinnen des Planeten Helena Bonham Carter "gefoltert" - was auf der Leinwand toll aussah - und er wurde zur Entschädigung persönlich von Tim Burton empfangen. Da ist das bisschen Schmerz doch eher zu vernachlässigen.

Morgenpost Online: Wie bitte?

Watson: Nein, das ist natürlich ein Scherz. Wenn man einen dieser Zauberstäbe ins Ohr gerammt bekommt und der dann auch noch abbricht, ist das sicher nicht lustig. Ich war eh erstaunt, dass bei den Dreharbeiten zum letzten Teil so wenig passiert ist. Wenn wir zum Beispiel im Raum der Wünsche sind und uns dort einen Kampf mit Voldemorts Schlange Nagini liefern, die plötzlich zum Feuerteufel wird, bekamen wir derart viele Anweisungen so und so zu gucken, das und das zu schreien, dabei in diese oder jene Richtung zu laufen und dabei dem überall zündenden Feuerwerk aus dem Weg zu gehen, das war schon eine ziemlich komplizierte Angelegenheit.

Morgenpost Online: Dafür bekommen Sie drei aber auch die Chance, nachdem alle Schlachten geschlagen sind, auf einer Brücke vor Hogwarts zu stehen und mit der Kamera so eingefangen zu werden, dass man einfach Gänsehaut bekommen muss.

Watson: Wissen Sie was? Rupert und ich haben den Film in unterschiedlichen Vorführungen vorab sehen dürfen. Als wir uns vor ein paar Tagen unterhalten haben, mussten wir feststellen, dass wir beide an dieser Stelle heulen mussten.

Morgenpost Online: Rupert und heulen?

Watson: Ja, er hat natürlich gesagt, dass er "feuchte Augen" bekommen hat. So ein Unfug, geheult hat er. Genau wie ich. Das ist der Moment gewesen, als wir gewusst haben, dass es jetzt vorbei ist.

Morgenpost Online: Wie oft schauen Sie in die Potter-Bücher hinein?

Watson: Das passiert schon hin und wieder. Momentan passiert es mir recht häufig, dass ich den letzten Band zur Hand nehme und noch mal nachlese.

Morgenpost Online: Hand auf Herz: Wie oft wird dabei geweint?

Watson: Jedes Mal, wenn ich an die Stelle komme, an der der Hauself Dobby stirbt, muss ich mir eine Packung Taschentücher holen.

Morgenpost Online: Am Ende einer Filmreihe, die so lange gedauert hat, gibt es natürlich jede Menge Fragen über Lieblings-Kostüme und andere Dinge. Welches phantastische Element hätten Sie gern im richtigen Leben?

Watson: Viele meiner Kollegen antworten darauf, dass sie gern einen der Zauberstäbe hätten oder dieses Tuch, das unsichtbar macht.

Morgenpost Online: Sie haben bestimmt etwas Ausgefallenes, oder?

Watson: Ausgefallen würde ich nicht sagen. Wenn ich wählen könnte - was jetzt sehr hypothetisch ist - dann würde ich das Becken aus Professor Dumbledores Büro nehmen, in dem man sich Erinnerungen anschauen kann.

Morgenpost Online: Warum ausgerechnet das? Das ist jetzt nicht sehr glamourös.

Watson: Sagen Sie! Ich sehe das anders. Für mich ist es schon immer interessant gewesen zu ergründen, warum Menschen etwas tun. Ob sie nun Forscher geworden sind oder Massenmörder. Man könnte genau erforschen, was sie zu dem gemacht haben, was sie geworden sind. Das fände ich toll.

Morgenpost Online: Apropos Glamour. Daniel Radcliffe hat auf die Frage, was er nie machen würde, gesagt: Werbung. Haben Sie es je bereut, dass Sie neben der Schauspielerei für Mode und Düfte Werbung machen?

Watson: Interessant, dass Sie das ansprechen. Ich war bis vor kurzem ja eh an meinen Vertrag mit Warner gebunden und konnte nur die Sachen machen, mit denen das Studio einverstanden war. Ich muss sagen, dass ich ein wenig erschrocken war, welchen Wirbel meine Kampagnen für Burberry ausgelöst hatten. Ich habe ja schon immer gesagt, dass ich es sehr eigenartig fand, mich parallel zu entdecken. Als Emma und als Hermine.

Damit war ich bis vor kurzem noch voll beschäftigt, als mich zwei Mädchen ansprachen: "Hey, bist Du nicht die aus der Burberry-Werbung?". Mich als Emma Watson oder meine Filmfigur Hermine hatten die beiden scheinbar gar nicht wahrgenommen. Das war ein eigenartiger Moment.

Morgenpost Online: Und deshalb machen Sie jetzt keine Werbung mehr.

Watson : Tut mir leid, dass ich Ihnen diese Schlagzeile nicht geben kann. Ich werde sicher noch weiter Werbung machen. Aber ob es für alle Zeiten sein wird, das wage ich zu bezweifeln.

Morgenpost Online: Wie kommen Sie damit klar, dass man Sie zur Mode-Ikone erkoren hat?

Watson: Das sind Dinge, auf die man keinen Einfluss hat und die ich ganz sicher nicht kommentieren werde. Ich weiß mittlerweile allerdings ganz genau, worauf die Medien warten. Leider darauf, dass wir scheitern. Das fing vor Jahren bereits an. Man hatte uns schonend darauf vorbereitet, dass gehässige Fragen kommen würden.

Und genau so war es. Man schickte Leute zu Interviews, die uns fragten, ob wir Kinderschauspieler denn nun so richtig im Arsch seien. Oder ab wann wir uns denn mies gefühlt hätten, weil man uns die Kindheit gestohlen hätte. Irgendwie erwartete ein gewisser Teil der Journalisten, dass wir grandios scheitern würden. Und warten Sie bitte mal ab, wenn einer von uns mal ein oder zwei Jahre nicht arbeitet. Ich stelle mich jetzt schon darauf ein, dass die Kübel mit der Häme schon bereit stehen.

Morgenpost Online: Wenn Daniel jetzt in einem Interview gesteht, dass er Alkoholiker war.

Watson: Dann ist das seine Sache, das zu erzählen. Aber so habe ich Daniel immer erlebt. Er trägt sein Herz auf der Zunge, wie man so schön sagt. Ich finde es sehr gut, wenn er darüber redet. Und zwar, weil er darüber reden mag. Und nicht, weil es irgendwer herausgefunden hat. Ich kann nur sagen, dass ich in all den Jahren nichts davon gemerkt habe. Aber es ist schon so, dass man auf alles gefasst sein muss, wenn man so bekannt ist.

Morgenpost Online: Ist es nicht schade, wenn man sich innerlich auf all das einstellen muss?

Watson: Was soll ich sagen? Wir haben es sozusagen als Ausbildung mitbekommen. Und heute sitze ich viele Sachen dadurch viel leichter aus. Wenn ich bedenke, welchen Wellen es geschlagen hat, als ich vor einem Jahr mit einem neuen Haarschnitt ankam.

Morgenpost Online: Den Sie bis heute beibehalten haben.

Watson: Erstens steht er mir und zweitens muss man solche Sachen auch mal eine Weile durchhalten können. Mich regt das immer furchtbar auf, wenn es Menschen gibt, die so tun, als wäre Emma Watson ein Produkt, dass man sich anschaut, das lächeln soll, sich aber nicht verändern darf.

Ich bin eine junge Frau von gerade mal 21 Jahren. Ich werde ja wohl das Recht haben, mich verändern zu dürfen! Zumindest die nächsten 40 Jahre noch. Auch wenn es wie die Losung des Tages klingt: "Ich gehe meinen eigenen Weg – Punkt!".