Sprachlos

Erst mit Latexanzügen wird Berlin interessant

In dem Film "Swans" versucht ein junger Skater, zu sich selbst zu finden. Seine Mutter hat er nie kennengelernt, die Odyssee durch Berlin nimmt ihren Lauf.

Es ist ein Film des Fahrens, den der portugiesische Wahlberliner Hugo Vieira da Silva in den Straßen, Skateboardparks und Klinikfluren der Stadt hier inszeniert. Und so wie Berlin in Bewegung ist und sich verändert, sind auch seine Figuren nicht angekommen. Zu Beginn landen Vater und Sohn aus Portugal auf dem Flughafen Tegel.

Tarsos ( Ralph Herforth ) Ex-Freundin liegt nach einer Chemotherapie im Koma, deswegen reiste er mit dem gemeinsamen Sohn Manuel (Kai Hillebrandt) an, verbringt Stunden an ihrem Krankenbett oder dösend vor dem laufenden Fernseher in ihrer Wohnung, während der 16-jährige Manuel mit dem Skateboard durch die Gegend cruist.

Interesse für eine Transsexuelle mit ihren Latexanzügen

Der Junge hat ein distanziertes Verhältnis zum Vater, und zur Mutter im Grunde gar keins, er hat sie nie kennengelernt. Er ist doppelt verloren, als Teenager, aber auch fremd in der Stadt. Stattdessen beginnt er sich für die eigenartige und meist abwesende Mitbewohnerin seiner Mutter zu interessieren, die transsexuelle Kim mit ihren Latexanzügen und Sexspielzeugen.

Auch der eigene Körper wird in einer drastischen Szene erkundet, bis Manuel, in den Augen seines Vaters indifferent seiner Mutter gegenüber, sich auch mit deren Körper auseinandersetzt. Sie ist der personifizierte Stillstand, der leblose Kern, um den alles kreist, während selbst die Kamera in langen Sequenzen durch menschenleere Architektur fährt.

Berlin als ein abweisender Ort, an dem Nacht herrscht

Das Berlin da Silvas ist ein kalter, ein abweisender Ort, an dem meist Nacht herrscht. Ebenso kühl und unnahbar sind die Menschen in „Swans“ und der spröde Film verweigert konsequent die Identifikation mit seinen Figuren. Er erinnert damit nicht von ungefähr an einige Werke der Berliner Schule, die sich mit ihrer realistischen Darstellung einfachen Erklärungsmustern sperren.

Das Sujet des jugendlichen Skaters, der seinen Problemen auf dem Brett zu entkommen versucht, hat man freilich schon bei Gus van Sants „Paranoid Park“ gesehen – und letztlich überzeugender.

Was de Silvas Film trotzdem besonders macht, ist wie konsequent er die Sprachlosigkeit und Blockiertheit dieser auf ihre Körperlichkeit reduzierten Figuren in kühle Bilder und letztlich ins Leere laufende Erzählungen überträgt, die den Zuschauer bis zur Frustrationsgrenze fordern.