China

Hilferuf an Angela Merkel

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu ruft Angela Merkel zu Hilfe. Seitdem er kritische Texte publizierte, darf er China nicht mehr verlassen. Nun soll die Bundeskanzlerin ihren Einfluss geltend machen, damit er nach Deutschland zum Literaturfestival „lit.COLOGNE" reisen darf.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hat einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben. Die Behörden seines Landes wollen ihm zum wiederholten Male eine Reise nach Deutschland verwehren. Das heute in Köln beginnende Literaturfestival „lit.COLOGNE“ hat ihn eingeladen, sein jetzt auf Deutsch erschienenes Buch „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ (S. Fischer Verlag, 544 S., 22,50 €) vorzustellen. Es beschreibt in Gesprächsprotokollen „Chinas Gesellschaft von unten“, so der Untertitel. Das Bild, das dabei vom modernen China entsteht, hat den Behörden des Landes so wenig gefallen, dass sie das Buch umgehend verboten.

„Sie wissen aus eigener Erfahrung“, schreibt Liao Yiwu an Angela Merkel, „was Diktatur bedeutet“. Doch für die Deutschen aus der DDR begann nach 1989 die Freiheit, für Chinesen wie Liao Yiwu ein neues Kapitel ihrer Unterdrückung. Über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Sommer 1989 schrieb er ein Gedicht, für das er verhaftet, misshandelt und für vier Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde. Auch nach seiner Freilassung durfte er weder publizieren noch ins Ausland reisen. Nun bittet er die Kanzlerin, ihren „außenpolitischen Einfluss“ geltend zu machen, damit er endlich zumindest für ein paar Tage nicht mehr Gefangener des eigenen Landes sein muss.

Liao Yiwu durfte auch nicht zur Frankfurter Buchmesse 2009

Ob die Kanzlerin hier tatsächlich Einfluss hat und ihn nutzen kann, ist offen. Doch liest man den Brief von Liao Yiwu als Deutscher mit einiger Beschämung, wenn man sich daran erinnert, in welchem Maße im vergangenen Herbst auf der Frankfurter Buchmesse nicht nur die chinesische Kultur, sondern ebenso die chinesischen Kulturfunktionäre hofiert wurden. Auch während der Buchmesse war Liao Yiwu nach Deutschland eingeladen, auch damals erlaubten ihm die Machthaber seines Landes die Reise nicht.

Sicher, ihr Regime hat sich in den letzten Jahren reformiert und ist liberaler geworden. In manchen Punkten aber ist es so brutal geblieben wie es immer war. Daran möchte Liao Yiwus offener Brief erinnern und manche „politischen Kreise im Westen“ in der „Welt der Geschäftsleute, der Intellektuellen und der Sinologen aus ihren schönen Profitträumen“ reißen, „die sie im Zusammenhang mit unserem großen diktatorischen Land träumen“.