Chinesische Regimekritiker

Ai Weiwei ist neues Berliner Akademiemitglied

Demonstrativ hatte die in die Akademie der Künste in Berlin Ai Weiwei als neues Mitglied gewählt. Nun stimmte der chinesische Regimekritiker der Aufnahme schriftlich zu.

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Gute Nachrichten aus Peking: Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hat seiner Aufnahme in die Akademie der Künste in Berlin zugestimmt. „Ich nehme die Mitgliedschaft mit großer Freude an. Peking, 1.7.2011“, schrieb der derzeit gegen Kaution freigelassene Künstler auf Englisch in einer handschriftlichen Notiz an die Akademie. Ai war drei Monate in Haft.

Die internationale Gemeinschaft von Künstlern hatte Ai bei ihrer Mitgliederversammlung im Mai während seiner Haftzeit demonstrativ zum neuen Mitglied gewählt. Die Nachricht habe ihm erst nach seiner Freilassung übermittelt werden können, berichtete Akademie-Präsident Klaus Staeck am Mittwoch. Usus ist es, dass neue Mitglieder ihrer Wahl schriftlich zustimmen, damit die Mitgliedschaft wirksam werden kann.

Merkel fordert transparentes Verfahren

In seinem Brief an Ai lud Staeck den Künstler auch ein, jederzeit nach Berlin zu kommen. „Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Energie für Ihre wichtige künstlerische Arbeit in dieser für Sie schwierigen Lage“, hieß es in dem Schreiben, das die Akademie gestern zusammen mit Ais Antwort veröffentlichte. Der Künstler war Anfang April auf dem Flughafen in Peking verhaftet worden. Mehr als zwei Monate wurde er an unbekanntem Ort festgehalten und erst im Juni gegen strenge Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben seines Anwalts fordern die Finanzbehörden von ihm Steuern und Bußgelder in Höhe von 1,3 Millionen Euro.

Der Künstler selbst lehnte eine Stellungnahme ab, weil er bei seiner Entlassung in der vergangenen Woche der Auflage zugestimmt habe, keine Interviews zu geben. Bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin hatte Kanzlerin Merkel ein „transparentes Verfahren“ für Ai Weiwei und andere Regimekritiker in China gefordert.