Avantgarde

Der ganze Roger Waters in einer Box

Der Sänger, Komponist und Mitgründer von Pink Floyd bringt mit "The Roger Waters Collection" (2011) Ordnung in sein künstlerisches Schaffen.

Im Juni errichtete Rogers Waters eine Mauer in Berlin, um sie wieder einzureißen. Schon im Sommer 1990 baute er an der Berliner Mauer seine eigene Mauer für die Rockoper " The Wall" auf. Nie zuvor hatte ein Rockkonzert auf einer Ländergrenze stattgefunden, in zwei Staaten simultan. 200.000 zahlende Besucher waren da, und als die Ärmeren auch noch die streng bewachten Absperrzäune umwarfen, gesellten sich noch einmal Hunderttausende hinzu.

Zur vorgezogenen deutschen Einheitsfeier traten neben Roger Waters Gäste auf aus aller Welt: Bryan Adams krächzte, Cyndi Lauper krähte, Sinéad O’Conor weinte, und die Scorpions standen breitbeinig im Wind. Die Gagen und Erlöse flossen auf ein Spendenkonto für die Katastrophenhilfe. Roger Waters sang dann noch „The Tide Is Turning“ zum Finale, einen Song von seinem Soloalbum „Radio K.A.O.S.“ Anschließend war er nicht mehr der Totengräber von Pink Floyd, sondern ein Held der engagierten Popkultur.

Nachdem er seine Band beerdigt hatte, 1983, hatte Waters mit den eigenen Alben „The Pros And Cons Of Hitch-Hiking“ und „Radio K.A.O.S“ die Pink-Floyd-Gemeinde kaum besänftigen können. Nach der Wiederaufführung des Klassikers „The Wall“ als weltpolitisches Ereignis, arrangierten sich die Fans mit seinem Werk „Amused To Death“, seine Konzertmitschnitte „In The Flesh“ und selbst über „Ca Ira“, seiner erste echte Oper. Nun ist alles eingepackt in einer abschließenden Edition, und wenn die Mauer in Berlin wieder verschwunden ist, will Roger Waters sich zur Ruhe setzen. Sagt er.

Roger Waters: The Roger Waters Collection (Columbia)