Thomas Gottschalk

"Meine Kinder mögen meine Hemden auch nicht"

Wenn die ZDF-Kindernachrichten "logo!" ihre Interviewer loslassen, können Prominente was erleben. Diesmal traf es Thomas Gottschalk.

Foto: picture alliance / Eventpress Ra / picture alliance / Eventpress Ra/Eventpress Radke

Haut Tommy in den Sack? Haut er nicht? Seit der letzten Ausgabe von „Wetten, dass ...“ rätselt die Nation, ob Gottschalk nur geblufft hat, als er verkündete, er werde die Show im Dezember verlassen, nach 24 Jahren.

Schließlich hatte es das ZDF vor zwei Wochen auf Mallorca noch einmal richtig krachen lassen - zur Freude der eigens zu diesem Zweck angereisten Zuschauer. Là-Ola-Wellen so hoch wie ein Tsunami hatten den Showmaster durch die Stierkampfarena getragen.

Jetzt ist es raus: Deutschlands bekanntester Rüschenhemdträger geht tatsächlich. Ausgerechnet eine Elfjährige hat ihm dieses Geständnis entlockt: Linn Müller, Kinderreporterin für „logo!“, Deutschlands älteste Nachrichtensendung für Acht- bis Zwölfjährige.

„Es geht mit einem jungen Moderator wieder neu los“, erklärte er ihr. Er gab sich erst gar keine Mühe, zu verhehlen, dass er nach 24 Jahren auch ein wenig amtsmüde geworden sei, verkaufte seine Unlust aber als Beitrag zur Nachwuchsförderung. „Mann will ja so`ner Sendung, sagen wir mal, die Chance geben, dass sie neu erfunden wird.“

Linn nickte verständnisvoll. Interviews mit Politikern und Prominenten sind das I-Tüpfelchen dieser Sendung. Kinder dürfen fragen, was sich Erwachsene nicht trauen würden. Sie genießen Welpenschutz.

So entlocken sie ihren Interviewpartnern immer wieder überraschende Geständnisse. Schon legendär ist ein Satz, der der Bundeskanzlerin 2008 zwischen Tür und Angel herausgerutscht ist.

Wenn sie ein Tier wäre, wäre sie gerne eine Erdkröte, verriet sie dem Kinderreporter Chris. Wechselwarm, dämmerungsaktiv - und dafür bekannt, dass sie ihre Beute als Ganzes verschlingt.

Ganz so offenherzig war Gottschalk nicht. Der mit den geblümten Anzügen. ARD und ZDF pokern gerade um den Kakadu unter den TV-Moderatoren. Schon ein falscher Zungenschlag kann die Preise verderben.

Am Rande der Sommer-Spezial-Ausgabe auf Mallorca durfte Kinderreporterin Linn den beliebten Showmaster unter vier Augen auf dem Sofa löchern. Gottschalk gab sich relaxed. Er sah aus, als käme er gerade vom Ballermann. In Shorts, T-Shirt und Schlapphut.

So salopp hatte Linn den prominenten Kollegen noch nie gesehen. „Du bist ja sonst bekannt für deinen, ähem, speziellen Kleidungsstil“, sagte die Elfjährige, und bevor Gottschalk protestieren konnte, hielt sie ihm erdrückende Beweise in Form von Fotos unter die Nase. Ein „Worst of ...“ seiner modischen Todsünden.

Gottschalk im feuerroten Blouson. Im goldglitzernden Luden-Look. Oder im geblümten Einreiher. „Das war so, dass wir zu Hause keinen Anzug mehr hatten und meine Frau gesagt hat: Dann schlachten wir eben das Sofa“, behauptete der Showmaster kokett.

Doch, er habe Spaß an der Mode und gehe gerne shoppen, versicherte er der ungläubig staunenden Linn. Und, nein, seine Kinder fänden seine Hemden auch nicht gut. In die schlüpfe er jedoch nur auf der Bühne. „Es gibt `ne Showklamotte - und eine fürs richtige Leben.“

Überhaupt, die Show, die Stars. Wer immer gedacht hatte, kein Blatt Papier passe zwischen Tommy und die buckelige Verwandtschaft vom Sunset Boulevard, ja, es mache ihm Spaß, ihnen den roten Teppich auszurollen, liegt offenbar schief.

Arrogante Menschen könnten ihn richtig verärgern, gestand er Linn. Und in 24 Jahren habe er davon genug getroffen. Stars, von denen er denke, „mein Gott, so doll ist das auch nicht, aber das kannst Du ihnen ja nicht sagen.“

Die Queen war übrigens noch nicht bei darunter - sehr zu Gottschalks Leidwesen. Sie hätte er gerne einmal auf seinem Sofa begrüßt, verriet er der Interviewerin.

Man darf gespannt sein, ob sich sein Nachfolger auch nach royalem Glanz in der Hütte sehnt. Oder ob ihn das ZDF dazu verdonnert, Sangria-Saufen aus dem Eimer zur Königsdisziplin für Wettkandidaten zu adeln, damit auch die unter 49-Jährigen einschalten

Bei Gottschalk hätte Elizabeth II. huldvoll einem Publikum zuwinken können, das vom Yorkshire-Terrier bis zur Neue-Blatt-Leserin, vom Sandmännchen-Gucker bis zum Spät-Hippie reichte. Sich selber charakterisierte der letzte Mohikaner unter den Samstagabend-Showmastern mit den drei Worten: „Ein netter Kerl.“

Das vollständige Interview finden Sie unter www.tivi.de