Weltkulturerbe

Unesco schützt französische Lammkeule mit Rotwein

Die "Cuisine Française" gehört jetzt zum Welterbe. Große Kulturtraditionen in China und Kroatien gelten als gefährdet.

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Lammkeule, Rotwein und Weißbrot am schön gedeckten Tisch zeichnen die französische Küche aus. Das hat nun auch die UN-Kulturorganisation Unesco anerkannt: Sie setzte auf ihrer Konferenz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi die französische Art zu essen auf die Liste des Weltkulturerbes. Bei der französischen Küche handele es sich um eine „gebräuchliche soziale Praxis, die dazu dient, die wichtigsten Momente im Leben von Einzelpersonen und Gruppen zu feiern“, begründete die Unesco ihre Entscheidung. In Zeiten des Fastfoods solle klargemacht werden, dass die französische Küche ein Teil des Kulturerbes sei, hatte Frankreich seine Bewerbung begründet, für die sich Präsident Nicolas Sarkozy persönlich stark gemacht hatte. Auch in Frankreich greifen immer mehr Familien zu Fastfood und Tiefkühlkost. Das traditionelle Essen mit Apéritif, Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch, Käse und Kaffee findet nur noch selten statt.

Zu besonders schützenswertem Kulturgut erklärte die Unesco auch vier Volkstraditionen wie die chinesische Dschunkenbautechnik oder den Ojikanje-Gesang aus Kroatien. Die in Südchina entwickelte Dschunkenbautechnik mit wasserdichten Schiffsteilen beherrschen angesichts der Nachfrage nach modernen Schiffen nur noch drei Handwerker, hieß es. Nur noch elf Menschen, alle bereits älter als 50 Jahre, sind mit der gesamten Technik chinesischer Holzdruckerei vertraut, die ebenfalls für schützenswert erklärt wurde.

Bedroht sieht die Unesco auch die Tradition des „Meschrep“ bei der Minderheit der Uiguren in China. Bei dem Festival, das auch der Weitergabe von Traditionen und herkömmlichem Wissen dient, hätten Industrialisierung und Abwanderung in Städte zum Verlust der alten Kultur geführt. Viele Akrobaten und Sänger verstünden nicht mehr wirklich den Inhalt des Festivals, hieß es bei der Begründung der besonderen Schutzbedürftigkeit. Landflucht hat auch in Kroatien dazu beigetragen, dass die Zahl der Sänger, die den Ojikanje-Kehlgesang aus dem dalmatischen Hinterland beherrschen, stark gesunken ist.

China und Kroatien müssen jetzt Schutzmaßnahmen ergreifen und darüber an die Unesco berichten. Auch hat sich die Unesco gegen den von Tansania geplanten Bau einer Straße durch den Serengeti-Nationalpark ausgesprochen.

Das zuständige Unesco-Komitee berät in dieser Woche über die seit 2008 bestehende Liste des immateriellen Welterbes. Darauf finden sich 166 Kulturtechniken aus 77 Staaten. Neben den jetzt auf die Liste genommenen traditionellen Kulturformen galten bereits zwölf weitere als bedroht. Zu den zum immateriellen Welterbe zählenden Ausdrucksformen gehören Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Sprachen, Bräuche, Feste oder Handwerkstechniken. Sie ergänzen die Liste des Weltkultur- und Naturerbes um besonders schützenswerte nichtmaterielle Kulturgüter. Zu der Tagung in Nairobi liegen 47 neue Kandidaturen für eine Aufnahme in die Liste vor. Zu den Kandidaturen aus 31 Staaten gehören unter anderen die Echternacher Springprozession, der Karneval im belgischen Aalst oder die Mittelmeerküche.