Insolvenz angemeldet

Eichborn Verlag steht vor dem Aus

In zwei Wochen sollte es für den Eichborn Verlag nach Berlin gehen. Doch jetzt entscheidet erst einmal das Frankfurter Amtsgericht über die Zukunft des Unternehmens mit der Fliege – wegen Zahlungsunfähigkeit

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Zwei Wochen vor dem geplanten Umzug nach Berlin unter das Dach des Aufbau Verlags hat die börsennotierte Eichborn AG Insolvenz angemeldet. Die Gesellschaft könne die erforderliche Sanierung nicht aus eigener Kraft finanzieren, teilte der Verlag am Donnerstag in Frankfurt mit. Versuche, Hilfe von außen zu bekommen, seien „nicht erfolgreich“ gewesen.

Aufbau und Eichborn hatten Anfang des Jahres eine Fusion beschlossen, beide sollten als Marken eigenständig bleiben. Neuer Mehrheitseigentümer von Eichborn wurde Aufbau-Verleger Matthias Koch. Über die Zukunft des Frankfurter Verlags, der am 1. Juli nach Berlin ziehen wollte, gab es mit dem Eichborn-Vorstand aber Auseinandersetzungen.

Zukunft ist "ungewiss"

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde am Donnerstag der Anwalt Holger Lessing aus Frankfurt eingesetzt. Er habe in einer ersten Mitarbeiterversammlung zugesagt, den Geschäftsbetrieb mit dem Ziel einer Sanierung aufrechtzuerhalten.

Der Insolvenzantrag sei zu befürchten gewesen, sagte Koch am Donnerstag der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Buchmarkt“. „Es ist leider nicht gelungen, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass Eichborn in Berlin seine Identität erhalten könnte.“ Koch weiter: „Was jetzt mit dem Verlag geschieht, ist ungewiss.“ Am Mittwoch hatte er noch erklärt, dass er am Umzug Eichborns grundsätzlich festhalte.

Chancen nach einer Sanierung

Dagegen sagte Eichborn-Sprecher Dieter Muscholl, dass Vorstand, Betriebsrat und Mitarbeiter den Insolvenzverwalter unterstützten. Sie seien nach wie vor davon überzeugt, dass der Verlag nach einer Sanierung gute Chancen auf dem Markt habe. Derzeit hat Eichborn noch 40 Beschäftigte. Nach dem Fusionsbeschluss war 35 der damals 48 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt worden.

Als Eichborn-Mehrheitsaktionär wollte Koch bei der Hauptversammlung am 5. Juli in Frankfurt per Antrag die AG auflösen. Das Eichborn-Management habe sein Sanierungskonzept nicht aufgegriffen, begründet Koch seine Forderung auf der Webseite der AG.

Vorstand Eichborns war bis zur Insolvenz der Frankfurter Rechtsanwalt Matthias Wolf, der erst vor wenigen Tagen Stephan Gallenkamp ablöste.

Der mit der Fliege

Der Eichborn-Verlag, bekannt durch eine Fliege im Firmenlogo, wurde im Jahr 1980 gegründet. Zu den bekanntesten Werken aus dem Verlag zählen die Buchreiche „Die andere Bibliothek“ von Hans Magnus Enzensberger, Sven Regeners „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“ oder Cartoons wie „Das kleine Arschloch“ und „Käpt'n Blaubär“.

Seit mehreren Jahren steckt der Verlag in finanziellen Schwierigkeiten. Im ersten Halbjahr 2010 wies er bei einem Umsatz von fünf Millionen Euro einen Bilanzverlust von knapp 2,5 Millionen Euro aus.