Kino-Legende

Regisseur Mario Monicelli begeht Selbstmord mit 95

Mario Monicelli zählte neben Federico Fellini zu den großen italienischen Regisseuren der Nachkriegszeit. Der 95-Jährige beging in Rom Selbstmord.

Foto: AP / AP/DAPD

Der italienische Meisterregisseur Mario Monicelli ist tot. Er stürzte sich am Montagabend in Rom im Alter von 95 Jahren aus dem fünften Stock eines römischen Krankenhauses, wie italienische Medien berichteten. Nach Angaben von Beschäftigten des Krankenhauses San Giovanni, wo Monicelli seit Sonntag wegen Prostata- Krebs in Behandlung war, war der Regisseur sofort tot. „Ich bin sprachlos und sehr traurig“, kommentierte der römische Schauspieler Carlo Verdone (60) die Nachricht.

Monicelli galt mit Federico Fellini und Michelangelo Antonioni als einer der „Regie-Größen“ des italienischen Nachkriegskinos. Als Genie der italienischen Filmkomödie stand der gebürtige Toskaner vor allem für unvergessene Streifen wie „La grande guerra“ (Man nannte es den großen Krieg) von 1959 mit dem einmaligen Paar Alberto Sordi und Vittorio de Sica in den Hauptrollen. Seine Rififi-Parodie „I soliti ignoti“, in der er 1958 einer damals noch völlig unbekannten Claudia Cardinale zum Durchbruch verhalf, machte Filmgeschichte.

Im Mittelpunkt seiner Werke stand fast immer das Milieu des kleinen Mannes. Dabei gelang dem Regisseur auf spielerische Art die satirische Darstellung eines typisch italienischen Kleinbürgertums, deren komödiantische Repräsentation bis auf Boccaccio, Machiavelli und die Commedia dell’Arte zurückgeht, ohne jemals provinziell zu werden.

Zu seinem Grundsatz erklärte der Meister das Prinzip der Komödie „all’italiana“, in der – wie es Monicelli einmal ausdrückte – „alles ungelöst bleibt“, die es aber dennoch schafft, „Hoffnung zu erzeugen - mittels eines gewaltigen Gelächters.“

1915 in Viareggio in der Toskana geboren, begann Monicelli nach dem Schulbesuch zunächst mit dem Studium der Medizin in Mailand, um dann schnell zu den Fächern Geschichte und Philosophie zu wechseln. 1934 drehte er bereits seinen ersten 16-mm-Streifen: „I ragazzi della via Paal“ nach dem gleichnamigen Roman von Franz Molnár, mit dem er bei den Filmfestspielen von Venedig in der Kategorie „Low-Budget“- Produktionen prompt seinen ersten Erfolg feiern konnte. In Rom arbeitete er anschließend bei Regisseur Gustav Machaty und anderen berühmten Filmemachern als Assistent.

1949 begann Monicelli schließlich als eigenständiger Regisseur mit dem Streifen „Totò cerca casa“ (Totò auf Wohnungssuche) seine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Steno. Zu ihren erfolgreichsten Kassenschlagern gehören etwa „Guardie e ladri“ (Räuber und Gendarm) und „Totò e Carolina“ (Totò und Carolina) von 1952.

Zweimal errang Monicelli in Venedig den Goldenen Löwen, dreimal in Berlin den Silbernen Bären und zweimal wurde er für den Oscar nominiert. Als Schauspieler war er zuletzt 2004 in Audrey Wells Film „Unter der Sonne der Toskana“ zu sehen. Als letzten Spielfilm realisierte Monicelli 2006 „Le rose del deserto“. 2003 übernahm der schlanke Italiener mit dem weißen Bart und der kleinen Brille - damals bereits 88-jährig – den Vorsitz der Jury bei der Biennale von Venedig.

Frei nach dem Motto „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ ging es Monicelli, der auch der Meister des bitteren Lachens genannt wurde, nicht darum, Standpauken zu halten. Kino solle erzählen und widerspiegeln. Wenn man Glück habe, berühre es den Geist der Zuschauer, sagte der Filmemacher einmal. Das Herz des Publikums zu bewegen, war für ihn zweitrangig.