Natasha Bedingfield

"Musik holt mich aus dem Gefühl der Unsicherheit"

Natasha Bedingfield hat es als Europäerin geschafft, in den USA erfolgreich zu singen. In ihren Songs musiziert sie sich die Schüchternheit vom Leib.

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Sie sang auf der Gedenkfeier von Lady Diana und performte für den amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Sabrina Golombiewski sprach mit Natasha Bedingfield, dem bodenständigen Ausnahmetalent aus England.

Morgenpost Online: Nach Ihrem großen Erfolg 2007 mit dem Song "Soulmate" wurde es ziemlich ruhig. Warum?

Natasha Bedingfield: Naja, ich hab' an meinem neuen Album gearbeitet. Aber der Hauptgrund: ich habe geheiratet. Das wollte ich erst einmal genießen, aber ich hab' auch an meiner Musik gearbeitet.

Morgenpost Online: Dafür sind Sie nach L.A. gezogen.

Bedingfield: Meine Musik war in den USA sehr erfolgreich und dann bin ich da geblieben. Ich habe so viele verschiedene Angebote erhalten, Events auf denen ich performen konnte... und zu dem Weißen Haus in Washington sagt man nicht nein.

Morgenpost Online: Als Sie in den USA waren, haben Sie gar keine Songs in Europa veröffentlicht...

Bedingfield: Ich möchte meine Musik nicht einfach nur rüberschicken, ohne dabei zu sein. Jedes Album ist wichtig und man muss dem Land, in dem man es veröffentlich Respekt zollen und es persönlich vorstellen.

Morgenpost Online: Wie fühlt es sich an, dass alle Menschen sich Ihre tiefsten Gefühle anhören?

Bedingfield: Es ist komisch. Aber wenn man Leute trifft, dann kennen sie dich schon längst, man muss sich nicht erst vorstellen. Aber es ist auch schwierig, weil es auch Dinge gibt, die leichter auszusprechen sind in einem Lied als persönlich. Manchmal kann man durch ein Lied mehr ausdrücken. Wenn man es Auge in Auge ausspricht, fühlt man sich irgendwie angreifbarer.

Morgenpost Online: Das klingt aber anstrengend.

Bedingfield: Ja, ich musste lernen, damit umzugehen, angreifbar zu sein. Auch deswegen ist "Strip Me" ein guter Titel, weil als Künstlerin in der Welt der Popmusik habe ich mich im Gegensatz zu anderen emotional nackig gemacht. Bei den anderen geht es darum, was sie anziehen.

Morgenpost Online: Ihre Songs handeln oft von Schüchternheit und Unsicherheit. Gibt es da einen persönlichen Bezug?

Bedingfield: Weil ich eigentlich eine schüchterne Person bin und Musik holt mich raus aus diesem Gefühl der Unsicherheit.

Morgenpost Online: Also eine Art Therapie?

Bedingfield: Ja, könnte man so sagen. Das Leben an sich ist ja schon Therapie.

Morgenpost Online: Haben Sie ein Lebensmotto?

Bedingfield: Die Zeile meines Songs "Unwritten": No one else can feel it for you. Keiner kann etwas für dich aussprechen.

Morgenpost Online: Beim Touren bleibt das Privatleben sicher manchmal auf der Strecke.

Bedingfield: Mein Mann und ich telefonieren täglich. Das muss sein. Und wir können nicht länger als zwei Wochen getrennt sein. Das ist der Deal.

Morgenpost Online: Was findet Ihr Mann Matt wohl am nervigsten an Ihnen?

Bedingfield: Ich kann mich manchmal nicht konzentrieren, ich tagträume. Dann sagt er was und ich bin gerade ganz woanders und bekomme nichts mit.

Morgenpost Online: Und was mag er am meisten?

Bedingfield: Meine Kreativität. Und mehr als das... meinen Körper (lacht). Meinen Körper und meinen Verstand.