Charles M. Schulz

Die dunklen Seiten des "Peanuts"-Schöpfers

Charlie Brown war nicht umsonst immer traurig. Erfinder Charles M. Schulz hat in fast 18.000 Cartoons seine eigenen Ängste verarbeitet. In Amerika erscheint nun eine neue Biografie. Die Familie des Zeichners ist entsetzt – und klagt den Autor des Buches an.

„Glück ist nicht lustig“, pflegte Charles M. Schulz auf die ewige Frage zu antworten, warum Charlie Brown nie den Fußball kicken durfte. Der Schöpfer der „Peanuts“ verstand mehr von der tragikomischen Seite des Unglücklichsein als die meisten. In einem Lebenswerk von 17.897 Cartoons hat Schulz seine Melancholie und Ängste zum Segen der Menschheit in Kinderweisheit verwandelt.

Dass er selbst ein bitterer, kalter, depressiver Mann und notorischer Schürzenjäger war, wie es jetzt eine Biografie behauptet, mindert seine Kunst nicht. Doch bringt es seine Familie auf, die den Patriarchen geschmäht und zur Karikatur verzeichnet sieht.

Die Familie Schulz ist entsetzt

Bislang hat nur die „New York Times“ die traurige Geschichte nacherzählt, die vor sieben Jahren mit der Anfrage von David Michaelis bei Charles M. Schulz mit der artigen Bitte um Zugang für ein Buch begann. Der Bitte wurde freundlich entsprochen, weil Schulz und sein Sohn Monte Michaelis' Buch über N. C. Wyeth kannten und schätzen.

Monte soll so angetan gewesen sein von dem Autor, dass er die übrige Familie regelrecht überredete, Michaelis unbegrenzten Zugang zu den Papieren wie eigenen Erinnerungen zu gewähren. Vermutlich ist Monte Schulz deshalb entsetzter als alle anderen. Er nennt das Porträt eines misanthropischen Weiberhelden in dem 655-Seiten-Buch „Schulz and Peanuts“, das in der kommenden Woche bei HarperCollins erscheint, „einfach nicht wahr“ und „absurd“.

Seine Schwester Amy Schulz Johnson geht noch weiter. „Die ganze Sache ist komplett falsch. Ich glaube, er wollte ein Buch auf eine bestimmte Weise schreiben, und er benutzte unsere Familie dazu.“ Amy, die ihren Vater als „überwältigenden christus-artigen Vater“ beschreibt, wirft Michaelis vor, nur das Negative gelten zu lassen: „Wir sind alle (von ihm) betrogen worden.“

"Er war ein komplizierter Künstler"

David Michaelis scheint überrascht von der Verletztheit der Familie. Er verweist auf zahlreiche Interviews, in denen Schulz offen über seine „Melancholie“ gesprochen hatte. In der CBS-Newsshow „60 Minutes“ erzählte er 1999 von dem „schrecklichen Gefühl des unmittelbar drohenden Untergangs“. „Impending doom“ ist eine klassische Chiffre für Panikattacken und Depression. Er erwache oft in einer Friedhofsatmosphäre.

„Er war ein komplizierter Künstler, der sein inneres Leben in seine Arbeit einfließen ließ“, erklärte David Michaelis gegenüber der „Times“. „Seine Ängste brachten ihm Lucy und die anderen Figuren in 'Peanuts'. Ein normaler Mensch hätte sie nicht schaffen können.“

Nun wäre Michaelis nicht der erste Biograf, der die Traurigkeit im Clown, Menschenverachtung im Liebling der Massen, den Kinderschreck im Kinderhelden entdeckte. Rheta Grimsley Johnson hat in ihrer 1989 erschienenen Biografie „Good Grief: The Story of Charles M. Schulz“ die Trauer in den Titel gehoben. Sie beschreibt ihn als einen depressiven Mann, dem alle Liebe seiner Familie, aller Ruhm und Reichtum nicht aus seinem Schattenreich erlösen konnte.

"Meistens liebte er es zu lachen"

Jean Schulz, die zweite Frau des Zeichners, berichtet, dass sie nach der Lektüre von Dreivierteln des Manuskripts von Michaelis die „Melancholie“ ihres Mannes, den seine Freunde Sparky nannten, nicht bestreiten kann. „Doch ist das eben nicht ein vollständiges Porträt. Sparky war so viel mehr. Meistens liebte er es zu lachen.“ Es habe Menschen immer erstaunt, wenn Schulz über die körperlichen Symptome seiner Ängste sprach. Ab er habe eine „buddhistische Akzeptanz“ des Auf und Nieder im Leben entwickelt.

Jean Schulz äussert ein gewisses Verständnis dafür, dass Michaelis sich auf seine erste unglückliche Ehe und auf seine

Melancholie konzentriert habe. Das ergebe wohl einfach die bessere Story als die „25 Jahre Glück“ mit ihr. David Michaelis glaubt, dass Kinder die Heldenverehrung für ihre Väter nicht überwinden. Er habe hunderte Menschen interviewt, jedes einzelne Cartoon analysiert: „Dies ist der Mann, den ich fand."