Neue Spielzeit

Grips Theater engagiert Filmregisseur Sönke Wortmann

Beim Grips ändert sich Einiges: Stefan Fischer-Fels ist jetzt Leiter und hat sich gleich einen dicken Fisch geangelt: Sönke Wortmann wird am Theater "Frau Müller muss weg" inszenieren.

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Wenn eine neue Leitung ein Theater übernimmt, wird alles umgekrempelt: Neue Schauspieler, andere Schwerpunkte, neue Regisseure, anderes Logo. Normalerweise. Nicht so beim Grips Theater. Dort übernimmt Stefan Fischer-Fels (Jahrgang 1964) die künstlerische Leitung. Ein Generationswechsel. Nach 42 Jahren zieht sich Grips-Gründer Volker Ludwig (Jahrgang 1937) zurück. Aber alles soll behutsam über die Bühne gehen.

Von „einer freundlichen Übernahme“ sprechen die Beiden bei der Pressekonferenz am Mittwoch und auch im neuen Spielzeitheft, das grellleuchtendrot daherkommt. „Ich bin ja schließlich geholt worden, um andere Farben reinzubringen“, sagt Fischer-Fels, als er die Projekte seiner ersten Saison vorstellt. Auch der gedruckte Spielplan sieht künftig anders aus, wobei die abgebildeten Hachfeld-Figuren schon einen Bogen zur Vergangenheit schlagen. Behutsamer sind die anderen Veränderungen – ein Wort, das an diesem Tag häufiger fällt: Im Ensemble gibt es keine radikalen Brüche, Regisseure wie Franziska Steiof und Frank Panhans arbeiten weiterhin am Grips und auch programmatisch wird die Arbeit des Gründers fortgesetzt. „Wir spielen gesellschaftskritische Komödien für alle Schichten und Kulturen“, sagt Fischer-Fels, der – natürlich behutsam – neue Akzente setzen will. So wird die Spielzeit am 18. August mit der Dramatisierung des Hesse-Jugendromans „Demian“ eröffnet. Die Inszenierung von Daniela Löffner ist eine Übernahme vom Jungen Schauspielhaus Düsseldorf, dessen Intendant Fischer-Fels derzeit noch ist. Mit dieser Arbeit möchte er zeigen, in welche Richtung er am Grips künftig gehen will, was übrigens – ebenfalls ganz traditionsbewusst – auch zur Diskussion gestellt wird.

Prominentester Neu-Regisseur ist Sönke Wortmann. Den Filmemacher hatte Fischer-Fels in Düsseldorf kennengelernt, als Wortmann mit seiner Tochter eine Theatervorstellung besuchte. Wortmann wird am Grips „Frau Müller muss weg“ inszenieren. Das Stück von Lutz Hübner „ist eine Dokumentation des Desasters eines Elternabends“, betont Fischer-Fels. Hübner ist auch eine der Konstanten. Der Autor, einer der erfolgreichsten in Deutschland, hatte schon in der Vergangenheit fürs Grips (und ebenso für das Junge Schauspielhaus Düsseldorf) geschrieben. Fischer-Fels will die Zusammenarbeit ausbauen, am Grips wird „Held Baltus“ im September uraufgeführt. Das erste Stück, das Hübner für ein ganz junges Publikum (Altersempfehlung: ab 6) verfasst hat – seine Frau Sarah Nemitz hat ihn dabei unterstützt.

Hausautor wird Volker Ludwig bleiben, im November kommt „Pünktchen trifft Anton“, die erste Dramatisierung eines Erich-Kästner Romans, zur Uraufführung. Und auch Geschäftsführer bleibt Ludwig, schließlich ist das Grips ähnlich wie die Schaubühne ein Privattheater. Seinen Nachfolger hatte er bereits im Juni 2010 vorgestellt. Wie das Verhältnis des alten und des neuen Leiters in diesem Vorbereitungsjahr war, demonstrieren beide auf der Pressekonferenz. Da hebt Fischer-Fels gerade zu einer Rede an – prompt steht Ludwig im Zuschauerraum auf, um noch „eine letzte Ansage als künstlerischer Leiter zu machen“: Er weist auf das Konzert von Youn Sun Nah am 18. Juni im Grips hin, die Jazz-Echo-Preisträgerin 2011 hatte ihre Karriere in dem Grips-Kultmusical „Linie 1“ in Seoul begonnen. „Seit einem Jahr bin ich wie ein Tiger auf dem Sprung – und dann kommt Volker Ludwig“, kommentiert Fischer-Fels die – wohl inszenierte – Unterbrechung. Möglicherweise werden die Beiden in der kommenden Spielzeit die Rollen tauschen.