Killerpilze

Eine Teenieband ist erwachsen geworden

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Lorenz Vossen

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Im Gespräch mit Morgenpost Online haben Jo, Mäx und Fabi von der Band "Killerpilze" über die Organisationsprobleme beim "Help Music Award" und ihren neuen musikalischen Freiheiten berichtet.

Mit 180.000 verkauften Alben waren die „Killerpilze“ neben „Tokio Hotel“ die erfolgreichste Teenieband Deutschlands. Im Frühling haben sie ihr drittes Album herausgebracht und am Samstag beim „Help Music Award“ im Tempelhofer Flughafen gerockt.

Morgenpost Online: Hallo Killerpilze! Ihr seid am Samstag beim „Help Music Award“ aufgetreten, hättet aber gerne noch länger gespielt, oder?

Jo: Ja, leider wurden wir Opfer einer etwas undurchsichtigen Organisation. Wir wollten der Band, die nach uns spielen sollte, entgegenkommen und müssen nun einsehen, dass wir zu gutmütig waren und sie sich einfach wahnsinnig unkollegial verhalten haben. Aber Schwamm drüber!

Morgenpost Online: Wie lange wolltet ihr denn noch spielen?

Fabi: Wir hatten noch sechs Songs.

Jo: Wir haben mehr ausgelassen, als wir gespielt haben. Das ist natürlich schade, weil wir unseren Fans etwas geben wollten.

Fabi: Es war ausgemacht, dass wir die eine Stunde hier spielen. Dann stellt man sich darauf ein.

Mäx: Es war trotzdem cool.

Jo: Außerdem sind wir am ersten November noch mal hier, um im SO36 aufzutreten.

Morgenpost Online: Wart ihr mit eurem Auftritt zufrieden?

Fabi: Wir wurden etwas ins kalte Wasser geworfen, da wir keinen Soundcheck hatten und sofort auf die Bühne mussten.. Da war das mit dem Sound ein bisschen schwierig, aber wir haben das Beste daraus gemacht und im Laufe des Konzerts wurde es immer besser. Wenn wir dann auch sehen, dass das Publikum irgendwann mitgeht, macht es noch mehr Spaß.

Jo: In einer großen Halle tun sich die Zuschauer vorne immer etwa schwer, über ihren Schatten zu springen. Da braucht man immer Leute, die mitgehen, und das hat dann gegen Ende ganz gut geklappt. Schade nur, dass wir es nicht bis zum Höhepunkt des Sets geschafft haben. Mit Künstlern wie Loona und Eisblume war es jetzt auch nicht das Line-Up, in dem wir uns sonst wiederfinden würden.

Mäx: Wir waren aber auch nicht dort wegen des Line-Ups, sondern wegen der Sache. Das ist eine coole Organisation.

Jo: Du meinst jetzt aber nicht die Organisation der Veranstaltung? (lacht)

Mäx: Nein, ich meinte jetzt eher den Help Music e.V..

Morgenpost Online: Ihr seid seit einiger Zeit auf der Tour für euer neues Album „Lautonom“. Welchen Stellenwert hat da eine Veranstaltung wie das „Help Music Festival“?

Fabi: Es war auf jeden Fall ein sehr spätes Festival. (lacht)

Jo: Natürlich spielen wir lieber zwei, drei Wochen Konzerte am Stück, aber für solche Sachen sind wir immer zu haben. Wir waren natürlich auch dort, um die Werbetrommel für unser Äthiopien-Projekt zu rühren und wir freuen uns auch, dass wir einen Preis für das Engagement bekommen. Dieser Preis gehört unseren Fans, die mit uns zusammen bisher 500.000 Euro gesammelt haben, um zwei Schulen aufzubauen. Das ist Wahnsinn!

Mäx: Man kann nie sagen, die eine Show hat einen höheren Stellenwert als die andere. Für jedes Publikum geben wir unser Bestes.

Morgenpost Online: Wie würdet ihr die Entwicklung beschreiben, die ihr durchgemacht habt in den drei Jahren, die ihr weg wart?

Jo: Es ist lustig, dass die Leute immer sagen, wir seien weg gewesen. Wir haben schon noch getourt, dass haben in der Breite nur nicht so viele mitbekommen. Außerdem habe ich noch mein Abi gemacht und Zivildienst geleistet, Fabi hat zwei Kinofilme gedreht. Musikalisch haben wir uns natürlich auch entwickelt, wir sind härter als auf den ersten beiden Alben geworden. Wir wollen uns mit jeder Platte weiterentwickeln, das ist für Künstler ein großer Anspruch.

Morgenpost Online: Was hat sich noch verändert im Vergleich zu eueren Erfolgen als junge, aufstrebende Teenieband?

Jo: Von der Menge her ist es weniger geworden, aber das ist auch nicht schlimm, dafür haben wir jetzt ein cooles Publikum.

Morgenpost Online: Was ist denn ein cooles Publikum?

Jo: Es geht den Leuten nicht mehr darum, Fotos zu machen und danach ein Autogramm zu bekommen, sondern einfach um da zu sein, zu tanzen und Spaß zu haben.

Fabi: Ein cooles Publikum ist ein Publikum, das wegen der Musik kommt und das merken wir jetzt bei der Tour besonders.

Mäx: Es lässt sich auch schwer mit damals vergleichen, da herrschte ein unglaublicher Hype und es ging einfach durch die Decke. Wir machen das jetzt ganz bodenständig, Schritt für Schritt mit unserem eigenen Label.

Morgenpost Online: Euer eigenes Label „Killerpilze Records“ habt ihr gegründet, weil Universal BMG sich trotz einer Option auf ein drittes Album von euch getrennt hat.

Jo: Wir haben immer noch das Image der Teenieband als Stempel aufgedrückt. Wir wurden damals extrem gehypt und es war auch eine coole Zeit. Jetzt arbeiten wir daran, dass sich das ändert und dass die Leute das mitbekommen. Deswegen geben wir zurzeit viele Konzerte, um die Leute davon zu überzeugen.

Fabi: Wir haben die ganze „Major-Schiene“ mitbekommen, wo unzählige Leute um dich herum arbeiten und du weißt gar nicht was passiert. Jetzt ist es so, dass wir uns viel mehr um alles bemühen müssen und näher am Geschehen sind. Da steckt dann automatisch mehr Herzblut drin.

Mäx: Vor allem können wir jetzt auch musikalisch mehr bestimmen, zum Beispiel welche Singles wir rausbringen. Das ist bei einer großen Plattenfirma nicht immer so einfach. Jetzt haben wir die Freiheit, uns so darzustellen wie wir uns sehen. Das wissen wir zu schätzen.

Morgenpost Online: In Interviews betont ihr gerne, wie toll ihr Berlin findet. Könntet ihr euch vorstellen hier zu leben?

Jo: Ich hätte das gerne mal realisiert, allerdings wäre ich dann ein bisschen weit weg von der Band gewesen. Der Sitz unseres Labels ist zwischen Dillingen und München, deswegen bin ich jetzt erst mal nach München gegangen. Es war nicht meine erste Wahl, denn ich stehe total auf Berlin.

Fabi: Aber mittlerweile stehst du auch auf München.

Jo: Das schon, doch ich freue mich auf jeden Fall, wenn ich nach Berlin kommen kann.

Mäx: Berlin ist eine schöne Stadt. Vielleicht denken wir mal irgendwann über einen Umzug nach.

Jo: Berlin ist unglaublich künstlerisch, das ist sehr erfrischend!

Morgenpost Online: Habt ihr schon ein paar Lieblingsorte in der Stadt?

Fabi: Ja, auf jeden Fall. Ich liebe das Vapiano am Potsdamer Platz und die Strandbar an der Spree in der Nähe vom Postbahnhof.

Mitarbeit: Franziska Ceczka