Bewusste Täuschung

Ägypten pocht auf Rückgabe der Nofretete

Nach wie vor ist nicht klar, wem die berühmte Büste wirklich gehört. Ägyptische Archäologen haben jetzt neue Hoffnung. Angeblich soll der deutsche Nofretete-Entdecker die ägyptischen Behörden bewusst getäuscht haben, um sie nach Berlin zu bringen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz weist die Vorwürfe strikt zurück.

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Fast 100 Jahre nachdem die Büste der Nofretete Ägypten verlassen hat, sorgen nun neue Spekulationen über angebliche Täuschungsmanöver ihres Entdeckers Ludwig Borchardt für Aufregung.

Die Angelegenheit ist heikel. Denn die ägyptischen Behörden suchen bereits seit Jahren nach Argumenten, um die von dem Bildhauer Thutmosis geschaffene Büste der Gattin von Pharao Echnaton (1340-1324 v. Chr.) an den Nil zurückzuholen - zumindest als Leihgabe. Die Bundesregierung hat dies bislang abgelehnt.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), der die berühmte Plastik gehört, wies am einen Bericht von „Spiegel- Online“ zurück, wonach ein bislang unter Verschluss gehaltenes Dokument belegen soll, dass der deutsche Archäologe Borchardt die ägyptische Altertümerverwaltung bei der Aufteilung der Fundstücke am 20. Januar 1913 bewusst hinters Licht geführt haben soll. Angeblich soll er ein besonders schlechtes Foto vorgelegt und die Kalksteinbüste als Gipsplastik bezeichnet haben.

"Die Behauptung, die Fundteilung sei nicht ordnungsgemäß vonstatten gegangen, ist falsch“, erklärt nun die SPK. Der Archäologe habe keineswegs versucht, Gustave Lefebvre zu täuschen, der damals als Inspekteur der ägyptischen Altertümerbehörde im Grabungshaus in Amarna erschienen sei.

Die archäologischen Fundstücke seien, wie damals üblich, anhand von Fotos und „genauen Stichproben an den Originalobjekten“ 50:50 aufgeteilt worden. Mit anderen Worten: Da Lefebvre übersah, wie bedeutend die Büste ist, steht sie heute in Berlin im Museum und nicht in Kairo.

Das sieht der Ägypter Zahi Hawass, der Generalsekretär der Altertümerverwaltung in Kairo, ganz anders. Nach dem „Spiegel“- Bericht schöpft der streitlustige Archäologe neue Hoffnung: „Diese Enthüllung ist, wenn es denn stimmt, eine großartige Nachricht, die unserer Sache dienen wird.“

Hawass will den in dem Bericht zitierten Brief des Schatzmeisters der Deutschen Orientgesellschaft, der die Fundteilung von 1913 elf Jahre später beschreibt, jetzt selbst in Augenschein nehmen.