Nach der Sanierung

East-Side-Gallery – Künstler verklagen Berlin

Fast 20 Jahre nach dem Mauerfall sollte die East-Side-Gallery neu erstrahlen. Die Bilder wurden dafür entfernt, neu aufgetragen oder verschwanden ganz – ohne Zustimmung der Künstler. Jetzt wird das Land Berlin verklagt.

Mehrere Künstler der East-Side-Gallery fordern Schadenersatz vom Land Berlin, weil ihre Bilder im Zuge der Sanierung der Galerie entfernt und neu gemalt wurden. Zwei Klagen will der Münchener Anwalt Hannes Hartung in dieser Woche beim Berliner Landgericht einreichen. Der Jurist rechnet damit, dass es in drei bis vier Monaten zu einer Anhörung kommt. Es geht um Verletzung des Urheberrechts.

Die East Side Gallery ist in den Jahren 2008 und 2009 saniert worden. Das Bauwerk war marode. Jahrzehntelang hatten Autoabgase und Erschütterungen durch den Straßenverkehr Schäden an den Betonplatten und an den Kunstwerken von 1990 verursacht. Etwa 2,2 Millionen Euro standen für die Arbeiten zur Verfügung. Die alten Bilder wurden im Sandstrahlverfahren entfernt, die Mauer ergänzt oder neu aufgebaut und anschließend die Bilder neu aufgetragen. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im Herbst 2009 wurdedie sanierte Galerie der Öffentlichkeit übergeben. Einige Flächen blieben jedoch weiß. Wie die, auf der Bodo Sperlings Bild „Die Transformierung des Pentagramms zu einem Friedensstern in einem großen Europa ohne Mauern“ zu sehen war. Sperling hatte gegen die Entfernung des Kunstwerks protestiert und dagegen, dass die Fläche ohne sein Einverständnis neu bemalt wurde. Der Künstler erhebt gegen Berlin den Vorwurf der Werkvernichtung. Anwalt Hartung sagte, er werde auf Schadenersatz wegen Verletzung des Urheberrechts klagen. Es gehe um eine Summe von mindestens 20000 Euro. „Wir wollen die Höhe aber in das Ermessen des Gerichts stellen.“

Unerlaubte Reproduktion

Eine weitere Klage richtet sich gegen die unerlaubte Reproduktion der Bilder „Niemandsland“ von Carmen Leidner Heidrich und „Die Geburt der Kachinas“ von Hans Jürgen Große. Beide Kunstwerke seien entfernt und ohne Einverständnis der Künstler neu aufgetragen worden, sagte Anwalt Hartung. Die Verwertungsgesellschaft VG Bild Kunst finanziere die Klage. Pro Bild soll Schadenersatz in Höhe von 3000 Euro gefordert werden. „Das ist die Vergütung, die die VG erhebt, wenn Werke unerlaubt reproduziert wurden“, so der Jurist. Er meint, die Bilder hätten nicht durch Sandstrahlbearbeitung vernichten werden müssen. „Restauratoren sagen, dass man sie hätte abnehmen können, ähnlich wie bei Fresken.“ Die Hinterlandmauer hätte von der Rückseite her saniert werden können. „Das wäre allerdings teurer geworden.“ Hartung sagte, er habe sich wegen des Schadenersatzes an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gewandt, doch dort seien die Forderungen als unbegründet zurückgewiesen worden. Insgesamt 15 Künstler der Gründerinitiative East Side wehren sich dagegen, dass ihre Werke entfernt und von anderen neu aufgetragen wurden.