Comeback

Hasselhoffs konfuser Playback-Auftritt im "Stadl"

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Michael Bee

Vor 20 Jahren sang er "Looking For Freedom" an der Berliner Mauer. Jetzt feiert David Hasselhoff sein Comeback - und trat in Andy Borgs "Musikantenstadl" auf. Doch die konfusen Bewegungen und ungeschickten Lippenbewegungen bestätigten seine eigenen Worte: "Ich glaube, ich werde zu alt für so was."

Dirndl, Maßkrug, gute Laune: Fast wäre es ein ganz normaler Abend im öffentlich-rechtlichen Stimmungsfernsehen geworden. Zu Beginn des „Musikantenstadls“ blöken und muhen gerettete Tiere vom Gut Aiderbichl, Moderator Andy Borg verteilt fleißig Bussis, ein Kinderchor singt Disco-Schlager, Mozartkugeln werden gemampft. Und aus der Mottenkiste der Volksmusik-Welt springen Gestalten wie G. G. Anderson, Stefan Mross oder Albano Carrisi.

Zwar beherrschen nicht alle Interpreten die große Kunst, ihre Lippen synchron zum Playback zu bewegen. Dem Publikum in der Salzburgarena ist’s egal und schunkelt sich einfach weiter in Trance. Es ist der ganz normale Wahnsinn, der vier Mal im Jahr das Samstagabend-Programm mit beeindruckenden Quoten um die Fünf-Millionen-Marke aufmischt.

Doch diesmal ist alles anders. Denn nach dem zweistündigen Wohlfühl-Marathon betritt ein Mann im Glitzer-Sakko die Bühne, der in Deutschland – und nur in Deutschland – wegen seiner Liedkunst verehrt wird: David Hasselhoff.

Da hält es selbst die grimmigsten Bauernburschen nicht mehr auf der Bierzelt-Garnitur. Hasselhoff schiebt sich in klassischer Musikantenstadl-Manier durchs dicht gedrängte Publikum, singt „Crazy for you“ und „Limbo Dance“, und für einen kurzen Augenblick sind die späten Achtziger, frühen Neunziger wieder da.

„Wie geht’s? Geht’s gut?“, ruft Hasselhoff, was ein bisschen wie eine Drohung klingt. Nach dem Medley muss der 57-Jährige japsend zugeben: „Ich glaube, ich werde zu alt für so was.“

Es folgt eine konfuse Plauderei mit Showmaster Borg, reichlich Eigenwerbung für Hasselhoffs neue Autobiografie und eine Videokonferenz mit seinem Vater Joe. Der hat ein Salzburger Trachtenhemd an und wirkt sichtlich verwirrt bei all dem deutschen Frohsinn.

Das als „Weltpremiere“ angekündigte Lied „This Time Around“ darf Hasselhoff dann auch noch singen, bevor es zum großen Finale kommt: Gemeinsam mit Andy Borg schmettert Hasselhoff „Looking For Freedom“. Blumen fliegen, Küsschen werden verteilt, Hasselhoff strahlt und verkündet stolz: „Ich bin wieder da!“

Dass sich das einstige Teenie-Idol in den Kulissen einer deutschen Volksmusik-Show wiederfindet, hätte vor zwei Jahrzehnten wohl niemand erwartet. Verehrt von Grundschülern, belächelt wegen seiner Vokuhila-Dauerwelle, beneidet um das Wunderauto K.I.T.T. – David Hasselhoff steht wie kaum ein anderer für die kollektive Geschmacksverirrung in Deutschland der 80er-Jahre.

„Knight Rider – ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht“, heißt es euphorisch im Vorspann der Erfolgsserie. Und tatsächlich: spektakuläre Verfolgungsjagden im Pontiac Firebird, der leuchtende Knopf, der den „Turbo Boost“ aktiviert, der „Super Pursuit Mode“, mit dem das sprechende Wunderauto innerhalb von Sekunden auf 300 Sachen beschleunigte – so lässig und simpel konnte US-Action damals sein. In 90 Folgen stand Hasselhoff als Gerechtigkeitsfanatiker Michael Knight vor der Kamera, im Sommer 1986 wurden die Dreharbeiten eingestellt.

Am 31. Dezember 1989 dann der vorläufige Höhepunkt in Hasselhoffs Karriere: Vor Zehntausenden Berlinern singt er auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor seinen Nummer-1-Hit „Looking for Freedom“. Die Menge jubelt ihm scheinbar begeistert zu, doch Archivaufnahmen zeigen, wie eine Silvesterrakete nur um Haaresbreite am Kopf des Sängers vorbeizischelt.

Mit seiner wild blinkende Lederjacke und seinem Schal mit dem Muster einer Klaviertastatur gab er allerdings auch ein ausgezeichnetes Ziel ab. Später behauptete The Hoff, erst sein Song habe die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht. Mittlerweile ist Hasselhoff bescheidener geworden und hat seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung relativiert.

Vom Brandenburger Tor zur Silikonkissen-Schau am Strand von Malibu: Als brustbeharrter Bademeister Mitch Buchanan machte Hasselhoff „Baywatch“ zu erfolgreichsten Serie aller Zeiten. Zumindest liest man das im Guinness-Buch der Rekorde. Insgesamt 5,7 Milliarden Zuschauer sollen den Lebensrettern bei der Arbeit zugeschaut haben.

Vor drei Jahren schließlich der bittere Absturz. Zwar waren Hasselhoffs Alkoholprobleme schon lange bekannt, doch ein Video – aufgenommen von seiner Tochter Taylor – machte den tiefen Fall Hasselhoffs schlagartig bewusst. Am Boden liegend versucht er darin, einen Whimpie-Burger zu verdrücken, während ihn seine Tochter anfleht, das Saufen aufzugeben. Vergeblich. Weitere Alkoholvergiftungen und diverse Entzugskuren folgen. Anfang 2010 verlässt Hasselhoff die Casting-Show „America’s got Talent“, in der er seit 2006 den Juror gibt. Laut eigenen Angaben, weil er sich auf seine eigene Reality-Show über sein Leben als Promi-Vater konzentrieren will.

Vielleicht berichtet er darin auch von seiner Ex-Frau Pamela Bach. Wie am Freitag bekannt wurde, muss die 46-jährige Schauspielerin und Mutter der Hasselhoff-Töchter Taylor und Hayley für 90 Tage ins Gefängnis – weil sie betrunken Auto gefahren war.

Ob Hasselhoff vor seinem Auftritt im „Musikantenstadl“ zum Maßkrug greifen musste, um den Auftritt halbwegs zu überstehen, ist nicht überliefert.