Connor Oberst

Amerikas kauzigster Sänger

Das Album "Cassadaga" ist das bisher beste, des Künstlers, der sich auch Bright Eyes nennen lässt. Doch eine zweiminütige Orchester-Ouvertüre wirft Fragen auf.

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Cassadaga heißt ein Ort, er liegt in Florida, nicht weit von Disneys Welt. In Cassadaga dürfen Menschen zu ihren verstorbenen Ahnen sprechen, und man sagt, die Ahnen auch zu ihnen. Dass der Sänger Connor Oberst, irgendwann dort landen würde, war vorauszusehen.

Unter all den wunderlichen jungen Musikanten, die zur Zeit Amerika und die gesamte Welt bereisen, galt der Sänger aus Nebraska als der kauzigste. Bright Eyes, wie er sich nennen lässt, war schon als Wunderkind ein Trunkenbold. Mit 13 gründete er seine erste Plattenfirma.

Boulevard-Affäre mit Winona Ryder

Längst blickt er zurück auf eine Boulevard-Affäre mit Winona Ryder, auf Konzerte mit Neil Young und gegen Bush. Nun also ernsthafte Gespräche mit den Toten und ein Album namens „Cassadaga“ und darauf das Klagelied „I Must Belong Somewhere“.

Woher wir kommen und wohin wir gehen: Frühreif oder altklug kann man einen 27-jährigen nicht länger nennen. Als Bright Eyes mit 18 debütierte, sah sogar die Plattenindustrie, dass es „die Jugendkultur“ nicht mehr gab. Die Jugend kaufte jedenfalls weit weniger CDs als ihre Eltern.

Schlichtweg schöne Folk- und Countrysongs

Eltern wiederum kauften bevorzugt ihrem Alter angemessen klingende Musik. So stieß die Industrie auf Künstler wie Bright Eyes. Zerwühlte, suchende und nachdenkliche Helden, die auch Gymnasiasten ansprachen aber wie 50-jährige musizierten. Mindestens. Ryan Adams, Adam Green, unzählige Garagengruppen wurden von Familienvätern abgenickt als aufstrebende Dylans oder Stones. Nun strebt Bright Eyes längst nicht mehr auf und fährt auch nicht mehr für sein Label Saddle Creek herum. Er gräbt nach Wurzeln, sucht sich selbst und singt darüber für die Polydor.

Man weiß nicht, ob er sich vertraglich zu zwölf schlichtweg schönen Folk- und Countrysongs verpflichten musste für sein bisher bestes Album „Cassadaga“. Bei der zweiminütigen Orchester-Ouvertüre fragt man sich noch, ob es schlimm um Oberst steht. Danach berichtet er mit zwar gebrochener Stimme aber himmlischer Musik und klaren Bildern aus Amerika. Von schlummernden Völkermorden, stolzen Limousinen und Zitronenbäumen. Gleich am Anfang teilt Bright Eyes dem staunenden Hörer mit: „I buried my ballast, I made my peace.“ Da werden sich die Geister seiner Ahnen aber freuen.