"Die Bergwacht"

Das ZDF und der Gipfel der Unterhaltungskunst

Das Zweite versucht, auf einem schmalen Grat zu balancieren. Mit einer neuen Serie sollen zwei Zielgruppen verbunden werden, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Senioren und Action-Fans. Von der "Bergwacht" erhofft sich der Sender, dass er endlich einmal einen Quotengipfel erklimmen kann.

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Da behaupte noch einer, das Zweite ruhe seine morschen Knochen aus. Um ihre Zuschauer zu unterhalten, klettern sie beim ZDF bis in Schwindel erregende Höhen. Jetzt glauben sie, ihn erklommen zu haben, den Gipfel der Unterhaltungskunst. Auf dem Dachstein, in 2995 Metern Höhe. Hier oben in Kärnten sind die ersten vier Folgen einer neuen Serie entstanden, mit der das Zweite das Unmögliche versuchen will, nämlich, die Anhänger des „Forsthauses Falkenau“ mit den Fans solcher Action-Serien wie der „HeliCops“ (Sat.1) zu versöhnen.

„Die Bergwacht“, wie diese Serie über den Alltag schwindelfreier Lebensretter heißt, soll das Publikum mitnehmen auf „eine ganz alltägliche Berg- und Talfahrt“. Im Presseheft verspricht der Sender „hochemotionale Geschichten“, die „potenziert werden durch die Einsätze an der Felswand“. Actionreich inszeniert und aus dem Hubschrauber gefilmt. Von einem Team, über das der auf halsbrecherische Szenen spezialisierte Co-Regisseur Fritz Flieder sagt: „Wir haben nur Leute genommen, die es mit diesen schwierigen Bedingungen aufnehmen konnten, trotzdem wurde oft gekeucht ob der großen Anstrengung.“

Das Leben eines Bergwächters ist eben kein Picknick. Statt sensibler Charakterdarsteller waren Extremsportler gefragt. Männer wie Martin Gruber, der bislang nur als fescher Hotelerbe in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ aufgefallen war. Er sagt, die Doppelbelastung als Witwentröster und Lebensretter habe ihn bis an seine Grenze geführt. Diese Mühe hat sich gelohnt. Die Action-Szenen sind beängstigend authentisch. Schon in der ersten Episode sieht man, wie der Almbauer Stephan (Stefan Murr) ausgerechnet am Morgen nach seiner eigenen Hochzeit bei einer Kletterpartie abstürzt – und mit solcher Wucht fällt, dass sich der Sicherungshaken aus der Felswand löst.

Ein Bergunfall im Fernsehen ist aber nicht nur ein Bergunfall. Jeder Absturz wird mit symbolischer Bedeutung aufgeladen. Das führt die Handlung bisweilen auf sonderbare Abwege. Das hat Stephans bester Freund Andreas (Martin Gruber) nun davon, dass er den frisch verheirateten Familienvater zu dem Ausflug überredet hat.

Jetzt muss er nicht nur dessen Job in der Bergwacht übernehmen, sondern sich auch noch um dessen Frau Emilie (Stefanie von Posen), die Kinder und den Hof kümmern. So hat er es dem Freund versprochen, bevor der vor der malerischen Alpenkulisse sein Leben aushauchte.

Dabei war Andreas eigentlich auf dem Sprung in die USA, zusammen mit seiner Freundin Sarah (Stephanie Stumph) wollte er eine Kletterschule im Grand Canyon eröffnen. Jetzt steht er zwischen zwei Frauen.

Der Berg, er musste schon immer als Metapher für das ewige Auf und Ab des Lebens herhalten. In dieser Serie ist die Fallhöhe besonders groß, um bei der Metapher zu bleiben. Doch entweder traut das Zweite den „hochemotionalen“ Geschichten nicht, die man rund um die kargen und schroffen Gipfel konstruiert hat. Ober aber sie geben sich beim ZDF erst gar keine Mühe mehr zu leugnen, dass die privaten Dramen bloß Mittel zum Zweck sind, Aufhänger für die coolen Actionszenen.

Fortsetzung folgt? Das hängt von der Quote ab. Zur selben Zeit zeigt RTL seine Erfolgsserie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei.“ Die erreicht jeden Donnerstagabend über 4,5 Millionen Zuschauer. Ob die bereitwillig von explodierenden Opeln zum Steinschlag umschalten, darf jedoch bezweifelt werden.

Ab Donnerstag, 26. November, sowie 3., 10., 17. Dezember., 20.15 Uhr, ZDF