Berlinale 2011

Beziehungsprobleme? Die Katze wird es richten

Der koreanische Film "Kommt Regen, kommt Sonnenschein" folgt dem Trend des Festivals. Sein Hauptdarsteller ist ein Tier.

Der Jahrgang 2011 wird als die Tier-Berlinale in die Geschichte eingehen. Überall laufen Viecher über die Leinwand, es sollen sich bereits Allergiker bei der Festivalleitung beschwert haben wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen. Wir haben Pferde im Eröffnungsfilm "True Grit" und im "Turiner Pferd" gesehen, Hunde in "El Premio" und "Margin Call", mehrere Arten in "Les contes de la nuit". Am beliebtesten bei Filmemachern sind Katzen, "Wer wenn nicht wir" beginnt damit, "The Future" wird gar von einer behinderten Katze erzählt. Tiere sind auch super Schauspieler.

Der koreanische Beitrag "Kommt Regen, kommt Sonnenschein" nimmt sich viel Zeit, bis das Tier erscheint, es dauert überhaupt alles sehr lange. Ein junges Paar hat sich nicht viel zu sagen, die Frau will ihren Mann verlassen. Sie wohnen in einem schicken Haus, meist stehen beide dekorativ herum, was Einsamkeit und Ratlosigkeit heraufbeschwört. Sie raucht. Er schlurft. Es regnet heftig. Korea wird schier überflutet.

Mit Anchovis ködert man Kätzchen

Zwischendurch ist die leere Wohnung bei Sonnenschein zu sehen. Das ist sicher beziehungsreich gemeint. "Es regnet" heißt ein schönes Lied von Element of Crime: "Und im Garten blüht die Illusion, das kenn ich schon / Mal sehen, ob sich das Warten lohnt."

Auftritt Katze! Das junge Tier hat sich verlaufen, die beiden holen es in die Wohnung. Flugs versteckt die Katze sich. Bald kommen die Katzen-Besitzer hinterher, man macht Smalltalk. Dann ist das Paar wieder allein und ergeht sich in Antriebslosigkeit und Lethargie. Die Köpfe hängen nach unten. Nach gefühlten vier Stunden kocht er Pasta. Sieht lecker aus. Kommt das arme kleine Tier noch mal. Aber ja. Mit Anchovis ködert man Kätzchen, aber keinesfalls Zuschauer. Das Warten lohnt sich nicht.