Kunst

Max-Liebermann-Ausstellung in Villa am Wannsee

Die Ausstellung in der Sommer-Villa des Berliner Impressionisten zeigt 50 Werke. Darunter das Werk „Am Strand von Noordwijk". Es galt 80 Jahre als verschollen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Der Berliner Impressionist Max Liebermann (1847-1935) fuhr fast 25 Jahre ans Meer, ohne es zu malen. Doch dann entdeckte er seine Liebe für die Strand-Motive und das besondere Licht an der Nordsee, erzählt Kurator Martin Faass. Inspiriert von den französischen Impressionisten entstanden von 1896 bis 1914 Liebermanns über 100 Gemälde vom Meer.

Eine Auswahl ist abSonntag in der Ausstellung „Max Liebermann am Meer“ in dessen Sommer-Villa am Berliner Wannsee zu bewundern. In mehr als 50 Gemälden, Pastellen und Grafiken zeigt sich die Vielfalt der Meeres- und Stranddarstellungen des berühmten jüdischen Künstlers, der 1927 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Berlin wurde und sechs Jahre später, von den Nationalsozialisten verfemt, einsam und verbittert starb.

Schau zeigt die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Meer

Die Werke in der bis zum 15. August geöffneten Ausstellung zeigen eindrucksvoll Liebermanns Auseinandersetzung mit dem Meer. „Die Besucher erfahren, welche Motive den Maler besonders faszinierten und sie erleben die besondere Atmosphäre der holländischen Nordseeküste“, ist sich Faass sicher. Mit den hellen Sandstränden, dem intensiven Licht und dem bunten Treiben der Sommergäste habe sich Liebermann – Mitbegründer der Berliner Secession – eine ganz neue Motivwelt eröffnet. Liebermann, der als Wegbereiter der modernen Malerei gilt, begann, die Impressionen des Lichtes in frischen Farben festzuhalten.

Bis dahin hatte sich Liebermann auf die Darstellung der Arbeit der einfachen Menschen konzentriert. Als er 1871 das erste Mal an die Nordsee nach Holland fuhr, galt das Meer „künstlerisch als verbraucht“, wie Faass erläutert. Die Künstler der vorherigen Generation – der Romantik und Salonmalerei – hatten es umfangreich in vielen Facetten dargestellt.

Doch dann entdeckten die französischen Impressionisten das Meer für sich als Motiv. Liebermann sammelte Werke von Claude Monet (1840-1926) und Edouard Manet (1832-1883). Dieser Einfluss habe Liebermanns Blick auf das Meer verändert. Seine Bilder wurden heller - er stellte den Strand unter unterschiedlichen Wetterbedingungen und damit in verschiedenen Lichtverhältnissen dar.

Verschollen gehaltenes Gemälde wird gezeigt

Eines der in der Schau präsentierten Bilder galt jahrelang als verschollen und wird nun nach 80 Jahren das erste Mal wieder öffentlich ausgestellt. Das Werk „Am Strand von Noordwijk“ (1908) sei seit 1930 in Privatbesitz, sagt Faass. Es sei bei einer Familie in Norddeutschland ausfindig gemacht worden.

Ein Mitglied der Familie hatte das Bild von dem Kunsthändler Paul Cassirer (1871-1926) erworben. Der besondere Ausstellungort – das Sommerhaus Liebermanns – und die persönliche Vermittlung bewogen den Besitzer, das Werk als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, sagt Faass stolz.

Villa ist seit fünf Jahren als Kunstmuseum zugänglich

Die Ausstellung ist die bislang größte Sonderausstellung der Liebermann-Villa seit ihrer Eröffnung als Kunstmuseum vor fünf Jahren. Die Villa am Wannsee ließ der Künstler 1909 errichten und nannte sie stolz sein „Schloss am See“. Die Rettung und Wiederherstellung der Villa ist dem bürgerschaftlichen Engagement der 1995 gegründeten Max-Liebermann-Gesellschaft zu verdanken. 2006 waren die Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen abgeschlossen und Haus und Garten als Liebermann-Museum zugänglich.