Töten in 3D

Nicolas Cage flieht aus der Hölle – und langweilt

Um seine Enkelin zu retten, nimmt er es mit Monstern auf. Doch selbst fliegende Körperteile sind kein Garant für Hochspannung.

Eigentlich dürfte es einen Film wie Patrick Lussiers „Drive Angry“ gar nicht geben. Schließlich hat sich diese ganz spezielle Art von Genrefilmen spätestens in den 80ern aus den Kinos verabschiedet, um auf Video – und später dann auf DVD und BluRay – seine Schattenexistenz zu führen. Trotzdem ist das Grindhouse-Kino der 70er Jahre nun zurück, und das verdankt es eben nicht seinen späten Bewunderern und intellektuellen Verteidigern, sondern einer technischen Entwicklung, oder anders gesagt: 3D macht es möglich.

Es ist schon oft gesagt worden, dass das Kino mit der neuen digitalen 3D-Technik im Endeffekt zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Es wird wieder zu einer Art von Jahrmarktsattraktion, die vor allem auf ganz direkte, körperliche Reaktionen seitens des Publikums spekuliert. Dafür reicht es schon, dass ständig etwas durch die Gegend und in Richtung Kinosaal fliegt, seien es nun Auto- oder auch Körperteile. Womit wir auch schon bei der lächerlichen, aber eben in dieser Hinsicht äußerst effektiven Idee von „Drive Angry“ wären:

Der von Nicolas Cage gespielte John Milton ist aus der Hölle geflohen, um seine erst vor kurzem geborene Enkelin aus den Fängen des satanistischen Sektenführer Jonah King (Billy Burke) zu befreien. Unterstützung findet der Namensvetter des Verfassers des epochalen Versepos’ „Paradise Lost“ bei Piper (Amber Heard), einer überaus schlagkräftigen Kellnerin. Allerdings müssen sich beide noch mit dem „Buchhalter“ (William Fichtner), einem Abgesandten des Teufels, herumschlagen, der Milton wieder einfangen soll.

Wie sein Held, den Nicolas Cage erstaunlich stoisch und zurückgenommen spielt, macht auch Patrick Lussier keine Gefangenen. Einen derart rabiaten Film, der zudem noch mit einem verhältnismäßig hohen Budget und mehreren prominenten Darstellern realisiert wurde, hat es tatsächlich seit den 70ern nicht mehr gegeben. Doch trotz einiger Szenen, die mit Sicherheit in die Annalen des ‚Schund-Kinos’ eingehen werden, erweist sich „Drive Angry“ letzten Endes als gescheiterter Versuch. Gerade die Technik, der er überhaupt erst seine Existenz verdankt, wird ihm zum Verhängnis.

Zum einen haben 3D-Kameras mit schnellen Action-Szenen immer noch ihre Probleme, so dass der Film ausgerechnet in seinen rasantesten Momenten etwas seltsam Schwerfälliges hat. Zum anderen nutzt sich der typische 3D-Effekt auch relativ schnell ab. Je häufiger etwas auf den Zuschauer zufliegt, desto größer wird auch seine Reaktionsschwelle. Das Prinzip ist so offensichtlich, dass es eben keinen ganzen Film tragen kann.