Film

Warren Beatty, der ewige Sonny-Boy

Der Schauspieler und Regisseur hat wenige Filme gedreht und ist doch weltberühmt. Besonders sein Tod in "Bonnie und Clyde" ist unvergessen. Dem Charmeur lag vor allem das weibliche Hollywood zu Füßen. An diesem Freitag wird Warren Beatty 70 Jahre alt.

Er wirkte, um es vorsichtig auszudrücken, ein wenig unkonzentriert, als er am 16. Januar dieses Jahres bei der Golden-Globe-Verleihung den Cecil B. DeMille-Preis für sein Lebenswerk entgegennahm. Wirkte fahrig, stockend, stammelnd, schwitzend. Fast ein wenig senil.

Vermutlich hatte er sich einfach zuviel Mut angetrunken. Vielleicht kam der Preis aber auch einfach zu spät. Immerhin hat er ja schon sieben Jahre zuvor einen Ehren-Oscar fürs Lebenswerk gekriegt. Wenngleich sich in dieser Globe-Nacht ein Kreis schloss, bekam doch, wie Präsentator Tom Hanks nicht müde wurde zu betonen, Warren Beatty einst im Jahre 1962 seinen ersten Golden Globe – als vielversprechendster Nachwuchs.

Jeder Film ein Comeback

Er habe so wenige Filme gedreht, bekannte der Geehrte nun, dass jeder davon ein Comeback gewesen sei. Und er zeigte mit dem Finger auf Clint Eastwood und auf Jack Nicholson, und er suchte nach Dustin Hoffman, die ihn alle beschämten, weil sie immer noch einen Film nach dem anderen drehen. Aber das ist wahrscheinlich exakt das, was die Persönlichkeit Warren Beatty ausmacht: Er hat in 46 Jahren gerade mal 22 Filme gedreht. Und hat es trotz dieser mageren Titelliste dennoch zu einem der geachtetsten Stars in Hollywood gebracht hat.

Er war, obwohl er gern darauf reduziert wurde, nie nur der kleine Bruder von Shirley MacLaine. Er hat 1967 nicht nur in „Bonnie und Clyde“ mitgespielt, sondern diesen auch produziert. Er hat damit das Kunststück vollbracht, gleichzeitig das berüchtigte Star-Kino voranzutreiben als auch ein bisschen das New Hollywood mit auszubrüten, das mit diesem Kultklassiker von Arthur Penn förmlich eingeschossen wurde.

Beatty hat dadurch mächtig an Einfluss gewonnen und wusste das gehörig auszunutzen: in Werken wie Altmans desillusionierenden Anti-Western „McCabe & Mrs. Miller“ oder dem Pop-Kult „Shampoo“. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, 1980, sollte er es dann noch schaffen, einem erzkapitalistischen Studio ein großes episches Drama über die Russische Revolution abzuringen, „Reds“, wofür er gleich für vier Oscars nominiert wurde: für Drehbuch, Regie, Produktion und Darstellung. Beatty ist von allen Stars der Filmgeschichte der einzige, dem dies gleich zwei Mal gelang, das erste Mal 1978 mit „Der Himmel kann warten“.

Als Comicfigur in "Dick Tracy"

Aber er hat eben auch „Dick Tracy“ gedreht, einen Comic-Film, der auf die Batman-Welle aufspringen wollte und in dem er doch nur zur Comic-Figur verkam, und „Ishtar“, einer der dicksten Flops der jüngeren Geschichte. Und überdies hat der notorische Frauenheld über Jahrzehnte eher mit seinen Affären von sich reden gemacht, hat regelmäßig seine Filmpartnerinnen verführt, von Natalie Wood über Leslie Caron, Julie Christie, Diane Keaton und Goldie Hawn bis hin zu Madonna.

Ja, als er Annette Bening für den Mafia-Film „Bugsy“ casten wollte, suchte ihr Agent das Treffen zu verhindern, aus Angst, er wolle sie nur angraben. „Und wie sich herausstellte, hatte der Mann recht“, gibt Beatty heute unumwunden zu. Mit Bening führt der einstige Womanizer inzwischen eine Muster-Ehe mit vier Kindern. Vorbei die Zeiten, als der Mulholland Drive nach Brando, Nicholson und ihm zum „Bad Boy Drive“ umgetauft worden war. Und so können heute seine Kollegen und potenzielle Konkurrenten neidloser anerkennen, wie Tom Hanks am Globe-Abend, dass Beatty „balls“, also etwas in den Hosen habe.

Immer für die Demokraten

Vor allem kann man nun auch den Politiker Beatty ein wenig mehr würdigen. Von Anfang an hat er sich für die Demokratische Partei stark gemacht, war mit John F. Kennedy befreundet, hat für Bobby Kennedy Wahlkampf gemacht, hat 1972 George McGovern bei dessen Präsidentschaftskampagne beraten. Heute ist er der prominenteste Kritiker des „Gouvernators“ Arnold Schwarzenegger, und 1999 wurde er eine Zeit lang sogar ernsthaft als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt.

Ein Jahr zuvor hatte Beatty „Bulworth“ gedreht, wiederum in Personalunion als Regisseur, Autor, Produzent und Darsteller: eine bissige Polit-Satire, in der er als amtsmüder Senator plötzlich unangenehme Wahrheiten ausspricht und dies am Ende in einen provokant-progressiven Rap-Auftritt kulminieren lässt. Da hat es der alte Knabe noch mal allen gezeigt. All die zappeligen Straßenjungs mit ihren pseudo-coolen Gangsta-Sprüchen können da getrost einpacken. Heute feiert Warren Beatty seinen 70. Geburtstag.