Science-Fiction

Matt Damons Kampf gegen ein vorgegebenes Leben

Im Science-Fiction-Film "Der Plan" kontrollieren graue Bürokraten die Lebensläufe der Menschen. Dann kommt Matt Damon hinter die kafkaeske Maschinerie.

Ein erschöpfter, von seiner Aufgabe gänzlich ausgelaugter Mann ist für einen kurzen Moment unaufmerksam; und schon gerät das ganze Gefüge der Welt aus dem Takt. Ein anderer Mann begegnet ganz zufällig im Bus einer Frau, mit der er Jahre zuvor schon einmal schicksalhaft zusammengetroffen war.

Damals hat sie ihn, einen aufstrebenden jungen Politiker, der gerade eine vernichtende Wahlniederlage erlitten hatte, vor einem folgenschweren Schritt bewahrt. Wieder ist er ganz verzaubert und kann nur noch an sie denken.

Norris sieht hinter die Kulissen

Diese beiden, eigentlich ganz alltäglichen Begebenheiten, die sich jeder Kontrolle und auch jeder Vorsehung entziehen, die einfach geschehen, setzen in „Der Plan“, George Nolfis sehr freier Adaption einer aus den 1950er Jahren stammenden Kurzgeschichte von Philip K. Dick, eine immer komplexere Kette von Ereignissen in Gang.

In deren Verlauf muss der junge, enorm charismatische Politiker David Norris (Matt Damon) erkennen, dass die Welt längst nicht so funktioniert, wie er und auch alle anderen Menschen immer dachten.

Eine winzige Panne lässt Norris hinter die Kulissen der Wirklichkeit sehen, in das Reich der undurchsichtigen „Regulierungsbehörde“, deren Agenten, Bürokraten in klassisch geschnittenen grauen Anzügen und altmodischen Fedora-Hüten, die Wege der Menschen kontrollieren und gegebenenfalls gemäß des „großen Plans“ korrigieren.

So erfährt er zum einen, dass der freie Wille in der Geschichte der Menschheit fast immer nur eine Illusion war. Zum anderen teilt ihm der von John Slattery gespielte Richardson, einer der ranghöheren grauen Männer des Schicksals, mit, dass er seine Zufallsbekannte, die so reizende wie rätselhafte Balletttänzerin Elise Sellas (Emily Blunt), nie wieder sehen darf. Ihre Liebe ist nicht vorgesehen.

So wie sich Matt Damon fortan gegen die kafkaeske Maschinerie einer bizarren außerweltlichen Bürokratie ankämpft, wie er für seine Freiheit und seine Liebe kämpft, so stemmt sich der Drehbuchautor George Nolfi mit seinem Regiedebüt gegen den Apparat und die Konventionen des gegenwärtigen Hollywood-Kinos.

Die Idee einer fremdbestimmten Menschheit ist ohne Frage eines der ganz großen Topoi des modernen Science-Fiction-Films. Als solches ist es eigentlich immer – davon zeugt neben der „Matrix“-Trilogie auch „Inception“ – mit einem ungeheuren (trick-)technischen Aufwand verknüpft.

Nolfi behauptet seinen freien Willen

Doch daran hat Nolfi nicht das geringste Interesse. Natürlich arbeitet auch er mit Tricks, nur spielt er sie so weit wie nur eben möglich herunter. Mit seiner klassischen, an die Filme der späten 50er und frühen 60er Jahre gemahnenden Eleganz hat „Der Plan“ etwas dezidiert Altmodisches an sich.

Allerdings dreht George Nolfi die Zeit nicht einfach zurück. Er behauptet seinen freien Willen gegen die Ideen der Industrie und erschafft sich seine eigene Kino-Wirklichkeit, indem er Philip K. Dicks düstere Science-Fiction-Vision mit einer zutiefst romantischen Liebesgeschichte zu einem funkelnden Solitär verschmilzt. Die Bestandteile dieser einzigartigen Filmverbindung sind altbekannt. Aber gemeinsam entwickeln sie einen betörenden Zauber.