Kunstmarkt

Dubai ist auch scharf auf Kunstmessen

Die erste Gulf Art Fair in Dubai trumpft groß auf Zwar hatten die Aussteller ihre besten Stücke mitgebracht. Aber natürlich blieben die "Nudes" daheim. Der exzentrische Brite Damien Hirst wurde gleich mehrfach angeboten - und verkauft.

Foto: Bettina Krogemann / Krogemann

Es hat sich wohl ein jeder Aussteller viele Gedanken gemacht, bevor er seine sieben Kunstsachen verpacken und verfrachten ließ, um sie in Dubai auf der ersten Ausgabe der DIFC Gulf Art Fair zu zeigen. Und dann hingen mitunter Hauptwerke tagelang im Zoll. Neben Geduld waren also auch starke Nerven angesagt, denn auf die besten Stücke bei einer Vernissage und einer Messedauer von nur drei Tagen verzichten zu müssen, ist wohl das Letzte, was ein Aussteller gebrauchen kann.

Einen anspruchsvollen Kunstmarkt in den Golfstaaten aufzubauen, ist echte Pionierarbeit. Zeitgenössische Künstler in den Vereinigten Emiraten, die ausschließlich im eigenen Saft schmoren, schaffen bezaubernd naive Dinge, die wundergrotesk kitschig sind, aber sie gehören, mit Verlaub gesagt, nicht in die Gefilde der Kunst. Nun, es wurde hier wirklich Zeit für eine internationale Messe mit moderner und zeitgenössischer Kunst, ein bisschen als Geschmacksschulung, auch als intellektueller fernöstlicher und natürlich westlicher Input, der sich über die Kunst nun einmal anders darstellt: eben nicht als Sinnbild banaler Konsumption und fantasieloser Rücksichtslosigkeit.

Internationale Top-Galerien mit dabei

An der Messe nahmen internationale Top-Galerien teil, die sich sonst auf den weltweit führenden Messen präsentieren. Sie haben auch hier in Dubai auf absolute Qualität gesetzt, in ihren Schauen und in ihrer Erwartungshaltung an die Locals, die reichen Kunden aus den Golfstaaten und die schnell angereisten, auch nicht ganz armen Asiaten.

Damien Hirst, dessen Verkäufe gerade auf der Arco in Madrid von sich reden machten, wurde gleich bei drei Galerien geboten: Bei Pékin Fine Art aus Beijing stand seine Autoskulptur „Spot Mini“ aus dem Jahr 2000, dessen Karosserie die bunten psychedelischen Pünktchen zieren (siebenstelliger US-Dollar-Bereich).

Bei White Cube aus London gab es die Hirst-Installation „Heiliger Bartholomäus“ aus Fischen in Formaldehyd (395.000 Pfund), außerdem „Midas“ mit Schmetterlingen auf Gold (625.000 Pfund) und das Medizinschränkchen für eingebildete Kranke „The Fear“ (850.000 Pfund). Aus Paris war Baudoin Lebon mit zeitgenössischen Positionen, historischer Fotografie (Gustave Le Gray, „Pyramiden“, Triptychon, 95.000 Euro) und museumsreifer Kunst der Art Brut angereist, darunter ein Öl von Jean Dubuffet aus bester Zeit (1,5 Mio. Euro). Auf Klassiker und den Secondary Market setzte auch die marktstarke Mailänder Galerie Tega. Hier gab es eine Landschaft von Claude Monet (2,0 Mio. Dollar), ein Stillleben von Picasso aus dem Jahr 1944 (6,6 Mio. Dollar), etwas mehrfach Aufgeschlitztes von Lucio Fontana in Rot (1964, 2,235 Mio. Dollar) und viele andere Blue-chips.

Kandinsky aus der Tunis-Zeit

Die Galerie Thomas (München) hatte zum Teil nach Themen ausgesucht. Es hing ein Kandinsky in Gouache von 1905 aus seiner Tuniszeit (215.000 Dollar), außerdem eine „Dattelpalme“ in Öl von Gabriele Münter von 1930 (195.000 Dollar), ferner ein die Wand füllendes, quasi auf gehobene räumliche Wohnverhältnisse in den Emiraten zugeschnittenes, 3,10x6,35 Meter messendes Gemälde von Sam Francis (1980, Preis auf Anfrage). Dazu wurden Wesselmann-Arbeiten geboten, natürlich keine „Nudes“.

Als weiteres Glanzstück zeigte Thomas die „Durchflutung“ von Rita Grosse-Ruyken, eine, banal ausgedrückt, Goldschale, deren Wandung so hauchdünn gearbeitet ist, dass ihre Fertigung an ein Wunder grenzt. Bei kleinsten Bewegungen in der Umgebung oder Luftzügen fängt sie an, sich sanft zu bewegen und verwandelt sich in eine kinetische Skulptur (Preis auf Anfrage, sehr vielstellig). Andere deutsche Aussteller setzten stark auf Zeitgenössisches, wie Tanit aus München oder Sfeir-Semler aus Hamburg.

Gut positioniert hat sich Österreich mit den Wiener Galerien Krinzinger und Mauro Mauroner Contemporary Art. Einer von Krinzingers Tops ist „Guggenheim melting“, eine aus den Fugen geratene weiße Architekturskulptur nach dem Guggenheim-Museum in New York von Erwin Wurm (45.000 Euro). Mauro Mauroner Contemporary aus Wien zeigt international konvertierbare Positionen wie Antoni Tàpies, Alexander Calder (Mobile, 325.000 Euro), Tony Cragg (98.000 Euro). Und Jan Fabres aufsteigende, lebensgroße männliche Figur „Ascendent“ aus Polyester, Mittelpunkt des Standes und auf den ersten Blick schön golden. Auf den zweiten Blick jedoch entpuppt sie sich als eher stachelige Angelegenheit, denn sie besteht aus Reißzwecken, Spitze nach außen – anfassen nicht ratsam.

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