Romanze

Der Teenie-Film "Powder Girl" ist doof, aber süß

Was geschieht, wenn sich Aschenputtel als Haushaltshilfe im Ski-Paradies verdingt? Richtig: Es bekommt den Märchenprinz.

Ausgerechnet in diesen Tagen, in denen endlich linde Lüfte wehen, kommt „Powder Girl“ ins Kino. Die romantische Snowboardkomödie zelebriert noch einmal ausgiebig die weiße Pracht von Eis & Schnee – gesehen freilich aus der Perspektive der Skaterin Kim. Diese verschlägt es aus London auf den Kontinent und in ein luxuriöses Wintersportparadies in den Alpen. Aus dem vielen Schnee müsste sich doch was machen lassen, denkt sich Kim und dachten sich wohl auch die Filmemacher.

Regisseur Philip Trail kann mit seiner missglückten Sandra-Bullock-Komödie „Verrückt nach Steve“ nicht besonders beeindruckende Referenzen vorweisen. Doch sein Aschenputtelmärchen, gedreht in St. Anton in Arlberg, geht ’runter wie Erdbeereis. Trotz leerer Kalorien hinterlässt die formelhafte Sportromanze dank guter Zutaten einen angenehmen Geschmack. Hauptverantwortliche dafür ist der britische Nachwuchsstar Felicity Jones, die mit ungezwungenem Charme für sich einnimmt. Jones wurde als biestiges Gör in einer TV-Serie bekannt, was ihrer Rolle als schlagfertige Kim zugute kommt.

Wetten über den Ausgang werden nicht angenommen

Kim war ein Skateboard-Profi, dümpelt aber seit dem Unfalltod ihrer Mutter in einer Frikadellen-Braterei vor sich hin. Dann bewirbt sich die 19-Jährige, die auch ihren arbeitslosen Vater unterstützen muss, als weiblicher Butler. Trotz starker Konkurrenz höherer Töchter wird sie für vier Monate als Mädchen für alles im noblen Alpen-Chalet einer superreichen britischen Familie engagiert. Dort erwärmt sich das Girlie alsbald für den Sohn des Hauses, der mit seiner Sippe ab und zu im Privatflugzeug einschwebt. Nebenbei bildet sich die Skaterin mit Hilfe neuer Sportsfreunde zum Snowboard-Ass weiter und will an einem lukrativen Freestyle-Wettbewerb teilnehmen.

Wetten über den Ausgang dieser Schneeromanze würde wohl niemand eingehen. Doch der Culture Clash zwischen dem kessen Underdog und den Snobs ist recht kurzweilig. Dabei verzichtet die Inszenierung auf die üblichen knalligen Gegensätze, indem die Hochnäsigkeit von Kims amouröser Konkurrenz nie überbetont wird. Stattdessen gibt es Streiflichter auf das Dienstpersonal, bei dem manches Brettl-Haserl im Après-Ski-Trubel von der zickigen Goldgräberin zur Freundin mutiert. Bald werden im sturmfreien Chalet Partys gefeiert, wobei nur ein tumber Lokalmacho – der einzige Einheimische in dieser deutsch-österreichisch-britischen Produktion – unangenehm auffällt.

Während TV-Star Ed Westwick („Gossip Girl“) ein fader, aber zielgruppengerechter Märchenprinz ist, verströmt der unverwüstliche Bill Nighy („Fluch der Karibik“) als sein Vater ultratrockenen Humor. Brooke Shields als etwas unterbelichtete Gattin und Kims eigener zauseliger Erzeuger sind ebenfalls Hingucker. Wenn der Kitsch überhand zu nehmen droht, wird die Handlung auf die Piste verlegt – und verwandelt sich in einen durchgestylten Touristik-Werbefilm. Mit tollkühnen Sprüngen fordert Stehauffrau Kim die Schwerkraft heraus und gibt vor grandioser Alpenkulisse Anschauungsunterricht im Schneesurfen: vielleicht werden Winterfreuden doch unterschätzt.