450.000 Euro Gage

Der Monica-Lierhaus-Profit bei der Fernsehlotterie

An der Gage für Monica Lierhaus als Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie scheiden sich die Geister. Aufgrund ihres Handicaps könnten beide Seiten profitieren.

Foto: pa/dpa, Getty Images / pa/dpa, Getty Images/Patrick Seeger, Franziska Krug

Es ist ein Job, der auf den ersten Blick keine besondere Anforderungen an Bewerber stellt - nur hohe Sympathiewerte und ein bekanntes Gesicht. Es gilt, die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ zu vermarkten. Der Aufwand? Überschaubar. Einige Auftritte in Werbespots, immer sonntags um 18.49 Uhr die Namen der Wochengewinner in der ARD verlesen - das war‘s.

Der Lohn? Hoch genug, um die Bundeskanzlerin - jährliches Gehalt: 283.000 Euro - vor Neid erblassen zu lassen. 450.000 Euro zahlt die ARD-Lotterie der früheren „Miss Tagesschau“ Monica Lierhaus dafür, dass sie ihr Gesicht als Botschafterin für die Aktion zugunsten hilfsbedürftiger Menschen in die Kamera hält.

Viel zu viel, monieren Kritiker - darunter auch solche, die es grundsätzlich begrüßen, dass die ARD die seit einer Hirnoperation gehandicappte Sportjournalistin auf ihrem Weg zurück in die Normalität unterstützt.

Eine halbe Million Euro für ein Amt, das normalerweise ehrenamtlich ausgeübt wird? Das klingt nach Vetternwirtschaft in der ARD. Und dementsprechend kontrovers wird im Internet über die Höhe der Gage diskutiert. Der gemeine Lotterie-Teilnehmer hat dazu eine klare Meinung. „Ein Honorar in dieser Größenordnung ist unanständig und eine Beleidigung aller schwer arbeitenden Menschen, ein legaler Betrug am kleinen Mann“, schreibt etwa ein Leser einer thüringischen Tageszeitung.

Er spricht all denen aus dem Herzen, die sich verschaukelt fühlen. Vom Fernsehen, dem sie vorwerfen, es werfe ihre Gebühren zum Fenster heraus. Und von der Lotterie, der sie unterstellen, statt den wirklich Hilfsbedürftigen verschaffe sie lieber einer Frau einen Platz an der Sonne, die bis zu ihrer schweren Erkrankung zu den bestbezahlten Journalisten in Deutschland gehörte.

Eine reine Neiddebatte? So jedenfalls sieht es Christian Kipper, der Geschäftsführer der ARD-Fernsehlotterie. Die neue Botschafterin werde keineswegs aus GEZ-Gebühren bezahlt, sondern aus dem Werbeetat, heißt es am Sitz des Unternehmens in Hamburg.

Es ist eine gemeinnützige GmbH, die sich aus den Einnahmen von Losverkäufen finanziert. 2010 waren das immerhin 170 Millionen Euro. 45 Prozent davon gehen für soziale Projekte an das deutsche Hilfswerk. 30 Prozent werden als Gewinne ausgeschüttet. Siebzehn Prozent fließen an den Fiskus. Sieben Prozent ihrer Erlöse gibt die ARD-Fernsehlotterie für Verwaltung, Marketing und Werbung aus.

2010 waren das rund zwölf Millionen Euro - ein Betrag, der noch unter den Werbeausgaben der „Aktion Mensch“ liegt, dem ZDF-Pendant zur ARD-Lotterie. Dort hält man die Gage für Lierhaus für „branchenüblich“. Es heißt, die Bezahlung hänge schließlich in erster Linie vom Marktwert des Botschafters ab.

Der jedoch dürfte im Fall Lierhaus gesunken sein. Bis zu ihrer Erkrankung führte die rothaarige Powerfrau die Liste der beliebtesten Fernsehmoderatorinnen an. Wäre sie 2009 nicht erkrankt, so wurde kolportiert, hätte ihr die ARD ein Jahreseinkommen von 850.000 Euro gezahlt.

Ein Comeback als Moderatorin der Sportschau schließt die 40-Jährige vorerst selber aus. Wie ihr bewegender Auftritt bei der Verleihung der Goldenen Kamera gezeigt hat, hat sie sich sprachlich und motorisch immer noch nicht vollständig erholt

Keiner würde das offen aussprechen, aber in ihrem neuen Job als Botschafterin der ARD-Lotterie kann sie mit ihren Einschränkungen sogar punkten. Werbung für eine Soziallotterie werde schließlich erst durch eine Figur wahrgenommen, die populär und authentisch sei, sagt Christian Kipper.

Man kann das makaber finden, aber die Gesetze der Promi-PR, sie gelten auch für Menschen mit Handicap. Zumindest aus Sicht von PR-Strategen ist Monica Lierhaus ihr Geld also auch in ihrer neuen Rolle wert.