Pop

Justin Bieber mit Mutter bei Berlin-Konzert

Für manche Mädchen in Berlin war es jetzt schon der wichtigste Tag ihres Lebens. Sie waren dabei, als der kanadische Super-Teenie Justin Bieber am Samstagabend in der O2 World aufgetreten ist. Viele waren schon vor Beginn der Show in Atemnot. Die Zugabe überließ er seiner Mutter.

Nein, er ist es nicht. Am Zaun hinter der O2 World ist Justin Bieber schon wieder nicht aus seinem Tourbus ausgestiegen. Hundert Mädchen singen erstaunlich stimmig den Justin-Bieber-Song Never Say Never. Dann wieder lautes Kreischen. Und zwar richtig. Der Zaun wackelt. Aber nein, er ist es wieder nicht gewesen. „Bloß so'n Kabelträger“, sagt die 13-jährige Carmen, quetscht sich vor und hält ein rosa Poster hoch ans Gitter. Sie lieben Justin. Und sie wollen – natürlich – alle ein Kind von ihm. Es ist 15 Uhr. Das Konzert mit Justin Bieber beginnt in vier Stunden.

Die Mädchen sagen, es sei der wichtigste Tag in ihrem Leben. Sie sind aufgeregt. Einige haben kaum geschlafen. Es geht euphorisch zu. Viele haben sich kurze Klamotten angezogen. Viele Eltern sind dabei, um aufzupassen. Einige freuen sich, fiebern mit, andere versuchen besorgt auszusehen; wieder andere, es sind die Väter, verbrüdern sich untereinander („Ah so, Ihre Töchter also auch“), haben keinen Bock auf Justin Bieber und essen eine Currywurst.

Einhundert Meter Liebesbrief

Es ist ja noch Zeit. Fans haben einen hundert Meter langen Liebesbrief an Justin Bieber gebastelt, der wird jetzt vor dem Haupteingang ausgerollt. „You make me strong“ und „Ich glaube an dich Justin – jedes Jahr, jeden Monat, jede Woche, jede Stunde, jede Sekunde…“ steht auf den arrangierten Collagen. Plötzlich wird der Wind etwas zu stark, und wie es so ist, hält der sorgfältig zusammengeklebte Liebesbrief nicht lang, wird von einer Böe zerrissen. Aus hundert Metern werden viele kleine Meter.

Die Mädchen sind traurig und sammeln die Fetzen wieder ein. Kurze Verzweiflung, dass das ja nun irgendwie alles umsonst gewesen ist. Das Ganze ist aber schnell vergessen, als Justin Biebers Gitarrist Dan Kanter mit zwei Begleitern über den Vorplatz zum Haupteingang läuft. Sofort umringt, bekreischt und fotografiert rettet er die Laune der Mädchen. Jetzt werden die Aufnahmen bestaunt, der Liebesbrief liegt abseitig platziert. Kurzzeitig hat sich die Aufmerksamkeit auf einen Anderen verschoben. Das geht ganz schnell.

Es sind noch immer drei Stunden bis zum Einlass. Justin Bieber ist mittlerweile in der Halle verschwunden. Er ist aus dem Bus raus, hat kurz entgegenkommend nach beiden Seiten hin gewinkt, ein paar haben ihn gesehen, aber hinkommen konnte keiner, klar.

Größter Kreischfaktor

Nancy und Natascha, beide 16 Jahre, stehen am Seiteneingang, Presse, VIPs. Die beiden sind augenblicklich etwas stiller als die Mädchen an den Zäunen, aber dafür vielleicht noch eine Spur aufgeregter: „Noch ein Level drüber“, sagen die beiden. Nancy und Natascha haben im Radio ein Backstage-Treffen mit Justin Bieber gewonnen. „Es ist so toll, wir können es kaum fassen. Aber wir sind auch so unfassbar nervös, man sieht es ja, wie wir zittern am ganzen Körper.“ „Er sieht so gut aus“, sagt Nancy. „Wir lieben ihn“, sagt Natascha.

Auf dem Vorplatz ist es wieder etwas ruhiger geworden. Kreischpause. Durchatmen. Man sitzt in der Sonne auf den Steinen. Natürlich sind alle ungeduldig, aber auch hier gibt es Höhen und Tiefen. Die gebastelten Plakate sind mittlerweile alle tausendmal in die Höhe gehalten worden und dürfen nun eine Weile unten bleiben. Jetzt schauen die Fans auch mal nach rechts und nach links. Man taxiert die Nachbarn. Viele Grüppchen, die sich nach und nach bilden, haben sich gerade erst kennen gelernt. Dann wird sich ein bisschen ausgetauscht, das Thema bleibt aber logischerweise Justin Bieber. Es wird nachgeschminkt, die Haare werden neu gemacht, auf die Gesichter muss in jedem Fall ein dickes, buntes JB aufgemalt werden. Zwischendrin huschen immer mal ein paar Mädchen rüber zu den Zäunen hinter der Halle, um zu schauen, ob er möglicherweise doch noch einmal kurz nach draußen kommt.

Dann beginnt die Show

Man muss das Kreischen aus der O2 World bis nach Mitte gehört haben, als Justin Bieber am Samstagabend pünktlich um 19.15 die Bühne betrat. Er performte Hits wie „Never Say Never“ oder „Baby“, schwebte in einem herzförmigen Metallgerüst über das Publikum und zeigte gewohnt eindrucksvolle Tanzschritte während auf dem großen Bildschirm hinter ihm immer wieder Fotos aus seinem jungen Leben gezeigt wurde.

Am Schlagzeug und Klavier bewies Bieber sein beeindruckendes musikalisches Talent, das Massen junger und jüngster Fans mit großer Euphorie würdigten. Zur Zugabe holte Justin Bieber seine Mutter auf die Bühne, die Geburtstag hatte, überreichte ihr einen Kuchen und ließ die Halle "Happy Birthday" für sie singen. Wer würde da nicht aus Freude kreischen.