Hollywood-Star

Als sich Meryl Streep in Paul McCartney verliebte

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Rüdiger Sturm

Gerade hat sie den Golden Globe für ihre Rolle in "Julie & Julia" bekommen. Jetzt kommt Oscar-Gewinnerin Meryl Streep mit der Komödie "Wenn Liebe so einfach wäre ..." in die Kinos. Morgenpost Online sprach mit dem Hollywood-Star über großartige Ehemänner und ihre Schwärmereien für die Beatles.

Morgenpost Online: Ihr neuer Film, der am Donnerstag bei uns in die Kinos kommt, heißt "Wenn Liebe so einfach wäre..." Wie kompliziert war Ihr eigenes Beziehungsleben?

Meryl Streep: Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich den großartigsten aller Ehemänner gefunden habe, mit dem ich seit 31 Jahren verheiratet bin. Ich gebe zu, das war und ist ein Ausnahmefall - dessen sind wir uns beide bewusst. Damit so eine Ehe funktioniert, musst du dem anderen zuhören, auf ihn eingehen. So schaffst du eine Balance zwischen deinen und seinen Bedürfnissen. Aber ich fand es nicht kompliziert. Mit gutem Willen schaffst du alles.

Morgenpost Online: Don Gummer ist Bildhauer, sie sind eine weltberühmte Schauspielerin. War der Ausgleich Ihrer beider Interessen wirklich so einfach?

Streep: Ja, gerade weil mein Mann Künstler ist. Er versteht, wie wichtig es für mich ist, ein Ventil für meine Gefühle zu finden und etwas damit zu schaffen. Und umgekehrt. Abgesehen davon arbeiten wir beide in unseren Berufen sehr sporadisch und haben dem anderen viel Aufmerksamkeit schenken können.

Morgenpost Online: Die Welt: Ihre vier Kinder sind jetzt erwachsen. Wie gehen Sie damit um?

Streep: Ich habe mich immer darauf eingestellt. Ich glaube nicht an den großen Moment des Abschiednehmens, das ganze Erwachsenwerden besteht nur aus Trennungen. Ich habe das am ersten Tag gespürt, als sie in die Schule kamen, als mein Sohn seine erste Freundin hatte - sie werden geboren und dann gehen sie weg. Dafür musst du bereit sein. Es ist ein wunderschönes Phänomen, wie sich Menschen weiter entwickeln. Nur manche Mütter haben Schwierigkeiten, sich daran zu gewöhnen. Denn sie definieren ihren Erfolg allein dadurch, wie gut sie ihre Familie großziehen.

Morgenpost Online: Bis zu welchem Grad ist das auch Ihre Erfolgsdefinition?

Streep: Natürlich ist das für mich ungeheuer wichtig, wahrscheinlich wichtiger als alles andere. Aber ich gehöre zu einer Generation von Frauen, die sich auch mit anderen Leistungen beweisen wollte. Ich hätte mir nie vorstellen können, nur Hausfrau und Mutter zu sein. Ich muss mich ausdrücken können - meine ganzen angestauten Frustrationen und Leidenschaften. Meine Mutter dagegen verbrachte ihr Leben noch als Hausfrau. Aber ich fragte sie einmal: ,Was hättest du getan, wenn du uns nicht hättest großziehen müssen?' Und sie meinte: ,Dann wäre ich eine Sängerin in einem Club geworden.' Sie sehen, die Showbusiness-Ambitionen sind tief in meiner Familie verankert.

Morgenpost Online: Hatte Ihre Mutter denn Verständnis für Ihre Ambitionen?

Streep: Oh ja, sie ließ mir viele Freiheiten. Als ich 15 war, durfte ich sogar mit meinem damaligen Freund nach New York fahren, wo die Beatles ihr erstes amerikanisches Konzert gaben. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sie mit einem Hubschrauber mitten im Baseballstadium landeten - kein Mensch hatte je zuvor so etwas getan. Ich hatte ein Plakat mitgebracht, auf dem stand "Ich liebe dich, Paul". Ich glaube auch, er hat es gesehen, denn als er einen Grammy für sein Lebenswerk erhielt, wollte er, dass ich ihm den Preis überreiche. Dabei hatte ich ihn nie kennengelernt.

Morgenpost Online: Aber der Besuch eines Konzerts ist nicht so lebensentscheidend wie eine Karriere als Schauspielerin.

Streep: Natürlich nicht. Ich hatte das nur als Beispiel dafür genannt, welches Verständnis ich von meinem Elternhaus bekam. Ich hatte auch ihre volle Unterstützung, als ich nach dem College mit einer kleinen Schauspielertruppe herumzog - ein wenig wie Hippies. Nach meiner Wanderzeit ging ich auf die Theaterschule an der Yale University, weil ich die Schauspielerei noch ernsthafter betreiben wollte. Und ich konnte das nur tun, weil ich ein Stipendium bekam - denn ich hatte absolut kein Geld.

Morgenpost Online: Wann wussten Sie, dass Sie diesen Weg einschlagen wollten?

Streep: Ich hatte immer das Bedürfnis, mich in andere Leute hineinzuversetzen. Ich verspüre eine wahnsinnige Neugier auf meine Mitmenschen, will wissen, wie sie denken und fühlen. Schon als Kind schminkte und kostümierte ich mich, weil ich wie meine Großmutter sein wollte. Jetzt verstehe ich, dass das Ganze wie Psychotherapie ist. Denn ich lebe in meinen Rollen ein ungeheures Spektrum an Emotionen aus. Wenn eine meiner Figuren auf eine bestimmte Weise empfindet, dann imitiere ich nichts, sondern ich fühle genauso wie sie.

Morgenpost Online: Aber manche Ihrer Figuren erleben tiefe emotionale Abgründe. Ist so etwas nicht aufreibend?

Streep: Nein, ich fühle mich dadurch nur lebendiger. Selbst in so erschütternden Rollen wie der Mutter Courage, die ich zuletzt in New York gespielt habe. Ich spüre darin Freiheit und Glück, es ist so, als würde ich mich verlieben.

Morgenpost Online: Hatten Sie je überlegt, dieser Branche den Rücken zuzukehren?

Streep: Natürlich. Bevor ich 40 war, sagte ich zu meinem Mann: "Wir sollten uns langsam aussuchen, wie wir unseren Ruhestand gestalten."

Morgenpost Online: Warum machen Sie dann weiter?

Streep: Weil es eben Menschen gibt, die Geschichten schreiben, die mich im Innersten bewegen. Ich werde neugierig auf diese Erfahrung, sage spontan zu. Und ich bekomme Angst, zu scheitern. Das ist mein größter Motivationsfaktor. Sie sind zu Unglaublichem imstande, wenn Sie sich fürchten.