Kulturerbe

Wer rettet den feuchten Bücherschatz von Barth?

Die Bibliotheca Bardensis ist eine der bedeutendsten Büchersammlungen Nordostdeutschlands. Ein Förderverein kämpft um ihre Rettung.

Der Brand in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek 2004, die unmittelbar anschließenden Bemühungen um ihren Wiederaufbau und die Konservierung der bedrohten Buchbestände, die endliche Wiedereröffnung im Jahre 2007, sie sind allseits noch in guter Erinnerung. Nun ist Weimar ein Name, der Gebildete nicht bloß in Deutschland elektrisiert. Was hingegen assoziieren die meisten mit dem Namen Barth? Die kleine vorpommersche Hafenstadt an der Ostsee wird, wenn überhaupt, als Schauplatz eines allsommerlich stattfindenden Mittelalter-Spektakels namens Vineta-Festspiele wahrgenommen.

Ältestes Gotteshaus von Barth ist die backsteingotische Kirche von St. Marien. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts verfügt sie über eine Bibliothek, die, nach Erfindung der Buchdruckerkunst, vornehmlich Inkunabeln sammelte. Die meisten Bestände sind geistlichen Inhalts. Einer der maßgeblichen Reformatoren Norddeutschlands, Johannes Block, vermachte seinen aus Handschriften und Frühdrucken bestehenden Besitz der Bibliotheca Bardensis.

Lehrpersonal aus der Stadt gehörte zu den regelmäßigen Benutzern. Für einige Zeit bestand eine eigene Druckerei. Geschenke von Aristokraten erweiterten die Sammlung, eine gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Barth bestehende Lesegesellschaft arbeitete ihr zu. Um 1900 umfasste der Bestand etwa viertausend Bände. Im 20. Jahrhundert erfolgten Erweiterungen durch aufgelassene Buchsbestände aus der Nachbarschaft.

Die Bibliotheca Bardensis hatte den letzten Krieg ohne nennenswerte Schäden überstanden, doch die pflegerischen Zuwendungen seither waren mehr als bescheiden. Die Bücher sind schlecht untergebracht. Die Räume sind feucht, die Folgen für die Bestände verheerend. Dabei finden sich hier ausgesprochene Pretiosen: mittelalterliche Handschriften, ein Corpus aus frühen Luther-Publikationen, Schriften von Philipp Melanchthon, frühe Drucke von Mathhäus Merian.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist arm. Kulturpolitischen Zuwendungen erfolgen, wenn sie denn erfolgen, an andere, scheinbar prominentere Adressen. Die Bibliotheca Bardensis bleibt auf private Unterstützung angewiesen, 2010 hat sich deswegen ein Förderverein gebildet, die Vorstandsmitglieder kommen übrigens sämtlich aus dem Altbundesgebiet. Ihr Ziel ist es, den schönen alten Bibliotheksraum zu sanieren, die Bücher sachgemäß zu trocknen und zu reinigen, um schließlich die Anlage einem breiteren Publikum zu öffnen. Dass dies alles zügig geschehen kann, setzt eine allgemeine Beachtung und ein allgemeines Interesse voraus, was dann vielleicht auch öffentliche Hilfen mobilisiert. Die Rettung der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar sollte kein Solitär bleiben.