Neue Talkshow

Bei "Eins gegen Eins" kreist der Hammer

Nach langer Abstinenz hat Sat.1 mit "Eins gegen Eins" wieder ein Eisen im Polit-Talk-Feuer. Anstelle einer gemütlichen Plauderrunde ging es richtig zur Sache.

Über ein Jahrzehnt ist es her, dass Sat.1 mit „Talk im Turm“ einen relevanten Beitrag zur politischen Diskussion in Deutschland geliefert hat. Seit dem späten Montagabend ist der Münchener Privatsender wieder im Rennen. Unter der Leitung von Claus Strunz, Chefredakteur beim „Hamburger Abendblatt“, werden sich künftig Vertreter gegensätzlicher Meinungen „Eins gegen Eins“ duellieren.

Dabei sind die Rahmenbedingungen dieses Sendeformats klar abgesteckt: Die Gesprächsteilnehmer bekommen Redezeiten zugewiesen, in denen sie sich an einer Ausgangsfrage abarbeiten dürfen. Zuschauerabstimmungen zu Beginn und Ende der Sendung sollen zeigen, wie überzeugend die jeweilige Argumentation gewesen ist.

Betrachtet man allein die Zahlen dieser Abstimmungen, hat der Premierenschlagabtausch zwischen "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nichts bewegt. Nach Ablauf der dreiviertelstündigen Sendezeit hatte sich die Meinung der Zuschauer keinen Deut verändert.

Das mag allerdings auch an der These gelegen haben, die das Gerüst für die Diskussion bildete: „Atom, Libyen – einmal Hü, einmal Hott: Macht Wählen noch Sinn?“ Für die Zukunft wäre es wünschenswert, die Kernfrage weniger vage und allumfassend zu formulieren. Wer von seinen Gästen verlangt, auf den Punkt zu kommen, sollte tunlichst mit gutem Beispiel vorangehen.

Am Ende „Zwei gegen Zwei“

Ähnlich unklar blieb der Grund, warum Westerwelle und Steingart im Lauf der Sendung Sekundanten an die Seite gestellt wurden. Zum einen hielten sich die Beiträge der baden-württembergischen Umweltministerin Tanja Gönner und des Parteienforschers Gero Neugebauer im überschaubaren Rahmen.

Zum anderen wurde so der Name der Show unnötig ad absurdum geführt. Aus „Eins gegen Eins“ war am Ende „Zwei gegen Zwei“ geworden. Doch das Format befindet sich noch in der Experimentierphase. Die Macher werden derlei Ungereimtheiten bei der Vorbereitung weiterer Folgen hoffentlich ausräumen.

Abgesehen von diesen „Kinderkrankheiten“ hatte die Premiere von „Eins gegen Eins“ auch durchaus Positives zu bieten – einen erfrischend zurückhaltenden Moderator, beispielsweise. Im Gegensatz zu so manch öffentlich-rechtlichem Polit-Talk-Kollegen überließ es Claus Strunz seinen Gästen, für den unterhaltsamen Teil der Veranstaltung zu sorgen.

In Sachen Unterhaltungswert hatte es der Talkmaster mit Gabor Steingart und Guido Westerwelle gut angetroffen. Beide Diskutanten hatten offensichtlich begriffen, worauf es bei einem solchen Rededuell ankommt: Schlagfertigkeit war Trumpf. „Ein BMW war bestellt und ein Fahrrad wurde geliefert.“ „Das müsste Ihnen als Mitbegründer der Grünen doch sehr gut gefallen.“ Selten ist das Thema „leere Wahlversprechen“ kürzer und knackiger abgehandelt worden.

Kurzweilig, phasenweise sogar amüsant ging es zu. Inhalte blieben bei diesem Schlagabtausch zwar weitestgehend auf der Strecke, aber diese dürften im Vorfeld ohnehin nur die wenigsten Zuschauer erwartet haben. Es wäre wohl auch vermessen, ausgerechnet von einem Privatsender zu verlangen, die deutsche Polit-Fernsehlandschaft auf ein lange nicht gesehenes Niveau zu heben.

Konfrontativer, direkter, temporeicher

Immerhin hielt Sat.1, was man im Vorfeld versprochen hatte. Konfrontativer, direkter, temporeicher wollte man sein als die „gemütlichen Plauderrunden“, die derzeit nahezu allabendlich in Deutschlands Wohnzimmer flimmern. An dieser Ankündigung gemessen blieben am Ende der ersten Sendung keine Wünsche offen. Bei der Konkurrenz wird behutsam gefeilt. Bei „Eins gegen Eins“ kreist der Hammer.

Inwieweit dies auch in Zukunft so sein wird, steht und fällt mit der Auswahl der Gäste. Ein Sendekonzept, das derart klar auf die Eloquenz der Kontrahenten setzt, braucht beim Versenden der Einladungen mehr als ein glückliches Händchen. Zudem dürfte es interessant sein, eine eventuelle Veränderung der Ausstrahlungszeit zu beobachten.

Vorerst ist der relativ unattraktive Sendeplatz montags um 23.30 Uhr gebucht – fernab jeglicher ernstzunehmenden Konkurrenz. Nach der langen Abstinenzzeit möchte man die eigene Zielgruppe wohl behutsam zurück an den Genuss aktueller, politischer Themen führen.

Über kurz oder lang werden die Verantwortlichen aber kaum um einen früheren Sendetermin herumkommen. Als Talkshow für Nachtschwärmer wird „Eins gegen Eins“ langfristig mangels Zuspruch versanden. Dabei wäre das Format nach dem Abschluss der Experimentierphase durchaus tragfähig.