Fukushima

Nina Hagen kennt die Fabrik für Erdbeben in Alaska

Kaum bebt in Japan die Erde, sprießen Verschwörungstheorien ins Kraut. Prompt steigt hierzulande der Absatz von Geigerzählern.

Keiner weiß, was in Fukushima wirklich geschieht, doch Nina Hagen weiß mehr. Auf ihrer Facebook-Seite postet sie seit Tagen, was ihr alles zum Erdbeben in Japan einfällt. Es sind Bibelsprüche, Roy-Black-Lieder und jede Menge YouTube-Aufklärungsvideos, die von der Verwicklung der USA in die derzeitige Apokalypse künden. Deren HAARP-Projekt, eine Forschungsstation in Alaska, die die Ionosphäre erkundet, sei in Wahrheit ein perfides militärisches Unternehmen unter anderem zur Herstellung „künstlicher Erdbeben“.

So etwas Ähnliches hatte schon im Februar 2010 in einem Interview mit einer österreichischen Tageszeitung Claudia von Werlhof erklärt, eine Politologin, Ökofeministin und Patriarchatskritikerin an der Universität Innsbruck. Ihre Hypothese lautete, das Erdbeben in Haiti sei von HAARP möglicherweise „maschinell erzeugt worden, um die militärische Besetzung des Landes durch US-Truppen zu ermöglichen“ und als Nebeneffekt „unbotmäßige Regierungen wie etwa jene von Hugo Chavez“ unter Druck zu setzen. Ähnlich verstrahlt erklären die von Nina Hagen empfohlenen HAARP-Videos jetzt auch das neue Beben: Die Amerikaner hätten die Japaner bestrafen wollen, die sich zunehmend aus ihrer Bevormundung lösen und etwa in Afghanistan nicht mehr wirklich mitmachen wollten.

Tatsächlich ist der HAARP-Wahn nur eine besonders hübsche Variante all der Apokalypsetheorien, die gerade den Zeitgenossen durchs Denken ziehen. Ihr Normalfall kann in jeder Talkshow besichtigt werden, bei all den Zivilisations-, Kultur- und Technikkritikern, denen jetzt vollautomatisch einfällt, dass die Natur den Menschen für seine Hybris, die Natur beherrschen zu können, bestraft, indem sie ihm Erdbeben und Tsunamis schickt.

Ganz offensichtlich kann sich ein bestimmter Teil des menschlichen Gehirns einfach nicht vorstellen, dass der Natur die Menschen völlig egal sind und dass sie keinerlei Absichten damit verbindet, wenn sich tektonische Formationen gegeneinander verschieben und dabei Flutwellen ausgelöst werden. Der Esoteriker im Menschen besteht darauf, höchstpersönlich gemeint zu sein, sowohl als Gattungswesen wie auch in seinem ganz konkreten Alltag.

So lässt es sich auch erklären, dass die Deutschen sich sofort nach der ersten Explosion in Fukushima beim Elektronikversandhandel mit Geigerzählern eindeckten, ein paar tausend Kilometer vom Unglücksort entfernt. Wenn die Natur durchdrehen kann, warum nicht auch wir?

Dabei ist doch völlig klar, wer das Erdbeben nach Japan geschickt hat. Es war Muammar al-Gaddafi. In ein paar Tagen wird der Aufstand in Libyen endgültig niedergeschlagen sein, unbehindert von westlichen Politikern, die zu viel damit zu tun haben, ihre Energiepolitik einer neuen Risikoabschätzung zu unterziehen, als dass sie sich um Flugverbotszonen und niederkartätschte Libyer kümmern könnten. Ist ja kein Weltuntergang.