Black Metal, Lektion II

Burzum – Musik wie aus dem "Herrn der Ringe"

Burzum bedeutet Dunkelheit auf Elbisch. Dunkel scheint es im Kopf von Varg Vikernes auch zu sein – immerhin fackelte er Kirchen ab und beging einen Mord.

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Böse Menschen haben keine Lieder, stellte Johann Gottfried Seume fest. Der deutsche Dichter hatte Skandinavien bereist, aber das ist 200 Jahre her. Er kannte Varg Vikernes nicht und dessen widersprüchlich wirkende Inkarnationen. Es gibt einen Varg Vikernes, der sich Burzum nennt und musikalisch visionäre Platten aufnimmt.

Und es gibt den anderen Varg Vikernes mit dem Kampfnamen Count Grishnackh, einen militanten Neoheiden, der die Weltherrschaft der Wikinger zurückerobern möchte. Als er in den frühen Neunzigerjahren eine Reihe pittoresker Holzkirchen in Norwegen in Brand setzte, erklärte er: Die Flammen seien keineswegs nur Subkultur-Folklore, um seinen Black Metal zu beglaubigen. Keine okkulten Orgien.

Vikernes tötete seinen Kollegen

Er, Vikernes, stelle sich dem Christentum entgegen. 1993 brachte er dann allerdings den Musikerkollegen Øystein Årseth mit dem Taschenmesser um. 2009 wurde Vikernes aus der Haft entlassen. Seither lebt er mit seiner Familie in den norwegischen Wäldern.

Ohne seiner wirren Weltanschauung abzuschwören, will er nur noch wenig wissen von den Neonazis und Rassisten, die ihm schwärmerische E-Mails senden. Dafür musiziert er wieder mehr. Im letzten Jahr erschien das Album „Belus“.

Nun veröffentlicht er „Fallen“, das monströse Meisterwerk von Burzum, seiner Einmannband. Burzum bedeutet Dunkelheit auf Elbisch, in der Sprache aus dem „Herrn der Ringe“, und so hört sich die Musik auch an. Eine Art schwarzes Rauschen, wo Gitarren und Geschrei sich zu beunruhigenden Klangbildern verdichten.

Burzums Stücke haben alle Zeit der Welt. Man hört ihn Schlagwerk spielen wie in einem indonesischen Orchester oder poltern wie ein Schrottsammler. Black Metal ist das nicht mehr. Niemand muss heute ein guter Mensch sein, um manierliche Musik zu machen. Vier von fünf Sternen.