75. Geburtstag

Badenixe Ursula Andress – Das ewige Bond-Girl

Als Bond-Girl Honey Rider wurde sie weltberühmt. Die Männer lagen ihr zu Füßen. Jetzt ist Ursula Andress 75 Jahre alt.

Als Ursula Andress die Rolle im allerersten James-Bond-Abenteuer "Dr. No" (1962) bekam, konnte sie unmöglich ahnen, dass der Film ihr Leben verändern würde. "Ich hatte keine Ahnung, ich war schüchtern, ich hatte kein Selbstvertrauen", beschrieb die Schweizer Schauspielerin einmal ihren Karriere-Start.

Doch der Szene, in der sie dem Meer entsteigt, die Haare nass und blond, die Lippen leicht geöffnet, merkt man das bis heute nicht an. Bekleidet nur mit einem für damalige Verhältnisse atemberaubenden Bikini mit Gürtel und Jagdmesser auf der Hüfte, wurde Andress auf einen Schlag weltberühmt.

Eine Szene taucht immer wieder auf

Ehrt sie der Titel "Bond-Girl" immer noch? "Girl, das war damals – heute bin ich eine weise Frau geworden, das hoffe ich wenigstens", sagt Andress heute. "Ich staune oft selber, wie allgegenwärtig diese Filmrolle von damals heute noch ist. Das liegt ja jetzt fast 50 Jahre zurück und doch taucht sie (die Szene, Anm. d. Red.) immer wieder auf, in Filmen und sogar in der Werbung."

Der Weg zur Schauspielerei und zum Sex-Symbol war jedoch lang und nicht immer einfach. 1936 in Ostermundigen bei Bern als Tochter eines Deutschen und einer Schweizerin geboren, wächst Andress im Gärtnereibetrieb ihres Großvaters auf. "Meine Kindheit war unglaublich einzigartig, fast wie im 17. Jahrhundert", erzählte die Schauspielerin einmal in einem Interview über die harte Arbeit unter der strengen Aufsicht des Großvaters.

Doch das habe ihr die Stärke gegeben, um alle Hindernisse in ihrem Leben zu bewältigen. Und das hilft ihr wohl heute noch. "Ich habe großes Glück, mir geht es gesundheitlich ausgezeichnet. Ich bewege mich viel und gehe vielen Interessen und Aktivitäten nach. Und ich habe einen großen Garten, der mich auf Trab hält", sagt die Schauspielerin.

Mit 16 Jahren geht Andress nach Paris

Mit 16 verlässt Andress die enge Welt im braven Bern, Gärtnerei und Mädchenschule, und geht nach Paris, wo sie Kurse in Tanz, Zeichnen und Bildhauerei belegt. In den 1950er Jahren zieht sie als Fotomodell nach Rom weiter und findet dort Anschluss an den damaligen Jet-Set in der Via Veneto, den Federico Fellini (1920-1993) in seinem Film "Dolce Vita" (1960) unvergessen verewigte. Nebenbei schauspielert sie in ein paar Nebenrollen – wie etwa in Stenos "Casanova – seine Liebe und Abenteuer".

1955 ist es Marlon Brando, der sie in Kontakt mit Leuten von Paramount bringt. Die schicken sie zuerst nach London und dann weiter in die USA. Dort muss die Schöne zwar eine erste Rolle zurückgeben, da ihr Englisch nicht ausreicht, aber sie ist angekommen – in Hollywood.

Großer Auftritt im ersten James-Bond-Film

Im allerersten Bond-Streifen gab ein noch jugendlicher Sean Connery den Geheimagenten, und als "die Andress" aus dem Meer stieg, fing in den Kinosälen das männliche Publikum an zu johlen. Es war 1962, die Anti-Baby-Pille war gerade erst entwickelt, die "sexuelle Revolution" stand noch bevor.

Dass auch die junge Frau ganz offen ihr erotisches Interesse an "007" bekundete, galt noch als Wagnis. Kein Wunder, dass das Poster vom blonden "Vollweib" Ursula Andress alias Muschelsammlerin Honey Rider den Weg an viele Zimmerwände jugendlicher Fans fand. Kein Wunder, dass auch der Bikini der berühmten Szene "Karriere" machte.

Der weiße Badefetzen wurde versteigert

Denn nicht nur James Bond konnte dem Zweiteiler nicht widerstehen: Knapp 40 Jahre nach dem Erscheinen des Films wurde der weiße Badefetzen mit dem breiten Gürtel für 127.000 Mark (etwa 65.000 Euro) versteigert an den New Yorker Unternehmer Robert Earl. Der Mitgründer der Kette "Planet Hollywood", wollte die Trophäe in einem Restaurant am Times Square in New York ausstellen.

In kaum mehr als 30 Streifen und ein paar TV-Produktionen hat sie mitgewirkt, doch der Bond-Film machte sie zur lebenden Leinwandikone. "Sean Connery war der James Bond", sagt sie heute. "Damals, in den 50er und 60er Jahren, war die Welt anders, wir waren alle voller Zuversicht und glaubten an die Zukunft – die Lebensqualität war damals besser als heute", ist sie überzeugt.

Mit 60 bekommt sie noch Angebote vom "Playboy"

In ihrer Schweizer Heimat wird die Schauspielerin bis heute als helvetische Hollywood-Diva "Ursi national" gefeiert. "Ich bin dankbar, dass die Menschen so zu mir stehen, denn eigentlich habe ich ja gar nicht viel geleistet", meinte die Andress einmal.

Tatsächlich machte die Schauspielerin, die auch mit 60 noch Angebote vom "Playboy" bekam, mindestens so sehr Schlagzeilen mit ihren Liebesabenteuern wie mit ihren Filmen. James Dean, Ryan O’Neal, Dean Martin, dessen Sohn Ricci und Jean-Paul Belmondo gehörten zu ihren Lebensgefährten. Eine Ehe mit dem amerikanischen Schauspieler John Derek wurde 1966 nach neun Jahren geschieden.

Heute lebt Andress abwechselnd in Italien, der Schweiz und den USA. "Ich bin eine Weltbürgerin, reise viel, vorwiegend in Europa und Amerika. Doch meine Wurzeln sind in der Schweiz in Ostermundigen, wo ich aufgewachsen bin. Ich besuche jedes Jahr meine Familie und Freunde in Ostermundigen und Bern."

Und dass sie dort zur Ehrenbürgerin ernannt wurde, macht sie besonders stolz. Seit der Geburt ihres Sohnes Dimitri 1980 hat sie kaum noch in Filmen mitgewirkt.