Biografie

Den ganzen Guttenberg gibt's nächste Woche neu

Die Bestseller-Biografie über den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erscheint kommende Woche in einer um die Plagiatsaffäre erweiterten Auflage.

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"Adel verzichtet": So hatten Journalisten den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg Anfang März kommentiert. Gut zwei Wochen danach ist das Interesse an dem ehemaligen Verteidigungsminister unverändert groß, das Gespräch zu seiner Biografie auf der Leipziger Buchmesse ist an diesem Donnerstag sehr gut besucht.

Was der frühere Politik-Star jetzt wohl macht? "Wir wissen es nicht genau", sagt Eckart Lohse, der zusammen mit Markus Wehner die Biografie "Guttenberg" über den CSU-Politiker verfasst hat. Es gebe allerdings das glaubhafte Gerücht, dass Guttenberg erwäge, nach Amerika zu gehen.

"Er muss ja auch nicht unbedingt für die Ernährung der Familie was tun, da ist genug Unterfutter da", sagt Lohse, der das Berliner Büro der "FAZ" leitet. Wehner, ebenfalls Redakteur der Zeitung in Berlin, ergänzt, dass der große Reichtum der Guttenbergs ungewöhnlich sei. "Das findet man selten, auch bei Adelsfamilien."

Guttenberg und eine erfolgreiche Masche

Die beiden Autoren – promovierte Historiker – erläutern ihre Hauptthesen: Guttenbergs heimliche Opposition zur Regierung und dass sein Reden von Demut nur aufgesetzt gewesen sei. Eine heimliche Opposition sei nicht neu, sagt Lohse, das habe auch schon Kanzler Gerhard Schröder (SPD) gemacht – allerdings mit seiner Partei.

"Guttenberg hatte es nicht mit der Partei, sondern mit der Regierung veranstaltet." Er sei Teil der Regierung und des Apparats gewesen und habe sich zugleich davon abgewandt. "Die Masche war sehr erfolgreich", meint Lohse, "er hat es damit geschafft, einen sehr volksnahen Zugang zu bekommen.

Von Demut reden heißt nicht, sie zu leben

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe es jedoch nicht gefallen, ständig zu hören, dass Guttenberg sich absetzt und die Arbeit der Regierung kritisiert. Als Masche bezeichnen die beiden Redakteure auch Guttenbergs wiederholtes Reden von Demut. "Das Wort hat Guttenberg oft im Mund geführt", sagt Wehner, "in seinem Verhalten haben wir jedoch ein großes Selbstbewusstsein und wenig Demut gesehen."

Er verweist auf Guttenbergs adlige Herkunft – "Uradel, nicht Hochadel" –, die generell von Selbstzweifeln frei sei. "Er ist aufgewachsen mit dem Anspruch, etwas Besonderes zu sein.»

Lohse und Wehner erinnern an einen früheren Ausspruch Guttenbergs, der sich nach der Plagiatsaffäre und seinem Rücktritt als Voraussage liest: "Ich habe es immer geschafft, mit relativ wenig Aufwand relativ weit zu kommen."

"Für uns kam die Affäre nicht so überraschend"

Die beiden Autoren hatten ihre Biografie noch vor Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe abgeschlossen. "Für uns kam die Affäre nicht so überraschend", sagt Wehner, "es fügt sich in das Bild, das wir von Guttenberg hatten." Schon in seinem Lebenslauf hätten sie einige "frisierte" Stellen entdeckt: stark aufgewertete Praktika und freie Mitarbeiten. "Dabei hätte er es gar nicht nötig gehabt", kommentiert Wehner.

Was Guttenberg so erfolgreich gemacht habe? Er trete anders auf, er rede anders, er habe eine andere Art zu gehen, sagt Wehner. "Er ist geeignet für etwas, was die meisten Politiker nicht können: Glanz und Glamour zu verbreiten und in der Welt der Stars aufzutreten.

Zu Guttenbergs Freunden zählt unter anderem Schauspieler Tom Cruise, zusammen mit seiner Frau Stephanie war er auch bei "Wetten, dass..?" zu Gast.

Zusätzliches Kapitel in Guttenberg-Biografie

Für Lohse ist klar, dass der Beginn der bundespolitischen Karriere von Guttenberg als Wirtschaftsminister vor gut zwei Jahren ein äußerst günstiger Zeitpunkt gewesen sei. Nach sieben bunten Jahren mit Gerhard Schröder und Joschka Fischer seien vier ruhige Jahre mit Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering gefolgt.

"Irgendwann ist jede Ruhephase mal vorbei", sagt Lohse. "Ob in zwei Jahren wieder so ein Moment ist, wo für Guttenberg alles zusammenpasst, daran habe ich meine Zweifel."

Er und sein Autorenkollege Markus Werner haben auf der Leipziger Buchmesse angekündigt, dass die Bestseller-Biografie über den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kommende Woche in einer um die Plagiatsaffäre erweiterten Auflage erscheint. Es enthalte ein neues Vorwort und ein zusätzliches Kapitel, das die aktuelle Entwicklung bis zum Rücktritt des CSU-Ministers beleuchten.