Pop

Madonna, Prince & Michael, glücklich mit 50?

Prince wird an diesem Samstag 50. Madonna und Michael Jackson feiern ihre 50. im Sommer. Prince kann immer noch wie ein Teenager in höchster sexueller Not Gitarre spielen und keuchen. Michael ist abgetaucht und Madonna übernimmt Verantwortung. Doch alle drei stehen sie für "ewige Jugend".

Foto: Sony

Die Frage, ob der 50. Geburtstag auch für den Betroffenen ein Grund zum Feiern ist, erübrigt sich für Prince von selbst. Als Zeuge Jehovas ist er angehalten, sich nicht unnötig zu überhöhen. Das Geschöpf hat bei Jehovas Zeugen lediglich den Schöpfer zu bejubeln. Der Geburtstag findet also ohne Prince statt. Während alle Welt sich wundert, wie die Zeit vergeht, wird Prince wie jeden Tag im lila Morgenmantel einsam durch den Paisley Park in Minnesota wandeln wie der unsterbliche Kaufmann Buhlemann bei Theodor Storm.

Auch 50. Geburtstage sind nicht mehr, was sie einmal waren. Andererseits ist es erschreckend, wenn das Dreigestirn der Achtziger in die Jahre kommt. Die letzten Megastars, die jedem etwas sagen und bis nach Kirgisien für Gesprächsstoff sorgen.

Prince – seine Musik litt nie

Äußerlich scheint Prince kaum auffallend gealtert. Dass er „Darling Nikki“ oder „Sexy Motherfucker“ nicht mehr öffentlich zum Besten gibt, liegt wiederum allein an Religionsvorschriften. Doch obwohl ein Großteil seines Lebenswerkes dadurch unbrauchbar geworden ist, spielt er noch immer aufreizend Gitarre. Wie ein Teenager in höchster sexueller Not spielt er und keucht dazu.

Auf seinem letzten Album fand sich zwischen „Planet Earth“ und „Lion Of Judah“ auch wieder ein Stück namens „Guitar“. Madonna wird am 16. August ihr Jubiläum feiern, Michael Jackson 13 Tage später. Jeder geht auf seine Weise damit um. Bei Prince haben die Schicksalsschläge, die das Leben mit sich bringt, zu strenger Frömmigkeit geführt. Ein Kind starb, seine Eltern starben, es gab Scheidungen.


Aus Unzufriedenheit mit dem Musikgeschäft hat Prince sich als er älter das Wort Sklave ins Gesicht gemalt und eine irritierende Veröffentlichungspolitik gepflegt. Mal nannte er sich selbst den „Künstler, der einmal als Prince bekannt war“, mal ließ er sich durch ein seltsames Symbol vertreten.


Die Musik hat nie gelitten. Wie auch: Es geht nach wie vor um Handwerk, Sünde und Erlösung, Freiheit und sogar die Wonnen des Geschlechtsverkehrs, wenn auch des ehelichen. Doch auch Klassiker wie „When Doves Cry“ und „Purple Rain“ wirken, wenn Prince sie heute vorträgt, überraschend biblisch. Prince hat sich zurückgezogen in den Paisley Park bei Minneapolis und musiziert dort unbehelligt vor sich hin.

Jackson ist in der Welt unterwegs

Madonna lebt in ihrem Herrenhaus bei London, weit von ihrer Heimat Michigan, pflegt einen englischen Akzent und obsessiv ihren bald 50-jährigen Körper. Sie bekam spät Kinder, allerdings mit Folgen: „Ich habe erkannt, dass ich Verantwortung zu übernehmen habe“, äußerte Madonna bereits mit knapp 40. Seither schreibt sie Kinderbücher, lebt nach esoterisch-kabbalistischen Gesetzen und nimmt fremde Kinder aus Malawi auf.

Wo Michael Jackson sich in diesem denkwürdigen Jahr aufhält, ist nicht bekannt. Seit ihn die Richter vor zwei Jahren von der Anklage des Kindesmissbrauchs freigesprochen hatten, tauchte er schon in Las Vegas, Irland und Bahrein auf. Es gab hässliche Gerüchte über finanzielle Sorgen und die Nation Of Islam. Am 30. Dezember 2006 erschien er an der Bahre von James Brown.


Gelegentlich wird Michael Jackson noch gesichtet. Das für dieses Jahr versprochene Comeback der Jackson 5, wo er als kleiner, schwarzer Junge sang, scheint aber auszufallen. Es sieht aus, als habe Elvis Konkurrenz bekommen. Elvis nahm mit 42 Abschied, und die Welt hielt ihn bereits für einen alten Mann, im Sommer 1977. Im „Spiegel“ vom 2. Mai 1994 wurde eine Greisen-Punkband vorgestellt, die „One Foot In The Grave“ hieß: „Selbst Rock-Veteran Mick Jagger, 50, sieht echt frisch aus gegen Schlagzeuger Gino Costas 77, den Gitarristen Bill Haislip, 68, oder den weißbärtigen Bassisten Gavan Wieser, 51.

Mick Jagger wurde zum 50. verspottet



Lediglich das Gesicht von Frontfrau und Sängerin Jo Dina wirft deutlich weniger Falten als das vom guten alten Mick, doch auch Dina ist immerhin 53 Jahre alt und eine bewährte Großmutter.“ Das ist gerade 14 Jahre her. Mick Jagger wurde allein dafür, dass er 50 wurde, noch mit Häme überkübelt. Dabei gilt der Grundsatz, Pop sei „was für junge Leute“, seit den späten Siebzigern nicht mehr.

Als Prince „For You“ veröffentlichte, sein Debüt, Madonna in New York sich selbst erfand und Michael Jackson „Off The Wall“ aufnahm, wurde die Popkultur erwachsen. Sie ging auf die 30 zu. Die Achtzigerjahre wurden von den 78ern geprägt, den heute 50-jährigen. Die Rockrevolten hatten ihre ältere Geschwistern angezettelt, für den Punk waren die 78er zu alt. Aber vielleicht war das ja gut so: Kein Jahrzehnt erscheint im Rückblick unergründlicher und kühner als die Achtziger.

Prince überdachte das Konzept der Jugend. Michael Jackson trat bereits als Zombie auf, bevor er sich in jenen alterslosen Geist von Neverland verwandelte. Madonna nahm das Selbstdesign vorweg und turnt heute mit Justin Timberlake durchs Video, der ihr Sohn sein könnte aber singt wie Michael Jackson. Es ist noch nicht lange her, da luden Clubs in größeren Städten zu Ü-30-Parties ein, für Menschen über 30. Die Ü-30-Parties heißen jetzt Ü-40-Parties. Es geht darum, abends zeitig mit der Party anzufangen, zur Musik der Achtziger zu tanzen, zeitig wieder aufzuhören und zurückzukehren in den Alltag, der inzwischen einige berufliche und familiäre Zwänge mit sich bringt.

Das Nachtleben ist nicht mehr selbstverständlich, aber noch nicht ausgeschlossen. Kulturell und Biologisch ist man heute erst als Pflegefall tatsächlich alt. Bis dahin streckt sich eine irgendwie nicht enden wollende Adoleszenz. Bald werden die Ü-40-„Älternabende“ verschwunden sein, weil 40-jährigen noch keine Universitätsabschlüsse, Festanstellungen und Kinder zuzumuten sind. Weil 40-jährige dann selbstverständlich bis zum Morgengrauen feiern und nachmittags frühstücken. Dann werden überall Plakate hängen für Ü-50-Parties. Die Musik wird weiterhin von Michael Jackson und Madonna stammen. Und von Prince und seiner Band, die immer noch „New Power Generation“ heißt.