Roadmovie

Zwei Chaos-Agenten auf dem Weg zum Kreißsaal

Eigentlich wollte Highman alias Robert Downey Jr. rechtzeitig zurück sein. Er wusste nur nicht, dass er Ethan treffen würde.

An seinem Talent hatte eigentlich nie jemand gezweifelt – an seiner Disziplin schon. Der US-Schauspieler Robert Downey Junior hat jahrelang eher durch Drogenexzesse Schlagzeilen gemacht als durch seine schauspielerische Leistung. Im Jahr 1999 dann der Tiefpunkt für den Oscar-nominierten Schauspieler: Wegen Drogenbesitzes wurde er zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. „Die Gesellschaft muss vor ihm und Downey Jr. muss vor sich selbst geschützt werden“, begründete der Richter damals.

Seit einiger Zeit ist das nun schon anders. Im Jahr 2008 wurde seine Hauptrolle in „Iron Man“ ein großer Erfolg, Anfang dieses Jahres gelang Downey Jr. so etwas wie ein Wunder als er – obwohl US- Amerikaner – für seine Darstellung des wohl typischsten britischen Charakters „Sherlock Holmes“ gefeiert wurde. Und auch sein neuer Film „Stichtag – Schluss mit Gemütlich“ dürfte sich in die Reihe der Publikumserfolge einreihen.

Downey Jr. spielt darin den Architekten Peter Highman, der doch eigentlich nur so schnell wie möglich von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zu seiner hochschwangeren Frau zurückkehren will – und dabei einen entscheidenden Fehler macht: Am Flughafen läuft er Ethan Tremblay (Zach Galifianakis) und seinem Hund Sunny über den Weg. Eine Panne führt fortan zur nächsten. Peter wird als Terrorist verdächtigt, er und Ethan werden hochkant aus dem Flugzeug geworfen – und dürfen in näherer Zukunft auch keines mehr betreten.

Weil dabei seine Brieftasche abhandenkommt und Peter ohne Geld, Kreditkarten und Pass dasteht, trifft er eine folgenreiche Entscheidung: Gemeinsam mit dem völlig durchgeknallten Nachwuchsschauspieler und Marihuana-Freund Ethan und Hund Sunny will er mit dem Auto fahren – einmal quer durch die Vereinigten Staaten. Denn schließlich will er pünktlich zur Geburt seines ersten Kindes – zum „Stichtag“ – im Kreißsaal stehen.

Damit beginnt ein rund eineinhalbstündiges Roadmovie, bei dem sich die Ereignisse überschlagen und nur eins sicher ist. Denn frei nach Murphys Gesetz gilt: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Die beiden Reisegefährten wider Willen prügeln sich mit einem aggressiven Rollstuhlfahrer, bauen einen Unfall nach dem anderen und reisen sogar versehentlich nach Mexiko ein, weil Ethan den Schriftzug „Mexico“ mit den Texaco-Tankstellen verwechselt. Auf den langen und verschlungenen Pfaden, die sie zurücklegen, treffen sie auch auf Oscar-Preisträger Jamie Foxx und Oscar-Kandidatin Juliette Lewis (wunderbar), die in kleinen Nebenrollen zu sehen sind.

Die Handschrift von Regisseur Todd Phillips, der bereits die Komödien „Road Trip“, „Old School“ und „Hangover“ auf die Kinoleinwand brachte, ist dabei unverkennbar. Sein bewährtes Team und er setzen wieder einmal auf die Hau-drauf-Methode und Schenkel- Klopfer-Humor, der gerne unter die Gürtellinie geht. Und wieder einmal geht das Konzept auf.

Natürlich ist die Geschichte weitgehend vorhersehbar und auch viele der Gags sind nicht gerade neu, Downey Jr. und Galifianakis spielen aber so großartig zusammen, dass das nicht weiter stört. Vor allem Downey Jr., der optisch inzwischen sogar George Clooney Konkurrenz machen könnte, brilliert als zugeknöpfter Architekt, der sich an der Seite von Ethan schnell von seiner Selbstbeherrschung verabschieden muss.