Horror

Lebendig begraben, nur mit einem Handy im Sarg

Rodrigo Cortés’ klaustrophobischer Thriller "Buried – Lebend begraben" spielt mit den Gefühlen seines Publikums.

Zunächst bleibt die Leinwand erst einmal schwarz. Der Kinosaal wird damit zur ultimativen Black Box, zu einer dunklen Grabkammer, in der das Publikum gefangen ist. Man ist der Finsternis ausgeliefert wie den Geräuschen, die sie nach und nach erfüllen: dem immer heftigeren Atmen eines Mannes, den schabenden Lauten seiner Finger, die an Holz kratzen, den dumpfen Tönen seiner Bewegungen auf engstem Raum. Schließlich findet er etwas, ein Feuerzeug, dessen fahle Flamme nach mehreren vergeblichen Versuchen ein wenig Licht in das undurchdringliche Dunkel einer unter mehreren Fuß Erde vergrabenen Holzkiste bringt.

Rodrigo Cortés’ klaustrophobischer Thriller „Buried – Lebend begraben“ hat zweifellos etwas von einem Film gewordenen Alptraum. Schließlich wandelt er mit seiner Prämisse unverkennbar auf den Spuren Edgar Allen Poes, in dessen Erzählungen und Gedichten die Furcht, lebendig begraben zu werden, allgegenwärtig ist. Aber nur in diesen ersten schwarzen Momenten geht Cortés’ Kalkül restlos auf. Von dem Augenblick an, in dem der von Ryan Reynolds gespielte Mann im Sarg im Schein der Feuerzeugflamme sichtbar wird, gleitet diese Horrorvision immer weiter in konventionelle Bahnen ab. Cortés bietet zwar alle nur denkbaren dramaturgischen und filmischen Tricks auf, um das Publikum mit in die Holzkiste hineinzuziehen. Aber diese zutiefst verunsichernde Atmosphäre bedrohlicher Dunkelheit lässt sich durch nichts ersetzen.

Außer dem Feuerzeug findet der Mann, ein Amerikaner namens Paul Conroy, der für ein privates Unternehmen als LKW-Fahrer im Irak arbeitet, noch ein Mobiltelefon in seinem tödlichen Gefängnis. So können zum einen seine Entführer, die für seine Freilassung ein Lösegeld in Höhe von fünf Millionen Dollar fordern, mit ihm in Kontakt treten. Zum anderen kann er Verbindung zur Außenwelt aufnehmen und so auch selbst für seine Rettung kämpfen.

Conroy ist unschuldig zum Opfer der Politik geworden

In diesen Telefongesprächen offenbart sich nicht nur nach und nach die Geschichte eines Mannes, der unschuldig zum Opfer der amerikanischen Politik geworden ist. Sie geben Ryan Reynolds auch die Chance, auf der gesamten Klaviatur der menschlichen Emotionen zu spielen. Verzweiflung und Wut, Hoffnung und Resignation – für 90 Minuten ist Paul Conroy einem ständigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, und Reynolds trifft dabei immer genau den richtigen Ton.

Reynolds’ Performance auf engstem Raum ist ein Ereignis. Doch Rodrigo Cortés interessiert sich letztlich weder für seinen Star noch für dessen Figur. Er will nur sein perfides Spiel mit den Empfindungen des Zuschauers treiben. Also stellt er immer wieder neue Spielregeln auf. Zunächst heißt es, die Nummer des Mobiltelefons, mit dem Conroy nach Draußen telefoniert, sei unterdrückt und könnte nicht ermittelt werden. Später wird er trotzdem zurückgerufen, was eigentlich gar nicht möglich wäre. Aber so kann Cortés in jeder einzelnen Szene die Gefühle und Reaktionen des Publikums steuern und verstärken. Nur ist alles nichts als Manipulation; und wenn man das erst einmal durchschaut hat, hinterlässt „Buried“ nur noch einen überaus schalen Nachgeschmack.