"Rango"

Johnny Depp, ein Chamäleon und der Wilde Westen

"Fluch der Karibik"-Regisseur Gore Verbinski schickt im Animationsfilm "Rango" ein Chamäleon in die Wüste – und schafft einen witzigen Western.

Die Idee für einen Western mit allerlei skurrilen Viechern hatte der amerikanische Regisseur Gore Verbinski schon vor knapp zehn Jahren, aber dann kam ihm ein gewisser Jack Sparrow in die Quere. Mit den drei Teilen von „Fluch der Karibik“ brach Verbinski zwischen 2003 und 2007 mehrere Kassenrekorde – und konnte sich dann wieder ganz entspannt seinem Herzensprojekt widmen.

Die lange Vorbereitungszeit hat sich gelohnt: „Rango“ ist ein brillantes Animationsabenteuer geworden, mit einem Drehbuch so schlagfertig und intelligent wie in einer Screwball-Comedy. Und natürlich leiht Johnny Depp dem Helden im Original seine Stimme.

Chamäleon mit Identitätskrise

„Ich sprach mit Johnny bereits 2003 über das Projekt, erzählte ihm von der Geschichte eines Chamäleons, das in eine Identitätskrise rutscht, das Ganze als Western, und Depp war begeistert“, so Regisseur Verbinski. „Als wir die Story entwickelten, war das immer mit ihm als Figur im Hinterkopf“.

In der Tat, die anarchistische Grandezza und das Rebellentum des Captain Sparrow durchwehen auch den animierten „Rango“.

Schießwütige Klapperschlange

Auf die Idee allerdings, ein zumeist giftgrün schimmerndes Chamäleon durch einen Verkehrsunfall aus seinem behüteten Haustierdasein im Terrarium zu befreien und in die Wüste zu schicken, muss man auch erstmal kommen. Der schmächtige Held im knalligen Hawaiihemd gerät auf der Flucht vor einem riesigen Habicht in das gottverlassene Kaff „Dirt“, wo er prompt zum Sheriff gekürt wird.

Ein Himmelfahrtskommando. Die fiese Schildkröte im Rollstuhl, die unserem Helden den glänzenden Stern an die schmale Brust heftet, hegt schurkische Hintergedanken – und kann sich auf die Schützenhilfe einer schießwütigen Klapperschlange verlassen. Rango hat keine Chance, aber er nutzt sie, auch wenn die smarte weibliche Eidechse Beans kräftig mithilft. Liebe ist stärker als rauchende Colts.

Den großen Showdown gibt es auch

Herrlich, wie versiert Verbinski die altbekannten Western-Standards noch einmal reanimiert. Der Fremde betritt den lärmerfüllten Saloon, und augenblicklich herrscht Totenstille. Oder die obligatorische Verfolgungsjagd, nicht mit Pferden oder Kutschen, sondern auf dem Rücken von Riesenvögeln.

Schließlich der Showdown im Stil von „Zwölf Uhr mittags“ auf der staubigen, menschenleeren Hauptstraße. Spiel mir das Lied vom Chamäleon: Da können die vier klampfenden Mariachi-Uhus mit ihren Riesen-Sombreros, die wie ein Chor aus dem klassischen Drama die Story fortlaufend kommentieren, herumunken wie sie wollen:

Ramgo schafft sie alle. Und schafft es auch noch, alle möglichen Anspielungen unterzubringen. Das Leben ist nur eine Bühne, wir spielen alle nur eine Rolle: Diese Echse hat ihren Shakespeare gelesen. Und Drehbuchautor John Logan („Sweeney Todd“, „The Aviator“) ein pointenreiches Meisterstück abgeliefert.