Der letzte Playboy

Rolf Eden ist glücklich, peinlich zu sein

"Die Leute kamen zu mir, als wäre ich der Papst": Ein Film und ein Treffen mit Rolf Eden, dem entspanntesten Berliner.

Rolf Eden sitzt im wirklichen Leben an diesem Samstagabend auf dem Sofa in seiner Neunziger-Jahre-Villa in Dahlem. Auf dem Glastisch vor ihm ergießt sich in einer Schale das Rot einer roten Rose in Plastiktropfen auf weiße Rosen. Rolf Eden ist keiner, der Angst vor Kitsch hat. Neben dem Sofa türmen sich Zeitungsausschnitte mit Artikeln über ihn aus den vergangenen Monaten.

Rolf Eden genießt es, wenn man über ihn schreibt oder ihn ins Fernsehen einlädt. Er sagt dann das, was die Leute von ihm erwarten. Etwas Provokantes, dem eigentlich die Spitze längst genommen ist, weil Rolf Eden es hundertprozentig schon mal in einem anderen Zusammenhang gesagt hat. Als über die Flatrate-Bordelle diskutiert wurde, da hat Sandra Maischberger ihn in ihre Sendung geholt. Rolf Eden erzählt von seinen Erfahrungen als Freier. Als er gefragt wird, was er davon hält, wenn Frauen zur Prostitution gezwungen werden, da sagt er: "Das ist mir so was von egal." Das sei ja leicht verdientes Geld für die Mädchen, außerdem mache es denen ja auch Spaß. Eine Frau aus der Runde explodiert fast vor Wut. Rolf Eden dreht sich zu ihr und sagt: "Sie sind die Frauenrechtlerin."

Im Film spricht ihn Dörfler auf seinen Medienwahn an. Was dachte er, als er jüngst von einer Zeitung zum "peinlichsten Berliner" gewählt wurde? Schön findet Eden das: "Von vier Millionen Einwohnern bin ich der Peinlichste. Wer ist das schon, ich finde das sehr gut."

Rolf Eden hat in 35 Filmen mitgespielt, drei alleine im letzten Jahr. Seine Lieblingsrolle ist aber die, die er auch heute Abend gibt. Der Verführer. "Was möchten Sie? Kaffee, Tee, Champagner?" Später am Abend zaubert er ein Parfüm hervor, Marke Rolf Eden, das klassische Geschenk für seine Eroberungen. Und dann noch eine Flasche halbtrockenen Sekt, auch die Marke Rolf Eden. Der Mann ist großzügig, wenn man auch zu ihm großzügig ist, dann kann sogar mal eine Brustvergrößerung dabei rausspringen.

"Wenn ich beim Sex sterbe, bekommt die Frau 250.000 Euro"

Rolf Eden war am Freitag auf einer Berlinale-Party, erzählt er. Da habe er zwei sehr hübsche Frauen kennengelernt, die ihn dann noch verwöhnt hätten. Eden lächelt, wartet die Überraschung im Gesicht seines Gegenübers gar nicht erst ab, sondern legt noch einen drauf: "Das ist toll. Seit bekannt ist, dass, wenn ich beim Sex mit einer Frau sterbe, sie dann 250.000 Euro bekommt, strengen die sich so richtig schön an."

Rolf Eden kam in den Fünfzigerjahren ins zerstörte Berlin. 1933 waren die Eltern mit dem dreijährigen Rolf Shimon aus Nazi-Deutschland nach Palästina geflohen. Als junger Mann kämpfte Eden im israelischen Unabhängigkeitskrieg, kaum 20, zeugte er seine einzige Tochter und ging nach Paris, um dort im Nachtleben sein Glück zu finden.

Er war Musiker. In der Zeitung las er, dass jeder, der in Berlin geboren wurde und dahin zurückkehren würde, 6000 Mark bekam, also ging er nach West-Berlin. "Eigentlich wollte ich das Geld nehmen und wieder abhauen, aber dann hat es mir hier so gut gefallen, dass ich nie wieder wegwill." Wollten Sie die Stadt Ihrer Eltern wieder aufbauen? Eden lächelt. "Meine Eltern waren große Berlin-Patrioten. Die haben immer vom Kudamm geschwärmt, von den Cafés vom Theater dort."

Im Film kommen auch die zu Wort, die Edens Hedonismus schon mal gewaltig auf die Nerven gegangen ist. Sein Sohn Marco, zum Beispiel, der offensichtlich irgendwann aufgegeben hat, hinter dem Maskenball des Vaters noch etwas zu suchen. Oder die Mutter seines jüngsten Sohnes, die erzählt, wie sie den 14-jährigen vor der Playboynummer seines Vaters vergeblich schützen will. Beide haben sie sich dem "Immer alles super" Rolf Edens angepasst.

Geschäftlich lief es tatsächlich super. Schon der "Eden-Saloon", sein erster Laden am Kudamm, das spätere "Old Eden", war eine Goldgrube. "Man muss immer anders sein", sagt Eden. "Das zieht die Leute an." In Eimern, die er "Sputnik" nannte, zogen sie die Getränke durch den Saal, es gab Tischtelefone, Mister-Wahlen, Go-Go-Dancing, Sitzbadewannen, Jazzmusik, den ersten Swimmingpool in einem Klub, die erste DJane überhaupt, und die auch noch oben ohne. "1964 war das", sagt Eden sehr stolz. "Das war einfach ein Erlebnis bei mir."

Das "Eden" war, kaum eröffnet, sofort in einer Touristenbibel drin. ",Europe on five dollars a day'. Die Leute kamen zu mir, als wäre ich der Papst. Das war fantastisch." - "Hatten Sie auch mal eine bescheuerte Idee?" - "Ne, nie, hat immer alles funktioniert. Ich habe einfach andere beobachtet und die Fehler, die die gemacht haben, nicht gemacht." Und natürlich: "Ich habe immer nur Glück gehabt."